Stromrabatte

Stuttgart: Land hinterfragt Tochtertrick

19.10.2012 - 10:01 0 Kommentare

Dank einer Ein-Mann-Firma profitiert der Flughafen Stuttgart von staatlichen Ausnahmen bei der Ökostromumlage. Einer seiner Manager kassiert dafür auch noch Belohnungen im Wert mehrerer Tausend Euro. Minister Hermann macht die Aufklärung des Themas nun zur Chefsache.

Winfried Hermann, Minister für Verkehr und Infrastruktur im Land Baden-Württemberg. - © © Bündnis 90-Die Grünen -

Winfried Hermann, Minister für Verkehr und Infrastruktur im Land Baden-Württemberg. © Bündnis 90-Die Grünen

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) will die rätselhaften Hintergründe rund um die 2008 gegründete Energietochter des Stuttgarter Flughafens rasch aufklären. «Herr Minister Hermann möchte das Thema im Aufsichtsrat behandelt wissen», sagte sein Sprecher am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Hermann ist seit rund einem Jahr der Chef in dem Kontrollgremium, weil der Flughafen mehrheitlich dem Land gehört.

Der Airport hatte seine Energiegeschäfte 2008 in eine Mini-Firma verlagert, die nach dpa-Informationen nur einen Angestellten hat - nämlich eine Führungskraft vom Flughafen. Über das Konstrukt, das offensichtlich kein geschäftliches Innenleben hat, war der Flughafen in den Genuss von Rabatten bei der Ökostromförderung gekommen. Illegal ist diese Ausgründung nicht - von wem die Initiative damals ausging, ist aber unklar. Der Flughafen äußert sich nicht zum Thema.

Ungeklärt ist neben der erzielten Ersparnis bisher auch, für welche Gegenleistung der Geschäftsführer und einzige Angestellte der Mini-Tochter zumindest im Jahr 2010 geldwerte Vorteile in Höhe von fast 14 000 Euro erhielt. Die Flughäfen in Berlin kassierten über ein ähnliches Konstrukt ebenfalls Strompreisrabatte. Auch dort fungierte ein in der Flughafen-Muttergesellschaft sitzender Manager parallel als Chef der Ein-Mann-Firma. Anders als in Stuttgart flossen in Berlin aber zumindest keine zusätzlichen Entlohnungen.

Derweil sagte die FDP-Landesvorsitzende Birgit Homburger der dpa am Mittwoch, dass die missbräuchliche Nutzung der Ausnahmeregelungen über den Umweg Tochterfirma vom nächsten Jahr an ein Ende haben solle. «Das ist ein Schlupfloch von Rot-Grün und das haben wir jetzt gestopft», meinte die Politikerin, die auch Bundesvize der FDP ist. «Genau solche Auswüchse bringen die Befreiung nämlich in Misskredit.» Der Flughafen bestätigte, dass ein Antrag auf Ausnahme wie in der Vergangenheit für das Jahr 2013 nicht mehr gestellt werden könne.

Von: dpa
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