Suche nach Malaysia Airlines Flug MH370 immer frustrierender

27.03.2014 - 11:36 0 Kommentare

Ein riesiges Suchgebiet, starke Strömungen, gewaltige Kosten und noch immer keine Trümmer der vermissten Boeing. Wäre es vielleicht ohnehin schon zu spät, um von einer Fundstelle auf die Absturzstelle zu schließen?

Die australische Air Force sucht mögliche MH370-Wrackteile im Indischen Ozean südwestlich von Perth.

Die australische Air Force sucht mögliche MH370-Wrackteile im Indischen Ozean südwestlich von Perth.
© AMSA

Die Karten der australischen AMSA zeigen auch zwei mögliche Flugrouten über dem Indischen Ozean.

Die Karten der australischen AMSA zeigen auch zwei mögliche Flugrouten über dem Indischen Ozean.
© AMSA - Komposition: airliners.de

Mögliche Flugrouten von Malaysia Airlines MH370 laut Satelliten-Auswertungen. (Gelb: 450 Knoten-Track, rot: 400 Knoten-Track, grün: letzter Satelliten-Ping kam von einem Punkt entlang dieser Linie))

Mögliche Flugrouten von Malaysia Airlines MH370 laut Satelliten-Auswertungen. (Gelb: 450 Knoten-Track, rot: 400 Knoten-Track, grün: letzter Satelliten-Ping kam von einem Punkt entlang dieser Linie))
© MOT

Wer sucht, der findet. In der Theorie mag das stimmen, die Suche nach Flug MH370 folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten. Seit neun Tagen ist ein Großaufgebot an Flugzeugen und Schiffen dabei, irgendwo zwischen Australien und der Antarktis ein Gebiet gewaltigen Ausmaßes nach Trümmerteilen der Malaysia-Airlines-Maschine abzusuchen - bislang vergebens.

Die Kosten dafür sind enorm, die Aufgabe wird zunehmend schwieriger und die Chancen, unter den 239 Menschen an Bord noch Überlebende zu finden, sind offiziell gleich null. Was als Rettungsaktion begann, ist mittlerweile eine Bergungsaktion. Der Chef der australischen Luftwaffe, Mark Binskin, ließ wissen, dass die Suche nach Flug MH370 schwieriger sei als die nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Der Grund: «Wir versuchen noch immer festzulegen, wo der Heuhaufen ist.»

Wetter verhindert die Suche erneut

Derweil hat die Suche wieder einen Rückschlag zu verkraften. Aufgrund einer erneuten Verschlechterung der Wetterbedingungen ist am Donnerstag die Suche nach dem Wrack erneut gestoppt worden. Sämtliche beteiligten Flugzeuge wurden nach Perth zurückgerufen und die Schiffe zum Verlassen des Suchgebiets aufgefordert, erklärte die Australische Behörde für Seesicherheit (AMSA). Bereits am Dienstag hatten starker Wind, hohe Wellen und Regen eine Unterbrechung der Operation erzwungen.

Zuletzt waren sechs Militärflugzeuge aus Australien, China, Japan und den USA eingesetzt sowie fünf zivile Maschinen. Außerdem waren ein australisches Kriegsschiff und vier chinesische Schiffe im Einsatz. Am Mittwoch hatten neue Satellitenbilder mehr als hundert schwimmende Gegenstände auf dem Wasser gezeigt. AMSA äußerte sich aber zunächst nicht dazu, ob während der Suche etwas entdeckt wurde.

© MMOT Lesen Sie auch: Suche nach MH370 erfolglos - Satellitenbilder geben neue Hinweise

Das Seegebiet liegt in einem Areal, wo der Indische Ozean besonders tief und stürmisch ist. Die meisten Flugzeuge, die vom 2500 Kilometer entfernten Perth in Australien hierher fliegen, verbrauchen allein mehr als die Hälfte ihres Treibstoffs für den Hin- und Rückflug. Eine Stunde in einem der fünf Seefernaufklärer Orion-P-3 schlägt mit 10.000 Dollar (umgerechnet etwa 7250 Euro) zu Buche. Die Maschinen sind bis zu zehn Stunden am Tag in der Luft.

Experten bewerten die Suche pessimistisch

Knapp wird die Zeit auch in Sachen Flugschreiber, jenem Gerät, das alle relevanten Flugdaten registriert und Licht ins Dunkel rund um das Verschwinden des Flugzeugs bringen könnte. Die Batterien dürften nämlich in weniger als zwei Wochen erschöpft sein. Im ungünstigsten Fall liegt die Box so tief auf dem Meeresgrund, dass ihr elektrisches Signal nur von Empfängern auf Booten wahrgenommen werden könnte, die direkt darüber schwimmen. Experten bewerten die Wahrscheinlichkeit, die Blackbox zu finen, als sehr gering.

Ähnlich pessimistisch bewertet auch David Griffin die Lage. Der Ozeanograph des australischen Forschungsinstituts CSIRO in Hobart, Tasmanien, fürchtet, dass die Strömungen die Suche so gut wie unmöglich machen. «Das große Problem ist, dass sie nicht wirklich wissen, wo sie anfangen sollen.»

© CSIRO Media Lesen Sie auch: Wrackteile für Lokalisierung von MH370 zu weit gedriftet

Die Strömung im Indischen Ozean sei stark und teils turbulent. Wirbel können Wrackteile in alle Himmelsrichtungen driften lassen. Es sei bereits zu spät, um jetzt noch von einer möglichen Fundstelle auf die Absturzstelle zu schließen.

Hinzu kommt der gewaltige Druck, der auf den Einsatzkräften lastet. Zwar hat der australische Premierminister Tony Abbott angedeutet, dass die Suche nicht ewig weitergehen könne, festlegen wollen sich die Behörden aber noch nicht. Manche Angehörige der zumeist chinesischen Passagiere an Bord werden wohl noch so lange hoffen, bis endgültig bewiesen ist, dass es keine Chance auf Überlebende gibt.

Von: airliners.de mit dpa, AFP
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