Artikel vom 29.07.2011 0
Körperscanner-Test geht zu Ende
Nach zehn Monaten
© dpa /Marcus Brandt
Körperscanner im Testbetrieb am Flughafen Hamburg
Nach zehn Monaten endet am Sonntag (31.7.) der erste deutsche Test von zwei Körperscannern für den Einsatz bei der Sicherheitskontrolle in Flughäfen. Rund 793.000 Passagiere haben seit dem 27. September 2010 auf dem Hamburger Flughafen die beiden Geräte freiwillig genutzt, teilte das Innenministerium am Donnerstag in Berlin mit.
Die Ergebnisse des Tests sollen in den kommenden Wochen analysiert und bewertet werden. Anschließend würden Resultate und Entscheidungen veröffentlicht. Neben technischen Details müssen vor einer möglichen breiteren Einführung des Körperscanners auch rechtliche, politische und finanzielle Fragen geklärt werden.
Rein technisch hat der Körperscanner den monatelangen Test am Hamburger Flughafen wohl gut bestanden. Das wichtigste Ergebnis, so heißt es in Sicherheitskreisen: Das Fliegen werde durch den Einsatz des Geräts sicherer. Der Körperscanner finde zum Beispiel mit hoher Treffsicherheit versteckte Keramikmesser und flüssigen oder pulverförmigen Sprengstoff. Das ist bei den bislang gebräuchlichen Sicherheitsschleusen, den sogenannten Torsonden mit Metalldetektoren, nicht gewährleistet. Die Behörden testeten rund 2000 verschiedene Kombinationen von gefährlichen Gegenständen.
Insbesondere in den ersten Monaten hatten die Probegeräte noch unzählige Fehlermeldungen ausgelöst. Probleme bereiteten beispielsweise Falten in der Kleidung. Die Zuverlässigkeit habe sich durch Software-Updates während der Testphase erhöht.
Passagiere haben positiven Eindruck
Auch die Passagiere sollen durch die Sicherheitsprozedur weniger belastet werden. Bislang mussten die Sicherheitskräfte fast die Hälfte aller Reisenden nachkontrollieren, weil die Torsonden Alarm auslösten. Die oft unangenehmen Körperkontrollen werden deutlich reduziert. Der Körperscanner zeigt genau an, wo sich ein verdächtiger Gegenstand befindet; nur dieser Bereich wird überprüft.
Bei einer Befragung auf dem Hamburger Flughafen äußerten sich 88 Prozent der Fluggäste positiv über den Scanner. Die Körperformen des Passagiers werden auf dem Kontrollbildschirm nicht angezeigt, sondern nur eine Art «Strichmännchen».
Der in Hamburg unter realen Flughafenbedingungen eingesetzte Scanner vom Typ L-3 ProVision ATD erfüllte laut Ministerium die Grundvoraussetzungen, darunter gesundheitliche Unbedenklichkeit und Wahrung der Persönlichkeitsrechte. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte den gesundheitlich unbedenklichen Einsatz bestätigt.
Nachbesserungsbedarf bei Scan-Dauer
Als problematisch gilt, dass der Scanvorgang länger dauert als die bisher üblichen Kontrollen. Die Flughäfen stehen dem Körperscanner grundsätzlich positiv gegenüber und halten ihn für eine zukunftsweisende Technik, doch noch nicht für ausgereift. Angesichts steigender Passagierzahlen dürfe der Einsatz des neuen Scanners nicht die Wartezeiten auf den Airports verlängern und die Sicherheitskontrollen zu einem Flaschenhals machen.
Der Bund ist an den deutschen Flughäfen für 310 Torsonden, 620 Gepäckprüfanlagen, 1500 Handscanner und 70 Sprengstoffspürgeräte verantwortlich, dazu für 145 Sprengstoffspürhunde. Jährlich kauft die Bundespolizei für rund 30 Millionen Euro neue Geräte; weitere sieben bis zehn Millionen Euro werden für Wartung und Reparaturen ausgegeben. Eine flächendeckende Einführung der Körperscanner an deutschen Flughäfen würde vermutlich einige Jahre dauern. Ein Gerät kostet um die 100.000 Euro.
Stand: 29.07.2011 - 8:43 AM Uhr
Quelle: dpa, dapd
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