Artikel vom 11.03.2010 0

Lufthansa erwartet nur langsame Erholung Tarifstreit und steigender Ölpreis

Mit zahlreichen Ungewissheiten im Gepäck will die Lufthansa aus der Verlustzone fliegen. Allerdings sei 2010 nur mit einer langsamen Aufwärtsentwicklung im Luftfahrtgeschäft zu rechnen, erklärte die größte deutsche Airline am Donnerstag.

Wolfgang Mayrhuber - © © dpa -

Wolfgang Mayrhuber

Die Lufthansa erwartet nach dem Jahresverlust von 2009 nur eine langsame Erholung im Luftfahrtgeschäft. Derzeit geht das Management von einer nachhaltigen Aufwärtsentwicklung im zweiten Halbjahr aus, wie Deutschlands größte Fluggesellschaft am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.

Die Tarifstreitigkeiten mit den Piloten und ein steigender Ölpreis trüben allerdings die Aussichten. Im laufenden Jahr will der Dax-Konzern weiter Kosten im Passagier- und Frachtgeschäft senken. Zugleich sollen Umsatz und operativer Gewinn zulegen. Ein deutlich höheres operatives Ergebnis erwartet der Vorstand allerdings erst für das Jahr 2011.

Die Lufthansa-Aktie reagierte am Morgen mit moderaten Verlusten auf die Nachrichten. Zu Börsenbeginn verlor die Aktie 0,13 Prozent auf 11,93 Euro. Das Hauptthema sei der neue Ausblick für 2010, sagte ein Börsianer. Angesichts der zahlreichen Baustellen wie etwa die anhaltenden Verhandlungen mit den Piloten sehe er den vorsichtigen Ausblick aber nicht als einen großen Minusfaktor.

Vor einer Woche hatte der Dax-Konzern berichtet, im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009 erstmals seit 2003 in die roten Zahlen gerutscht zu sein. Unter dem Strich stand ein Verlust von 112 Millionen Euro bei einem um mehr als zehn Prozent auf 22,3 Milliarden Euro gesunkenen Umsatz. Ein Jahr zuvor hatte die Airline noch einen Konzerngewinn von 542 Millionen Euro ausgewiesen. Den selbst definierten operativen Gewinn bezifferte Lufthansa für 2009 auf 130 Millionen Euro - gerade noch zehn Prozent vom Vorjahreswert.

Nur Swiss und Germanwings 2009 profitabel

Neben Passagier- und Frachtrückgängen in der Krise sieht sich das Unternehmen in Europa zunehmend der Konkurrenz von Billigfliegern ausgesetzt. Zudem müssen die verschiedenen Zukäufe wie Austrian Airlines, Brussels Airlines und British Midland (BMI) saniert und in den Konzern integriert werden. Lufthansa erwartet dann jährliche Kostenvorteile von 180 Millionen Euro. Intern tut man sich schwer, die Sparprogramme bei der eigenen Belegschaft durchzusetzen. In den Tarifverhandlungen mit den Piloten kam es bereits zum Streik, der aber nach einem Tag abgebrochen wurde.

Im Passagiergeschäft schrieben lediglich die Konzerntöchter Swiss (93 Millionen Euro) und Germanwings (24 Millionen Euro) schwarze Zahlen. Die Fluglinien unter der Marke Lufthansa (minus 107 Millionen Euro) sowie die neuen Ableger Austrian Airlines (minus 31 Millionen Euro) und British Midland (minus 78 Millionen Euro) rissen die Passagiersparte mit acht Millionen Euro in die operative Verlustzone. 2009 hatte hier noch ein operativer Gewinn von 789 Millionen Euro gestanden. Auch im laufenden Jahr erwartet der Vorstand bei Austrian Airlines und British Midland rote Zahlen.

Weiter geringe Nachfrage im Premium-Bereich

Vor allem der Deutschland- und Europaverkehr macht der Lufthansa-Führung Sorgen. Das Nachfrageverhalten habe sich hier derart verändert, dass vor allem die Preise absehbar nicht wieder auf das Niveau früherer Jahre zurückkehren dürften, heißt es im Geschäftsbericht.

Zudem dürften viele Geschäftskunden ihre Sparprogramme nach Einschätzung des Vorstands fortsetzen, sodass die Lufthansa in der lukrativen Business und First Class keine rasche Erholung erwartet. Mit einer "spürbaren Verbesserung" rechnet der Vorstand einzig auf den Langstreckenverbindungen - sofern hier nicht andere Gesellschaften etwa aus der Golfregion der Lufthansa zu viel Geschäft streitig machen.

Höhere Treibstoffkosten erwartet

Die Lufthansa rechnet für das laufende Jahr mit einem höheren Treibstoffaufwand als bislang. Die Kosten dürften sich auf 4,9 Milliarden Euro belaufen, sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow am Donnerstag laut Redetext bei der Bilanzvorlage in Frankfurt. Bislang war die Lufthansa von 4,75 Milliarden Euro ausgegangen.

Aufwärtstrend bei Luftfracht

Schwer zu kämpfen hat auch die Frachtsparte Lufthansa Cargo. Der operative Verlust fiel 2009 mit 171 Millionen Euro höher aus als der Gewinn des Vorjahres. Für das laufende Jahr zeigte sich das Management "vorsichtig optimistisch". Spätestens 2011 will die Gesellschaft in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Umsatz und operatives Ergebnis sollen sich dank leicht steigender Frachtmengen und höherer Preise bereits im laufenden Jahr verbessern.

Zugleich führt die Lufthansa ihre Sparprogramme fort. In der Lufthansa Passage sollen die Kosten bis Ende 2011 um eine Milliarde Euro sinken. Im Frachtgeschäft soll ein Effizienzprogramm zu Einsparungen führen. Bis Jahresende will das Unternehmen 450 Arbeitsplätze streichen.

Stand: 11.03.2010 - 10:26 AM Uhr

Quelle: dpa, dpa-AFX

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