Flugbegleiter setzen Lufthansa eine letzte Frist

22.06.2015 - 16:28 0 Kommentare

Die Schlichtung für die Lufthansa-Flugbegleiter ist gescheitert. Statt eines sofortigen Streiks stellt die Gewerkschaft Ufo dem Unternehmen ein Ultimatum. Sollte das nicht erfüllt werden, wird gestreikt - und zwar bis in den Herbst hinein.

Ein streikender Flugbegleiter hat am Flughafen Frankfurt am Eingang zur Lufthansa-Basis ein Schild mit der Aufschrift "Außer Betrieb" umgehängt.

Ein streikender Flugbegleiter hat am Flughafen Frankfurt am Eingang zur Lufthansa-Basis ein Schild mit der Aufschrift "Außer Betrieb" umgehängt.
© dpa - Frank Rumpenhorst

Friedrich Merz und Herta Däubler-Gmelin

Friedrich Merz und Herta Däubler-Gmelin
© dpa - Karlheinz Schindler

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hat der Lufthansa im Tarifstreit eine Frist von acht Tagen eingeräumt und will frühestens am 1. Juli streiken. Bis zum 30. Juni habe die Airline Zeit, auf gemeinsamer Basis wieder in die Gespräche zur Alters- und Übergangsversorgung des Kabinenpersonals einzusteigen, sagte der Ufo-Vorsitzende Nicoley Baublies jetzt in Frankfurt am Main. Geschehe dies nicht, werde die Gewerkschaft am 1. Juli streiken.

An welchen Standorten die Flugbegleiter in einen Arbeitskampf treten werden, sagte Baublies nicht. Ufo werde dies erst am Streiktag bekannt geben. Ebenfalls am 1. Juli will die Gewerkschaft Baublies zufolge alle weiteren Streiktage in diesem Jahr nennen, damit sich die Kunden darauf vorbereiten können. Der Arbeitskampf werde mindestens bis zum 16. September dauern.

© dpa, Christian Charisius Lesen Sie auch: Schlichtung für Flugbegleiter der Lufthansa kommt nicht voran

Am Samstag war das Schlichtungsverfahren zwischen Ufo und Lufthansa ergebnislos beendet worden. Die Schlichter - die frühere Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) und der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) - hatten den Tarifparteien lediglich aufgegeben, die Gespräche fortzusetzen und keine inhaltliche Schlichtungsempfehlung abgegeben.

Baublies warf der Airline vor, sie habe die Schlichtung "absichtlich" scheitern lassen. Er befürchte, dass die Lufthansa Arbeitsplätze zu deutlich günstigeren Bedingungen ins Ausland verlegen wolle. 80.000 deutsche Jobs seinen auf dem Weg nach Südafrika, Krakau oder Österreich, wo die Flugbegleiter, aber auch die Piloten und andere Beschäftigte deutlich weniger verdienen würden, erläuterte Baublies. Die Lufthansa könne zu einer "leeren Holding ohne nennenswerte Arbeitsplätze in Deutschland" werden.

Lufthansa setzt auf Gespräche

Die Lufthansa erklärte am Montag, "bis zuletzt auf konstruktive Verhandlungen" gesetzt zu haben und dies auch weiter zu tun. Sie appellierte an die Ufo, die Frist zu nutzen, um in neue Gespräche einzusteigen. Das gemeinsame Ziel müsse sein, "Streiks unbedingt zu vermeiden". Bereits für diesen Mittwoch hat Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens den Ufo-Chef Baublies zu einem Gespräch eingeladen.

Ufo kann seine Mitglieder umgehend zum Streik aufrufen, weil eine entsprechende Urabstimmung bereits Ende Januar mit einer Mehrheit von über 93 Prozent für Arbeitskämpfe zu Ende gegangen war. Im Sommer 2012 hatte die Gewerkschaft den ersten Flugbegleiterstreik in der Geschichte der Lufthansa organisiert und an drei Tagen zusammen rund 1500 Flüge ausfallen lassen.

Die Lufthansa befindet sich derzeit mit mehreren Gewerkschaften für unterschiedliche Beschäftigungsgruppen in Tarifverhandlungen. Ein Knackpunkt ist in allen Verhandlungen die betriebliche Altersvorsorge.

Von: AFP, dpa
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