Tarifkonflikt beim Lufthansa-Kabinenpersonal droht zu eskalieren

20.10.2015 - 10:01 0 Kommentare

Der Tarifstreit zwischen der Lufthansa und der Flugbegleitergewerkschaft Ufo ist auch mit einer neuen Antwort der Lufthansa auf einen Kompromissvorschlag nicht gelöst. Ufo-Chef Baublies droht nun mit Streiks.

Nicoley Baublies, Vorstandsvorsitzender der Gewerkschaft Ufo - © © dpa - Arne Dedert

Nicoley Baublies, Vorstandsvorsitzender der Gewerkschaft Ufo © dpa /Arne Dedert

Passagiere der Lufthansa müssen sich erneut auf einen Arbeitskampf mit Flugausfällen einstellen. "Das wahrscheinlichste Szenario sind jetzt Streiks. Wir bereiten uns intensiv darauf vor", sagte Nicoley Baublies, Vorstandschef der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, am Dienstag in Frankfurt: "Das werden keine pille-palle Arbeitskämpfe."

Ufo hatte das am Montag vorgelegte neue Angebot der Lufthansa als Provokation zurückgewiesen und das Unternehmen aufgefordert, die Vorschläge bis zum Ende der ursprünglich gesetzten Verhandlungsfrist am 1. November nachzubessern. Bis dahin werde es keine Streikankündigung geben, sagte Baublies.

Europas größte Fluggesellschaft bot für Flugbegleiter, die länger fliegen, die Möglichkeit einer höheren betrieblichen Altersversorgung an. Als Rente könnten bis zu 100 Prozent des letzten Grundgehalts erreicht werden, teilte Lufthansa in Frankfurt mit. Bei der Vergütung gehe es um Verbesserungen: für dieses Jahr 2000 Euro Einmalzahlung für alle Kabinenmitarbeiter, ab 2016 und 2017 je eine Erhöhung um 1,7 Prozent für Mitarbeiter, die vor 2013 eingestellt wurden. "Dieses Angebot zur Alters- und Übergangsversorgung der Lufthansa würde den Kabinenmitarbeitern der Lufthansa Passage auch weiterhin mit das beste Versorgungssystem der gesamten Airline-Branche bieten."

Ufo-Chef spricht von Provokation

Baublies sprach von einer Provokation bei der Vorgehensweise. Bei dem Vorschlag zur Altersversorgung gebe es ein Zinsrisiko. Und bei der Vergütung seien die von Lufthansa geforderten Einsparungen noch nicht eingerechnet. Die Gewerkschaft hatte einen Kompromissvorschlag vorgelegt und dem Vorstand eine Erklärungsfrist bis zum Montag gesetzt.

Ufo hat bisherigen Angaben zufolge Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe angeboten, die von den rund 19.000 Flugbegleitern etwa über Gehälter, Arbeitszeiten oder Versorgungsansprüche erbracht werden müssten. Auch der Umstellung der Betriebsrenten auf Festbeiträge will Ufo zustimmen. Als Gegenleistung verlangt die Gewerkschaft Job-Garantien und Wachstumsperspektiven bei der Lufthansa-Mutter. Im Sommer stand die Gewerkschaft bereits kurz vor dem Streik, ließ sich aber auf moderierte Verhandlungen ein.

© dpa, Federico Gambarini Lesen Sie auch: Lufthansa und Gewerkschaft Ufo verlängern Verhandlungen

"Wir waren wohl zu friedlich"

"Wir waren wohl zu friedlich", sagte Ufo-Chef Baublies, der in den vergangenen Monaten den harten Streikkurs der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) nicht mitgegangen war. Man werde nun Kontakt zur VC und auch zur Gewerkschaft Verdi suchen, um ein gemeinsames Vorgehen zu verabreden. Bislang verhandeln die drei Gewerkschaften nach Beschäftigtengruppen getrennt über Gehälter und Versorgungsansprüche der Lufthansa-Mitarbeiter in Deutschland.

Die Piloten haben seit April 2014 bereits 13 Mal gestreikt, waren zuletzt aber wieder an den Verhandlungstisch zurückgekehrt, nachdem ein Gericht ihren Ausstand als unrechtmäßig eingeschätzt hatte.

Von: gk, dpa
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