Sun Express geht gerichtlich gegen Betriebsratswahl vor

10.04.2018 - 13:59 0 Kommentare

Die Gewerkschaften Ufo und VC drängen auf einen Tarifvertrag bei Sun Express. Als ersten Schritt will man Betriebsratswahlen durchführen - dagegen hat die Airline nun eine einstweilige Verfügung beantragt.

Boeing 737 der Sun Express Deutschland. - © © AirTeamImages.com - Jan Severijns

Boeing 737 der Sun Express Deutschland. © AirTeamImages.com /Jan Severijns

Sun Express hat einen Antrag auf eine einstwillige Verfügung gegen die von den Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit (VC) initiierten Betriebsratswahlen gestellt. Damit wolle man gegen die "Rechtswidrigkeit" der Aktion vorgehen, sagte eine Unternehmenssprecherin zu airliners.de.

Das Betriebsverfassungsgesetz, das in Deutschland die Etablierung von Betriebsräten regelt, findet auf einen Flugbetrieb keine Anwendung. Hier kann nur durch einen Tarifvertrag eine Mitarbeitervertretung errichtet werden.

Sprecherin von Sun Express

Die Gewerkschaften Ufo (Kabine) und VC (Piloten) verweisen jedoch darauf, dass "fast alle deutschen Betriebe ähnlicher Größe schon längst Standards" für Mitarbeitermitbestimmung geschaffen hätten. "Das ist gelebte Praxis in Deutschland - vom Sun-Express-Management wird dies jedoch abgelehnt."

Bei einer Beschäftigtenzahl von über 1000 Mitarbeitern brauche es laut EU-Recht einen Betriebsrat - dies treffe auch für den Sun-Express-Flugbetrieb zu. "Es ist aus unserem Verständnis heraus überhaupt nicht akzeptabel, dass ein in Deutschland ansässiges Unternehmen das rechtlich verbriefte Ansinnen seiner Mitarbeiter, sich an der Gestaltung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsumstände zu beteiligen, verwehrt", so Ufo und VC in Mitteilungen.

Verfahren bereits kommende Woche

Eine einstweilige Verfügung ist nur ein vorläufiges Rechtsmittel der Zivilprozessordnung und erfordert im Regelfall ein ordentliches Hauptverfahren. Häufig wird dieses in der Praxis allerdings durch außergerichtliche Einigungen, die unmittelbar nach der einstweiligen Verfügung getroffen werden, umgangen.

Allerdings pocht Sun Express in diesem Fall auf eine juristische Entscheidung: "Die erheblich unterschiedliche Betrachtung des Sachverhaltes macht aus Sicht der Sun Express eine rechtliche Klärung notwendig.“ Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa ist entsprechende Verhandlung am Amtsgericht Frankfurt für kommenden Mittwoch anberaumt.

In Sun-Express-Kreisen pocht man auf Flexibilität

Dass Sun Express im jetzigen Streit auf eine gerichtliche Klärung pocht, könnte auch damit zusammenhängen, dass Tarifstreitigkeiten die Airline mittlerweile seit mehreren Jahren begleiten. Denn nach Gewerkschaftsangaben fordern Kabinen-Crews schon seit langem mehr Mitbestimmung. Um einen Tarifvertrag zu erwirken, ist bereits im vergangenen Jahr unter dem Schirm der Kabinengewerkschaft Ufo eine Tarifkommission gebildet worden.

Wir wollen nicht länger eine Kabine sein, die zwar zum Lufthansa-Konzern gehört, aber als einzige keine Personalvertretung hat.

Mitteilung der Ufo

Airline-Chef Jens Bischof lehnte dies damals laut Medienberichten ab und plädierte vielmehr dafür, in Mitarbeitergesprächen und Umfragen Missstände im Arbeitsumfeld zu thematisieren.

Auch jetzt ist aus Sun-Express-Kreisen zu hören, dass man mit den Gewerkschaften zwar im Dialog stehe, für Mitarbeiterbelange aber nach wie vor "individuelle Möglichkeiten" finden möchte. So sichere man weiter "flexible Strukturen", die es ermöglichten, auch auf die Wünsche von Reiseveranstalter-Kunden "individuell und schnell einzugehen".

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Das Joint-Venture von Lufthansa und Turkish Airlines hat seine Heimatstation in Antalya, die Sun Express Deutschland sitzt in Frankfurt. Letztere ist auch für den Lufthansa-Billigflieger Eurowings auf der Langstrecke unterwegs.

Von: cs
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