Sunexpress bereitet sich auf Eurowings-Langstreckenoperation vor

Wenn die neue Eurowings Ende des Jahres zu Billigtarifen auf die Langstrecke geht, werden die Flugzeuge dafür von der Sunexpress betrieben. CEO Paul Schwaiger macht seine Airline jetzt fit für den Langstreckenbetrieb. Und dazu gehört mehr als nur neue Piloten.

Paul Schwaiger, Geschäftsführer der Sunexpress - © © airliners.de - David Haße

Paul Schwaiger, Geschäftsführer der Sunexpress © airliners.de /David Haße

Sunexpress Deutschland arbeitet mit Hochdruck an der Aufnahme von Langstreckenflügen für die neue Eurowings. Der Lufthansa-Konzern hatte angekündigt, ab Ende des Jahres unter seiner neuen Lowcost-Marke auch günstige Langstreckenverbindungen anbieten zu wollen - und Sunexpress als Betreiber dafür auserkoren.

Sunexpress ist ein Joint Venture von Lufthansa und Turkish Airlines. Bislang mit einer reinen Boeing-737-Flotte auf der Mittelstrecke meist rund um das Mittelmeer unterwegs, hat die Airline nun beim Luftfahrtbundesamt den Betrieb von Langstreckenflugzeugen beantragt.

"Die Erweiterung der Flugerlaubnis für die Sunexpress Deutschland läuft", sagte Sunexpress-Chef Paul Schwaiger am heutigen Donnerstag in Frankfurt. Man habe bereits etliche Vorbereitungen erledigt und erwarte die behördliche Erlaubnis rechtzeitig vor dem geplanten Betriebsbeginn.

Sunexpress Deutschland: Langstrecken-Operation für die Eurowings. Foto: © SunExpress, Präsentation vom 19.02.2015

Start mit zwei A330 im November

Anders als bislang bekannt, wird Eurowings laut Schwaiger ab November zunächst mit zwei Airbus A330-200 starten, bislang war immer von drei Flugzeugen ab Oktober die Rede. Später soll die Langstreckenflotte auf bis zu sieben Flugzeuge anwachsen. Basis ist der Flughafen Köln/Bonn. Die ersten Ziele sollen laut Schwaiger auf der ITB Anfang März in Berlin verkündet werden.

Alle für den Eurowings-Betrieb benötigten Großraumflugzeuge least Sunexpress von der Lufthansa. Die ersten Flugzeuge kommen vom Flugzeug-Leasinggeber Gecas. Die Flugzeuge betreibt Suunexpress dann wiederum im Rahmen eines ACMI-Wetleasings für Eurowings, so Schwaiger. Der Vertrag laufe zunächst sieben Jahre. Man selbst habe kein Risiko beim Verkauf der Tickets. Lufthansa allein entscheide daher auch über Vertrieb, Produkt und Destinationen.

Wir operieren 30 bis 40 Prozent günstiger.

Paul Schwaiger, Geschäftsführer Sunexpress

Dafür konnte Sunexpress der Lufthansa offenbar ein deutlich günstigeres Angebot für den Betrieb, die Bereederung und die Wartung der Flugzeuge unterbreiten, als es eine andere Airline im Lufthansa-Konzern hätte realisieren können. Schwaiger schätzt, dass die Betriebskosten um 30 bis 40 Prozent unter denen "eines klassischen Legacy-Carriers" liegen.

Das liegt in der Gesamtkalkulation vor allem an dem deutlichen Plus an Sitzplatzkapazität durch den Wegfall von Premium-Klassen. Ein großer Teil der Einsparungen entfällt aber auch auf das Personal. An Bord benötige Sunexpress acht Crews je Flugzeug. Pro Crew sind das zwei bis drei Piloten sowie acht Flugbegleiter. Diese Stellen kurzfristig zu besetzen, sei kein Problem, so Schwaiger. Es gebe derzeit "genug Piloten in Deutschland und Europa".

Langstreckenpiloten aus eigenem Pilotenkorps

Die Ausbildung der Piloten auf die A330 habe bereits begonnen. Sunexpress sei in der erfreulichen Situation, etliche Piloten mit Langstreckenerfahrung im Kader zu haben, so Schwaiger, darunter einige sehr erfahrene Kapitäne auf dem A330. Die Cockpitcrews der A330-Flotte würden so zunächst vorwiegend aus der bestehenden Pilotenschaft rekrutiert.

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Das sind die Gewinner der neuen Eurowings-Strategie

Im Zuge dessen werde Sunexpress auf dem Markt neue Boeing-737-Piloten anheuern. Die Crews würden in Deutschland und zu normalen Sunexpress-Konditionen eingestellt. Ein Kapitän verdiene durchschnittlich rund 84.000 Euro pro Jahr als Basisgehalt.

Zum Betrieb der Airbus-Maschinen gehört neben der Bereederung auch die Wartung. Die Line-Maintenance, also die kleinen Checks zwischen den täglichen Flügen, werde Sunexpress selbst durchführen. Für die größeren Checks werde man mit einem externen Partner zusammenarbeiten, etwas Lufthansa Technik oder Turkish Airlines. Die Ausschreibungen dafür laufen derzeit aber noch.

Keine eigenen Langstreckenambitionen

Den Betrieb von Langstreckenflugzeugen unter Sunexpress-Marke und auf eigenes Risiko plant Schwaiger derweil nicht. "Das ist auch für die Zukunft nicht geplant", so der Manager. Obwohl es im deutschen Markt durchaus Kapazitäten im touristischen Langstreckensegment gäbe, sei das für Sunexpress absolut kein Thema.

Ebenso sei kein Thema, einen Teil der Sunexpress-Mittelstreckenflotte unter der Marke Eurowings abheben zu lassen. Man habe gerade erst bis zu 50 neue Boeing 737 gekauft. Damit werde Sunexpress in den nächsten Jahren im Kerngeschäft rund um das Mittelmeer weiter wachsen.

Von: airliners.de

Datum: 19.02.2015 - 15:45

Adresse: http://www.airliners.de/sunexpress-eurowings-langstreckenoperation/34959