Tarifeinigung mit Lufthansa-Piloten auf der Zielgeraden

04.10.2017 - 17:34 0 Kommentare

Der endgültige Tarifkompromiss zwischen Lufthansa und Pilotenvereinigung Cockpit ist unterschriftsreif. Nach letzten Konkretisierungen fehlt anschließend nur noch die Urabstimmung

Ein Pilot der Lufthansa. - © © dpa - Boris Roessler

Ein Pilot der Lufthansa. © dpa /Boris Roessler

Der lange angekündigte endgültige Tarifkompromiss zwischen Lufthansa und ihren Konzern-Piloten ist auf der Zielgeraden. Wie airliners.de erfuhr, haben sich Piloten und Lufthansa-Management zu den noch strittigen Punkten geeinigt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte zuvor von September als Zielmarke für eine Einigung mit den Konzernpiloten gesprochen.

Anfang dieser Woche habe die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mit dem Konzernvorstand "Einigungen zu den noch strittigen Punkten" erreicht, erläutert die Gewerkschaft in einem Schreiben an die Mitglieder, dass airliners.de vorliegt. Es bedürfe nur noch "einiger weniger inhaltlicher Konkretisierungen, um dann nächste Woche die betroffenen Verträge zur Gesamtlösung [...] abzustimmen." Eine Annahme stehe dann nun noch unter dem Vorbehalt einer Urabstimmung unter den Konzernpiloten.

Man sei nach wie vor in Redaktionsgesprächen, hatten Lufthansa und Pilotengewerkschaft noch am Vormittag übereinstimmend mitgeteilt. Zu dem extrem komplexen Tarifwerk gebe es noch letzte Abstimmungen, sagte ein Lufthansa-Sprecher. "Wir sind zu 99,5 Prozent fertig", erklärte VC-Sprecher Markus Wahl.

Umfangreiche Änderungen

Mitte März hatten die Parteien einen vorläufigen Schlussstrich unter den mit 14 Streikwellen härtesten Tarifkonflikt in der Geschichte der Lufthansa gezogen. Den veröffentlichten Eckpunkten zufolge sollen die rund 5400 nach Konzerntarif bezahlten Piloten im Schnitt zwei Jahre später in den Vorruhestand wechseln und selbst das Zinsrisiko bei ihrer Betriebsrente tragen. Zudem wurden Gehaltssteigerungen bis zum Jahr 2022 und Neueinstellungen vereinbart.

Die Piloten akzeptierten unter anderem die Umstellung der Betriebsrenten auf Festbeiträge. Bislang hatte Lufthansa die absolute Höhe der Zahlungen garantiert und damit das Zinsrisiko übernommen. Die Neuregelung wirkt nun schon im Geschäftsjahr 2017 entlastend auf die Bilanz.

© dpa, Valentin Gensch Lesen Sie auch: Tarifexperte: "Streit zwischen Lufthansa und VC noch nicht vorbei"

Lufthansa garantiert den Piloten, dass zu diesen Bedingungen bis Mitte 2022 mindestens 325 Jets betrieben werden. Das entspricht in etwa dem aktuellen Niveau der Lufthansa-Muttergesellschaft. Damit würden 600 Stellen für Kapitänsanwärter geschaffen und rund 700 bereits fertig ausgebildete Nachwuchsflugzeugführer könnten eingestellt werden.

Der Konzerntarifvertrag gilt für die Kerngesellschaft Lufthansa, die Lufthansa Cargo sowie einige Alt-Piloten der Germanwings. Sie sind besser gestellt als die Flugzeugführer bei anderen Gesellschaften des Lufthansa-Konzerns wie Eurowings oder Austrian, für die andere Tarifverträge gelten.

Nebenschauplatz Eurowings belastet

Auch wenn der Konzern-Tarifvertrag nichts mit der Übernahme von Air-Berlin-Cockpitpersonal bei Eurowings zu tun hat, brodelt an dieser Stelle neuer Streit zwischen den Parteien. So hatte der Lufthansa Konzern mitgeteilt, die Piloten in Österreich anzustellen und von Deutschland aus einzusetzen.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Air-Berlin-Mitarbeiter bei Eurowings: In die (Tarif-) Flucht geschlagen Aviation Management

Hintergrund für die Verschiebung nach Österreich ist eine ungekündigte Tarifvereinbarung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, der zufolge die Düsseldorfer Eurowings-Tochter nur maximal 23 Mittelstreckenjets betreiben darf. Damit wollte die Pilotengewerkschaft Cockpit (VC) die deutschen Arbeitsplätze der Piloten bei der Lufthansa-Kerngesellschaft schützen. Nun fühlt sie sich hintergangen.

Von: dh mit dpa
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