Die Born-Ansage (69) Die unnötigste Wahl seit Jahren

Der Tegel-Volksentscheid war ein Witz, sagt Karl Born. Der Flughafen Tegel schließt ohnehin nicht so schnell, denn der BER liegt im Koma. Und irgendwann schlagen die Fakten die Theorie: Zu klein ist zu klein.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Die Bundestagswahl hat nichts geändert und wird die Nation nochmals vier Jahre im politischen Dämmerschlaf halten, ebenso ändert auch der Volksentscheid über den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel nichts. Abstimmung über die Tegel-Zukunft: So viel Humor können nur Berlinerinnen und Berliner haben.

Der BER ist nicht nur im Dämmerschlaf, sondern eigentlich im tiefsten Koma. Aber in Berlin wird tatsächlich ernsthaft über Schließung oder Nichtschließung der Flughafen Tegel abgestimmt, wenn der Flughafen BER eröffnet sein sollte. Woher der Optimismus, dass das in absehbarer Zeit geschehen wird? Ist irgendwo ein Ritter in Sicht, der den BER aus seinem Dornröschenschlaf holt? Daldrup? Dobrindt? Ein potentieller neuer Verkehrsminister, vielleicht von der FDP als Tegel-Retter? Da kann ich nur laut lachen.

Man muss nicht der größte Skeptiker sein, um zu wissen, dass das nicht vor November 2021 der Fall sein wird. Das würde bedeuten, die nächste Bundestagswahl wird früher sein, als die Eröffnung des BER.

Da fällt mir natürlich auch das Volksbegehren über die Schließung des Flughafens Tempelhof im Jahr 2008 ein. Der damalige regierende Bürgermeister Wowereit wollte unbedingt Tempelhof schließen (die Fertigstellung BBI –so hieß der BER damals- war noch drei Jahre entfernt). Niemand weiß bis heute welche persönliche Motive, gegen jede Vernunft, Wowereit angetrieben haben.

Kerniger Wowereit-Satz damals: "Wenn THF offen bleibt, gibt es einen sofortigen Baustopp des BBI". Das Ergebnis kennen wir. THF blieb nicht offen und trotzdem ruhten monatelang die Bauarbeiten am BBI.

Zu klein ist zu klein!

Viel wichtiger als über Tegel zu diskutieren, ist über die Flughafen-Situation in den nächsten Jahren nachzudenken. Schon im Mai 2012 hatte ich auf einer Touristikveranstaltung in Berlin gesagt, dass der künftige Hauptstadtflughafen bei seiner Eröffnung zu klein sein wird, man dürfe das offiziell nur noch nicht sagen, weil das Wowereit nicht will. Und da hatte ich nicht im mindesten damit gerechnet, dass wir über 2021 (ff Jahre) reden.

Niemand kann ernsthaft bestreiten wollen, dass der BER nach jetzigem Erkenntnisstand um eine zweistellige Passagier-Millionenzahl zu klein sein wird. Bei allem Respekt, vor einer gegebenen rechtlichen Situation, irgendwann schlagen die Fakten die Rechtstheorie. Zu klein ist zu klein!

Nicht hilfreich ist, wenn jetzt jede Partei für sich ein neues Gutachten präsentiert. Da gilt der Spruch: zwei Juristen, drei Meinungen. Das bedeutet aber auch, unabhängig von der angenommen Rechtssituation, muss jetzt schon dringend etwas zur Sanierung von Tegel gemacht werden.

© dpa, Lesen Sie auch: Wie es nach dem Volksentscheid zum Flughafen Tegel weitergeht

Dass Flughafenchef Daldrup Journalisten vor kurzem die marode Infrastruktur von Tegel zeigte, als Beweis wie teuer eine Offenhaltung sein würde, kann nur als ein misslungener Scherz betrachtet werden. Egal ob man für oder gegen TXl ist, dieser Flughafen muss auf jeden Fall noch viele Jahre funktionieren. Oder will Berlin irgendwann keinen einzigen funktionierenden Flughafen haben?

Im Übrigen: der nicht eröffnete BER kostet heute eine Million Euro - pro Tag wohlgemerkt. Dies nur zum Vergleich zu der viel diskutierten 150-Millionen-Bundesbürgschaft für Air Berlin. Über die Kosten für den BER regt sich niemand mehr so intensiv auf. Aber das Thema ist auch einfach nur noch ermüdend.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de

Datum: 28.09.2017 - 10:26

Adresse: http://www.airliners.de/tegel-kolumne-born/42467