Artikel vom 11.01.2012 0

Umweltbundesamt veröffentlicht BER-Gutachten Flugrouten-Diskussion

Das Umweltbundesamt hat ihr Lärmgutachten zum neuen Flughafen in Berlin nun doch veröffentlicht. Die Behörde schlägt vor, die Flugrouten zunächst ein Jahr lang zu testen. Wesentlich senken lasse sich die Zahl der vom Lärm Betroffenen aber auch durch andere Routen nicht. 

Grafik aus dem BER-Lärmgutachten des Umweltbundesamts.

Nachdem am Dienstag die geplante Vorstellung eines Gutachtens des Umweltbundesamts (UBA) zum neuen Flughafen Berlin Brandenburg (BER) kurzfristig abgesagt wurde, hat die Behörde die Studie jetzt im Internet veröffentlicht.

Das UBA fordert, die Flugrouten-Vorschläge für den künftigen Berliner Flughafen in Schönefeld zu überarbeiten. Beim Lärmschutz würden die bisherigen Pläne der Deutschen Flugsicherung (DFS) «der komplexen Besiedlungsstruktur in der Umgebung des Flughafens BER nur unzureichend gerecht», heißt es in der Lärmbewertungsstudie des UBA, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Seit langem gibt es Bürgerproteste gegen die geplanten Flugrouten.

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung will die Routen bis zum 30. Januar festlegen. Das UBA berät es mit seinem Gutachten dabei. Es ist die erste derart komplexe Untersuchung des Umweltbundesamts für einen Flughafen. Das Bundesverkehrsministerium hatte die Präsentation des Gutachtens in Berlin am Dienstag verhindert. Am Mittwoch stellte sie das Umweltbundesamt ins Internet. Die Grünen im Bundestag wollen den «skandalösen Versuch» des Ministeriums im Verkehrsausschuss zur Sprache bringen.

Für den Müggelsee gesteht das UBA zu, dass durch die von der Deutschen Flugsicherung vorgesehene Route über den See vergleichsweise wenige Menschen betroffen wären. Dennoch wäre demnach der Freizeitwert der Region eingeschränkt. Das Amt schließt sich deshalb dem Vorschlag des Senats an, nach dem die Piloten die Alternativroute über die Gosener Wiesen südlich des Sees nehmen. Außerdem sollten Flüge von der Nord- auf die Südbahn verlegt werden. Das Amt sieht «ein beträchtliches Lärmminderungspotenzial».

Das Bundesverkehrsministerium glaubt aber, dass es bei der umstrittenen Route über den See bleibt. Sonst werde die Kapazität des Flughafens eingeschränkt und Erkner und Zeuthen stärker belastet, sagte Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle (CSU). «Das Dilemma ist einfach da. Es ist schlimm, dass es da ist, und es belastet mich auch.» Auch die Flugsicherung hatte schon deutlich gemacht, dass sie keine Alternative zur Müggelsee-Route sieht. Der Vorschlag des Bundesunternehmens ist Grundlage für das Bundesaufsichtsamt.

Für den Wannsee schlägt das UBA vor, dass die Maschinen das Gewässer tagsüber meiden und allenfalls zwischen 22.00 Uhr und Mitternacht sowie zwischen 5.00 Uhr und 6.00 Uhr über das Naherholungsgebiet fliegen. Weil es in dieser Zeit weniger Flüge gebe, sei die Belastung geringer. Das Bundesverkehrsministerium verweist indes darauf, dass die meisten Maschinen ohnehin ihre Flugroute verlassen, bevor sie den Wannsee erreichen, weil sie schon ausreichend Höhe gewonnen haben. Dann könnten sie aber über Orte wie Stahnsdorf, Kleinmachnow und Teltow fliegen.

In der Region um die Havelseen könnten die Menschen laut Gutachten vor allem durch lärmmindernde Anflugverfahren vom Fluglärm entlastet werden. Das UBA empfiehlt, die Flugrouten ein Jahr zu testen und dann wenn nötig zu ändern. Scheurle sagte zu, dass im laufenden Betrieb ausgewertet werde. «Wir können eine Flugroute immer wieder anpassen durch neue Rechtsverordnungen, wenn es sinnvoll ist.»

Das grundlegende Problem des Flughafens ist für die Umweltbehörde sein Standort Schönefeld. Die Politik setze mit der Entscheidung eine große Zahl von Menschen dem Fluglärm aus. Eine Flugroutenplanung könne die Zahl der Betroffenen in der dicht besiedelten Umgebung nicht wesentlich verringern.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) teilte mit, die Flugrouten dürften nicht grundsätzlich infrage gestellt werden. Das Bundesaufsichtsamt müsse aber die Vorschläge zum Wannsee und zum Müggelsee abwägen. Er wies darauf hin, dass das Bundesverwaltungsgericht ein Nachtflugverbot - wie es das UBA ebenfalls fordert - schon abgewiesen hat.

Der Flughafen soll am 3. Juni in Betrieb gehen. Wegen der Flugrouten gibt es seit eineinhalb Jahren Proteste in der Region, weil aus Sicherheitsgründen teils andere Gemeinden überflogen werden sollen als lange Zeit angenommen.

Link: Lärmgutachten zu Flugrouten am BER

Stand: 11.01.2012 - 5:19 PM Uhr

Quelle: dpa, airliners.de

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