Swiss-Chef droht Zürich mit Abzug

07.11.2018 - 15:20 0 Kommentare

Auch Swiss hatte in diesem Sommer mit großen Problemen zu kämpfen. Die Lufthansa-Tochter sieht die Schuld unter anderem beim Flughafen Zürich - und bringt einen Teilabzug Richtung München ins Spiel.

Thomas Klühr, Geschäftsführer der Fluggesellschaft Swiss. - © © dpa - Walter Bieri

Thomas Klühr, Geschäftsführer der Fluggesellschaft Swiss. © dpa /Walter Bieri

Swiss-Chef Thomas Klühr droht dem Heimatflughafen Zürich, Flüge an das deutsche Lufthansa-Drehkreuz München abzuziehen. "Wenn Zürich über kurz oder lang die Situation hier nicht in den Griff bekommt und nicht nachfragegerecht wachsen kann, wird das Wachstum anderswo stattfinden müssen", sagte der CEO der Lufthansa-Tochter im Interview mit der "Luzerner Zeitung". Auf die Frage, wo genau er Kapazitäten sehe, sagte Klühr: "Der Flughafen, der wohl am ehesten aufnahmefähig wäre, ist München."

In diesem Sommer war jeder vierte Flug von Swiss über 15 Minuten verspätet. Daher sagt Klühr: "Der Flughafen hat noch Optimierungspotenzial. Beispielsweise waren die Passkontrollen dieses Jahr ineffizient." Er gehe nicht davon aus, dass bis zum kommenden Sommer "deutliche Verbesserungen" im Betrieb sichtbar würden.

Die Rahmenbedingungen werden schwierig bleiben.

Thomas Klühr, CEO von Swiss

Denn hauptverantwortlich für die Probleme des Sommers sei, so Klühr, "dass die Infrastruktur nicht im gleichen Tempo gewachsen ist" wie der Verkehr. "Und das wird nun augenfällig." Auch Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister forderte zuletzt "qualitatives Wachstum". Es müsse gewährleistet sein, dass die Anzahl der geplanten Flüge auch von der Infrastruktur bei Flughäfen und Flugsicherung bewältigt werden könne.

Politischer Druck gegen Abschaffung kurzer Flüge

Branchenvertreter und Politiker hatten auf einem Luftverkehrsgipfel Anfang Oktober in Hamburg 24 Maßnahmen beschlossen, damit sich die Probleme dieses Sommers nicht wiederholen. Unter anderem soll im innerdeutschen Verkehr mehr Flugverkehr durch Bahnverbindungen ersetzt werden. Auch in der Schweiz gibt es solch eine Diskussion, konstatiert Klühr.

Er unterstütze Initiativen, einige Flugrouten auf die Schiene zu verlagern, doch: "Vergessen Sie den politischen Druck nicht, der auf uns lastet, die verschiedenen Landesteile ans Drehkreuz Zürich anzubinden." So würden sich viele Landespolitiker wünschen, dass die Airports Basel, Genf und Lugano ausgebaut würden. Flüge böten jedoch seiner Meinung nach erst ab 400 Kilometern eine Zeitersparnis.

Das habe auch Auswirkungen beispielsweise auf die Strecke Stuttgart-Zürich: "Wenn wir Stuttgart per Flug nicht mehr anbinden, ist es leider so, dass kaum jemand sagt: 'Gut, dann fahre ich per Zug nach Zürich.'" In dem Fall würden Reisende nach anderen Umsteigeflugverbindungen suchen und zum Beispiel über München und Paris fliegen.

Mehr Slots

Der Flughafen Zürich hatte zuletzt darauf gedrängt, dass sich die Zahl der stündlichen Starts und Landungen am Morgen erhöht. Die zuständige Behörde (BAZL) gab dem statt. Swiss hatte sich zuvor kritisch gegenüber dem Vorhaben geäußert.

Dazu sagt Swiss-Chef Thomas Klühr jetzt: "Als Swiss-Chef kann ich nicht ignorieren, was im Sommer 2018 passiert ist. Deshalb schlug ich dem Flughafen vor, dass wir 2019 nutzen, um die Situation zu stabilisieren." Es sei für ihn der "falsche Zeitpunkt, das System in Zürich noch stärker zu belasten".

Von: cs
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