Artikel vom 31.01.2012 0
Lufthansa Cargo setzt auf Wachstum in Asien Frankfurter Nachtflugverbot macht Sorgen
© dpa /Marc Tirl
Nächtliche Beladung einer MD-11F der Lufthansa Cargo am Flughafen Frankfurt/Main
Während die Wirtschaft in Europa schwächelt, setzt die Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo weiter auf den Wachstumshunger in Asien. "Fast die Hälfte unseres Geschäfts beruht auf Asien", sagte der Chef der Lufthansa-Tochter, Karl Ulrich Garnadt, vor Journalisten in Südkoreas Hauptstadt Seoul. Von 44 Prozent im vergangenen Jahr werde der Anteil der Transporte aus und in diese Region bei Lufthansa Cargo in Kürze auf über 50 Prozent steigen.
"Asien - vor allem China - bleibt der Wachstumstreiber", sagte Garnadt. So will Lufthansa Cargo will ihren angeschlagenen China-Ableger Jade auch nicht ohne Weiteres in die Pleite entlassen. "Solange wir eine Chance sehen für eine neue Aufstellung, reden wir mit unseren Partnern", sagte Lufthansa-Cargo-Chef Karl Ulrich Garnadt vor Journalisten in Südkoreas Hauptstadt Seoul. Bis Ende März solle aber eine Lösung gefunden sein.
Die Lufthansa hält ein Viertel an der Fluggesellschaft Jade Cargo, die den Betrieb ihrer aus sechs Boeing-Jumbos bestehenden Frachterflotte vorläufig eingestellt hat. Haupteigner ist mit 51 Prozent die chinesische Air-China-Tochter Shenzhen Airlines, weitere 24 Prozent liegen bei der KfW-Tochter Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft.
Jade hat mit Finanzproblemen zu kämpfen, zumal die Flieger wegen des starken Konkurrenz- und Preisdrucks in jüngster Zeit nur schwach ausgelastet waren. Strittig ist, wie das Unternehmen mit neuem Geld versorgt werden kann, und wie eine künftige Eigentümerstruktur aussehen soll. Laut "Handelsblatt" benötigt Jade Cargo eine Kapitalspritze von mindestens 50 Millionen Euro, für die Mehrheitseigner Shenzhen seinen Anteil nicht aufbringen wolle. Die Gesellschaft war vor zwei Jahren von der Fluggesellschaft Air China übernommen worden, die dem Vernehmen nach wenig Interesse an dem Fracht-Joint-Venture hat. Lufthansa-Konzernchef Christoph Franz hatte das Engagement bereits vor Monaten in Frage gestellt und eine Lösung des Problems angekündigt.
Vorsichtiger Ausblick für 2012
Für 2012 gab sich Garnadt vorsichtig: Flugangebot und Frachtvolumen des Unternehmens dürften lediglich stabil bleiben. Dabei hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr trotz Nachtflugverbot und zuletzt schrumpfender Frachtmengen punkten können. "Wir erwarten für 2011 den zweithöchsten Gewinn unserer Geschichte", sagte Garnadt. Die offiziellen Zahlen will der Mutterkonzern erst im März veröffentlichen.
Ein Jahr zuvor hatte Lufthansa Cargo dank eines brummenden Geschäfts mit einem operativen Ergebnis von 310 Millionen Euro einen Rekord aufgestellt. Für das laufende Jahr rechnet Garnadt mit einer Stagnation: "Wir erwarten eine Erholung im dritten Quartal, vielleicht schon im März." Aufs Jahr gesehen werde das Wachstum allerdings bei null bleiben.
Unterdessen geht der verschärfte Sparkurs der Lufthansa an der Frachtsparte nicht spurlos vorüber. Der Konzern wolle seinen Profit mit dem angekündigten Gewinnsteigerungsprogramm um 1,5 Milliarden Euro im Jahr verbessern, bestätigte Garnadt zuvor inoffiziell durchgesickerte Informationen. Bei einer Versammlung der Führungskräfte am 6. Februar sollen die Details intern verkündet werden.
Auch Garnadt will die Kosten seiner Sparte unter die Lupe nehmen. "Wir werden uns im Wesentlichen anschauen, ob wir bestimmte Dinge, die wir im Moment in der Cargo machen, stattdessen gemeinsam mit dem Konzern wahrnehmen", sagte er der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Dies betreffe etwa den Einkauf.
