Sun Express bekommt doch noch einen Betriebsrat

23.05.2019 - 15:05 0 Kommentare

Erst als "Lex Ryanair" diskreditiert, entfaltet die Neuregelung des Betriebsverfassungsgesetzes nun auch Wirkung für die deutsche Sun-Express-Belegschaft. Nach jahrelangem Streit wird erstmals eine Personalvertretung gewählt - mit Option auf mehr.

Mitarbeiter von Sun Express. - © © Sun Express -

Mitarbeiter von Sun Express. © Sun Express

Bei Sun Express Deutschland finden in diesem Sommer erstmals Wahlen zu einer Personalvertretung von Cockpit- und Kabinenpersonal statt. Das sechzehnköpfige Gremium soll die betrieblichen Interessen der Belegschaft vertreten und verfüge über ein festes Mitbestimmungsrecht, wie die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo mitteilt.

Im vergangenen November hatte sich die Lufthansa-Tochter Sun Express nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen erstmals bereit erklärt, mit den beiden Gewerkschaften Ufo (Flugbegleiter) und VC (Piloten) Gespräche über eine Personalvertretung zu führen.

Zuvor hatte sich die Fluggesellschaft mehrmals erfolgreich gerichtlich gegen die Wahl eines Betriebsrates gewehrt, da bis Mai 2019 fliegendes Personal von den garantierten Arbeitnehmerrechten des Betriebsverfassungsgesetzes weitgehend ausgeklammert war. Daher hätte eine Personalvertretung durch die Mitarbeiter nur mittels eines Tarifvertrages erreicht werden können. Sun Express Deutschland weigerte sich jedoch, einen solchen zu vereinbaren.

Ein Tarifvertrag ist jetzt im Interesse aller

Mit dem Bundestags-Beschluss zur Änderung des Paragraphen 117 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) im vergangenen November mit Gültigkeit ab dem 1. Mai änderte sich die gesetzliche Lage jedoch grundlegend. Dem fliegenden Personal von Fluggesellschaften stehen seitdem die gleichen Rechte zu wie allen anderen Arbeitnehmern in größeren Unternehmen, sofern sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht in einem Tarifvertrag auf abweichende Regelungen geeinigt haben.

Der Gesetzestext des BetrVG gilt an einigen Stellen jedoch als zu starr für die Besonderheiten im Arbeitsalltag fliegenden Personals, etwa in den Bereichen Arbeitszeitbestimmungen oder Ortsbindung, weshalb ein eigener Tarifvertrag nach Verabschiedung der Gesetzesänderung plötzlich auch im Interesse von Sun Express lag.

© dpa, Niall Carson Lesen Sie auch: Änderung der Mitbestimmung: Die Geister, die Ryanair rief Gastbeitrag

Dass man sich beim hiesigen Ableger des deutsch-türkischen Joint Ventures als sorgsamen Arbeitgeber sieht, stellte Sun-Express-Chef Jens Bischoff im April in einem Interview mit airliners.de klar: Das Unternehmen habe betriebliche Mitbestimmung nie als etwas Schlechtes gesehen. Gegen eine Betriebsratswahl habe man sich nur gewehrt, da man im Austausch mit den Arbeitnehmern keinen Dritten - gemeint sind die Gewerkschaften - am Tisch wollte. Jetzt hätten sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen geändert, weshalb man ohne Probleme bereit sei, mit Ufo und VC nicht nur über eine Personalvertretung zu verhandeln, sondern im Anschluss daran auch über einen Mantel- und Vergütungstarifvertrag.

Von: dk
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