Artikel vom 19.09.2011 0
Cargolux blamiert Boeing 747-8F-Abnahme verweigert
© Boeing
Boeing 747-8F in neuer Cargolux-Bemalung
Neuer Rückschlag für den US-Flugzeugbauer Boeing: Nur wenige Tage vor der Erstauslieferung des vergrößerten Jumbo-Jets 747-8 hat der Konzern die Veranstaltung kurzfristig abgesagt. "Wir müssen noch einige vertragliche Probleme mit unserem Kunden Cargolux klären", schrieb Verkaufschef Randy Tinseth am späten Freitag in seinem Blog. Details nannte er nicht.
Eigentlich hätten die Feierlichkeiten drei Tage dauern sollen - von Montag bis Mittwoch. Dabei hätte Cargolux gleich zwei der riesigen Frachtmaschinen im Empfang nehmen sollen. "Es stellt sich leider heraus, dass die Party warten muss", erklärte Tinseth. Ein neues Datum nannte er nicht, versprach aber, die Feier würde "sehr bald" nachgeholt.
Cargolux begründete am Freitag die Verweigerung mit „nicht gelösten Vertragsbestandteilen“. Die Finanzierung der Flugzeuge über die Bank JP Morgan sei in einen Wartezustand überführt worden, bis die Probleme gelöst seien. Sollte dies nicht zeitnah passieren, werde sich Cargolux nach alternativen Kapazitäten umschauen, um die Nachfrage der Kunden befriedigen zu können.
Harte Linie vom neuen Miteigentümer?
Möglicherweise haben die Probleme etwas mit dem kürzlich vollzogenen Einstieg von Qatar Airways bei der Luxemburger Frachtflug-Gesellschaft zu tun. Cargolux, ein langjähriger Kunde von Boeing, äußerte sich nicht. Das Flugzeug selbst ist fertig zur Auslieferung. Die neue 747-8 hatte alle Tests bestanden und war sowohl von der amerikanischen als auch der europäischen Luftaufsicht freigegeben worden.
Die jetzige Verschiebung reiht sich in eine Kette von Pannen ein. Wegen technischer Probleme hatte die Erstauslieferung des neuen Jumbos immer wieder verschoben werden müssen. Das Modell liegt rund zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Noch weniger Glück hatte Boeing mit der kleineren 787 "Dreamliner", die sogar drei Jahre verspätet kommt. Hier ist die Erstauslieferung am 26. September geplant, Kunde ist die japanische All Nippon Airways.
Während der "Dreamliner" eine komplette Neuentwicklung ist, bei der erstmals großflächig leichte Verbundmaterialien verbaut werden, ist die 747-8 eine gestreckte und modernisierte Variante des altbekannten Jumbos aus den späten 1960er Jahren. Das letzte Mal hatte Boeing das Modell Mitte der 1980er Jahre in größerem Umfang modernisiert und als 747-400 auf den Markt gebracht. Eine neue Maschine kostet laut Liste 319 Millionen Dollar (231 Mio Euro), allerdings sind Rabatte üblich.
Cargolux ist der Erstkunde bei der Frachtversion der 747-8, die Lufthansa nimmt Anfang kommenden Jahres die erste Passagiervariante für den Liniendienst in Empfang. Die 747-8 "Intercontinental" wird bei den Frankfurtern rund 380 Sitzplätze haben. Zum Vergleich: Der konkurrierende Riesen-Airbus A380 nimmt mit der Lufthansa-Bestuhlung 536 Passagiere auf.
Stand: 19.09.2011 - 10:32 AM Uhr
Quelle: dpa-AFX
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