Nachtflugverbot und Treibstoffpreise machen Sorgen
Dabei macht dem Unternehmen das Nachtflugverbot am Heimatflughafen in Frankfurt ebenso zu schaffen wie die hohen Treibstoffpreise. "Der Ölpreis bleibt ein großer Unsicherheitsfaktor", sagte Garnadt. Bei Fluggesellschaften ist der Sprit einer der größten Kostenblöcke. Das Nachtflugverbot, über dessen endgültige Ausgestaltung das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig frühestens Ende März entscheiden wird, erschwert dem Unternehmen den Transport zeitkritischer Lieferungen etwa über Nacht in die USA.
Solche Expressdiensttransporte sind für den Frachtflieger ähnlich lukrativ wie Spezialtransporte von Medikamenten oder Tieren. Das kurzfristig verfügte Nachtflugverbot ab Ende Oktober hat Lufthansa Cargo laut Garnadt bis zum Jahresende 20 Millionen Euro gekostet. Auch bei besserer Planung rechnet er noch mit einer Ergebnisbeeinträchtigung von 40 Millionen Euro pro Jahr.
Für den Sommer hat Lufthansa Cargo in Frankfurt keine Nachtflüge vorgesehen. Sollte das Gericht Flugverkehr in der Nacht wieder zulassen, könnte das Unternehmen die Flüge im Juni oder Juli allerdings wieder aufnehmen. Die im Herbst aus der Not heraus eingeführten Frachtflüge vom Flughafen Köln/Bonn in die USA will Garnadt nicht weiterführen: Ab dem Sommerflugplan werde das Flugangebot wieder komplett von Frankfurt ausgehen.
Trotz der Einschränkungen hält der Manager an Deutschlands größtem Flughafen als zentralem Standort fest. "Für uns gibt es zu Frankfurt keine Alternative." Die Frachter müssten an einem Standort mit den Passagierfliegern des Mutterkonzerns zusammentreffen, in deren Bäuchen rund die Hälfte der Fracht zu 160 Zielen in aller Welt befördert wird. Die reinen Frachtmaschinen steuern nur 70 Ziele an. Rund 70 Prozent der in Frankfurt abgewickelten Sendungen und 60 Prozent der Tonnage würden als sogenannte Transitfracht umgeladen, sagte Garnadt.
Unklarheiten bei der Flottenplanung
Durch das Nachtflugverbot sieht Garnadt langfristig jedoch die Existenz der Frachterflotte in Gefahr. "Unsere Frachter vom Typ MD-11 sind ja nicht so alt. Sie werden noch einige Jahre fliegen", sagte er zu dpa-AFX. "Bis zum Jahr 2025 wollen wir die Flotte ersetzen und zusätzliche Flugzeuge bestellen." Neue Frachter lohnten sich allerdings nur, wenn sich mit ihnen mehr Geld verdienen lasse, als wenn die Fracht in den Gepäckräumen der Passagierflieger befördert werde.
Offen ist, ob Lufthansa Cargo mit den bereits bestellten fünf Frachtern vom Typ Boeing 777F ihre Flotte ausbaut oder mit ihnen alte Flieger ersetzt. "Das entscheiden wir 2013, wenn wir Klarheit über die künftige Nachtflugregelung haben", sagte Garnadt. Derzeit ist das Unternehmen mit 18 MD-11-Frachtern unterwegs, die im Schnitt 13,7 Jahre alt sind. Hinzu kommen acht Flugzeuge von AeroLogic, dem Gemeinschaftsunternehmen mit der Deutschen Post DHL.
Stand: 31.01.2012 - 8:30 AM Uhr
Quelle: dpa-AFX
Meistgelesen
- 1 Air Berlin wagt den Billigst-Tarif Neue Tarifstruktur
- 2 A400M-Tests in Brandenburg beendet Testflüge verliefen «nicht nach Plan»
- 3 Lufthansa-A380 heißt «Berlin» Taufe in Tegel
Anzeige

Neues ILS in Frankfurt
FRA: Fluglärmkommission fordert Rechtssicherheit