Artikel vom 12.01.2010 0
EADS-Jahresausblick verhalten optimistisch
Neujahrs-Pressekonferenz
© dpa
Louis Gallois und Thomas Enders (12.01.10)
Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat im Krisenjahr 2009 erneut einen Absatzrekord aufgestellt. Das Unternehmen lieferte im vergangenen Jahr 498 Flugzeuge aus, 15 mehr als im Jahr zuvor, wie es am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Sevilla mitteilte. Auch mit 310 neuen Aufträgen im Wert von 34,9 Milliarden Dollar (24 Milliarden Euro) habe Airbus sein Ziel erreicht. Für dieses Jahr wolle der Konzern die Herstellung "auf dem Niveau von 2008/2009 halten", erklärte Airbus-Chef Tom Enders. "Über den Berg sind wir noch nicht."
Erhöhung der A380-Produktion
Die Herstellung seines neuen Riesenjumbos A380 will Airbus in diesem Jahr kräftig ankurbeln. Die Auslieferung solle im Vergleich zum Vorjahr "verdoppelt" werden, geplant seien 20 Maschinen über das ganze Jahr, sagte Airbus-Manager Fabrice Bréguier der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos". Im zweiten Halbjahr wolle das Unternehmen einen Fertigungsrhythmus von zwei Flugzeugen im Monat erreichen. Ob Airbus im nächsten Jahr tatsächlich 40 Maschinen vom Typ A380 ausliefern wolle, wie es geheißen hatte, ließ Bréguier offen. "Sicher ist, dass wir die Kapazität für bis zu vier Flugzeuge im Monat haben", sagte er.
EADS-Umsatz 2009 gesunken
Trotz glänzender Geschäfte der größten Konzernsparte Airbus hat EADS im vergangenen Jahr die Krise kräftig zu spüren bekommen. Der Umsatz sank von 43,3 Milliarden 2008 auf geschätzte 41,7 Milliarden Euro.
Noch Mitte November hatte die Airbus-Mutter für 2009 einen Umsatz «ungefähr auf Vorjahresniveau» prognostiziert. Dabei wurde ein durchschnittlicher Wechselkurs von 1,39 Dollar je Euro zugrunde gelegt. Doch seitdem hat sich der Dollarkurs auf rund 1,45 Dollar je Euro abgeschwächt. Da die meisten Kosten in Euro anfallen, belastet der schwächere Dollar die Wettbewerbsfähigkeit des Luft- und Raumfahrtkonzerns.
Der Konzern plane für 2010 mit einem Dollar, der zehn Cent billiger sei als 2009. Gallois erklärte: «Wir beginnen das Jahr mit einem (rechnerischen) Ausfall von einer Milliarde Euro. Wir müssen die Abhängigkeit vom Dollarkurs senken.»
Das Jahr 2009 sei schwierig gewesen, so Konzernchef Louis Gallois am Dienstag in Sevilla. «Doch dank unseres breiten Portfolios, Zuwächsen im Verteidigungs- und Regierungsgeschäft sowie einer soliden Nettoliquidität haben wir die Fähigkeit zu Wachstum und Innovation gewahrt.»
Zu EADS gehören vor allem auch der Hubschrauberhersteller Eurocopter, die Verteidigungssparte DS sowie der Satelliten- und Raketenbauer Astrium. Weil das Geschäft bei DS und Eurocopter stagnierte und Astrium kräftig wuchs, vermuten Experten hinter dem Umsatzrückgang Preiszugeständnisse. Das Hauptproblem für EADS ist kurzfristig aber nicht die Nachfrage, sondern die Unsicherheit bei der Finanzierung des Airbus-Militärtransporters A400M.
A400M: Airbus drängt zu „richtigen Verhandlungen“
Im Milliardenpoker um die Finanzierung des A400M droht Airbus den sieben Kundenstaaten mit harten Konsequenzen, ohne aber offen von einem Programmabbruch zu sprechen. «Schon jetzt machen wir mit den ersten 180 Flugzeugen 2,4 Milliarden Euro Verlust», sagte EADS-Konzernchef Louis Gallois am Dienstag in Sevilla. Dazu kämen hohe Risiken der Produktentwicklung. «Wir können nicht einfach so weitermachen wie bisher.» Bis zum Monatsende müsse es eine grundsätzliche Einigung geben. «Wir werden dann Mitte 2010 wissen, was wir tun.»
«Bisher haben wir nicht einmal richtige Verhandlungen», sagte Airbus-Chef Enders. «Wir haben mehr als neun Monate mit den Kunden diskutiert. Jetzt brauchen wir eine grundsätzliche Vereinbarung über die Teilung der Kosten.» Er sehe einen «sehr intensiven Diskussionsprozess in den nächsten zwei bis drei Wochen» voraus.
Die sieben Bestellnationen - mit Deutschland und Frankreich als Großkunden - wollen am Donnerstag erneut darüber beraten, wie die explodierenden Mehrkosten aufgeteilt werden. Die verspätete A400M kostet die Tochterfirma des deutsch-französischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS monatlich "etwa hundert Millionen Euro", wie Enders bei der Vorstellung der Absatzbilanz im spanischen Sevilla sagte. Das gesamte Programm könnte damit bis zu elf Milliarden Euro mehr kosten als ursprünglich vorgesehen.
Stand: 12.01.2010 - 1:30 PM Uhr
Quelle: dpa, AFP, ddp
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