Tarifexperte: "Streit zwischen Lufthansa und VC noch nicht vorbei"

23.03.2017 - 17:19 0 Kommentare

Zwischen der Lufthansa und ihren Piloten gibt es eine "Einigung zur Einigung". Doch der Konflikt ist damit noch nicht gelöst, sagt Luftfahrt-Tarifexperte Eckard Bergmann. Aber beide Seiten hätten etwas eingesehen.

Ein Pilot der Lufthansa. - © © dpa - Boris Roessler

Ein Pilot der Lufthansa. © dpa /Boris Roessler

Die Lufthansa und ihre Piloten haben sich darauf geeinigt, sich bei allen Tarifthemen zu einigen - der Konflikt ist damit aber noch nicht vorbei. Das sagte Luftfahrt-Tarifexperten Eckard Bergmann jetzt im Gespräch mit airliners.de.

"In nahezu allen Einzelthemen liegt noch Konfliktpotential bei der redaktionellen Umsetzung", so Bergmann. "Man hat es aber geschafft, sich über die Gesamtlösung mehrere Spielräume zu schaffen, die mal der einen, mal der anderen Seite zu Akzeptanz verhelfen können."

So habe die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) "eingesehen, dass insbesondere auf Europastrecken Kostensenkungen erforderlich sind. Lufthansa sieht ein, dass man die Zukunft schwerlich gegen das Bestandspersonal gestalten kann, dessen Vertreter die VC repräsentieren, und auch, weil der Pilotenmarkt derzeit arbeitnehmerfreundlicher wird", so Bergmann weiter. "Zumindest gut qualifizierte und erfahrene Piloten sind wieder stärker gefragt, als in den vergangenen Jahren."

Der Experte glaubt, dass "die Tarifauseinandersetzungen seit 2012 ein sehr hart geführtes Rückzugsgefecht der VC waren". Die Gewerkschaft werde Lufthansa beim kostengünstigen Wachstum außerhalb des Kernbereichs künftig wohl weniger einschränken - ähnlich habe sich auch der Schwesterverband SNPL bei Air France verhalten.

Unterschiedliche Bezeichnungen von Lufthansa und VC

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Lufthansa und VC sich bei allen tarifpolitischen Streitpunkten grundsätzlich geeinigt haben. Es geht dabei um Übergangsversorgung, Altersvorsorge sowie Manteltarifvertrag und Vergütungstarifvertrag für die rund 5400 Piloten der Lufthansa, der Billigtochter Germanwings sowie der Frachtairline Lufthansa Cargo.

© Lufthansa Bildarchiv, Gregor Schlaeger Lesen Sie auch: Lufthansa und Piloten einigen sich in allen Streitpunkten

Während die Airline von einer "Grundsatzvereinbarung" spricht, ist bei der Gewerkschaft von einer "Absichtserklärung" die Rede. Warum beide Seiten eine unterschiedliche Bezeichnung gewählt haben, konnte ein Lufthansa-Sprecher auf Nachfrage von airliners.de nicht sagen.

"Wir sind da etwas vorsichtiger", sagte VC-Sprecher Markus Wahl zu airliners.de. Der Teufel liege im Detail, das habe man bei vergangenen Verhandlungen mit Lufthansa erfahren müssen - darum die Bezeichnung "Absichtserklärung".

"Aber wir sprechen vom gleichen Papier", betonte Wahl. Man habe sich mit Lufthansa "darauf geeinigt, sich zu einigen" und dabei alle wichtigen Punkte lose auf Papier festgehalten. Es ginge nun darum, diese "20-seitige Stichwortsammlung" in juristisch saubere Tarifverträge umzuwandeln.

Markus Wahl ist Sprecher der Vereinigung Cockpit (VC). Foto: © dpa, Arne Dedert

Die Lufthansa sieht es als "überwiegend wahrscheinlich an", dass dies gelingt. Entsprechende Redaktions-Gespräche haben laut VC bereits begonnen, können sich aber noch Monate hinziehen. Eine Rolle könnte bei dem Streit auch noch der Schlichterspruch spielen, den beide Seiten angenommen haben.

Dieser war der "Grundsatzvereinbarung"/"Absichtserklärung" vorausgegangen, soll jedoch durch die neue Einigung ersetzt werden. So haben es beide Seiten vereinbart. Die Piloten haben jetzt dem Schlichterkompromiss zugestimmt. Die Urabstimmung musste aus formalen Gründen durchgeführt werden und erbrachte laut Mitteilung der VC eine Zustimmung von rund 90 Prozent der stimmberechtigten Piloten.

Sollte die neue Einigung jedoch scheitern, würde der nun angenommene Kompromiss aus der Schlichtung zur neuen Grundlage werden.

Von: ch
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