Stuttgart: Keine Einigung über Bahn-Anbindung

18.06.2012 - 16:23 0 Kommentare

Beim ersten Filderdialog haben sich Bürger und Kommunalpolitiker auf keinen eindeutigen Favoriten für die Anbindungstrasse zwischen dem "Stuttgart 21"-Tiefbahnhof und dem Flughafen festgelegt. Zuvor hatten die Teilnehmer ihre Empfehlungen für die Trassenplanung diskutiert.

Blick auf Vorfeld und Terminal des Flughafens Stuttgart - © © Flughafen Stuttgart -

Blick auf Vorfeld und Terminal des Flughafens Stuttgart © Flughafen Stuttgart

Rund 150 Bürger und Experten haben am Samstag in Leinfelden-Echterdingen über die künftige Anbindung des Landesflughafens an das Bahnvorhaben Stuttgart 21 beraten. Beim sogenannten Filderdialog verlangten die Teilnehmer vor allem mehr Lärmschutz, einen nutzerfreundlichen Nahverkehr und Sicherheit in Tunneln und an Haltepunkten. Möglichst wenig Flächen auf den Fildern südlich von Stuttgart sollten verbraucht werden.

Der Filderdialog gilt als ein grün-rotes Prestigeprojekt der Bürgerbeteiligung. Zur Debatte stehen die von der Bahn geplante Antragstrasse und sechs Varianten dazu. Die Alternativen sehen zum Beispiel eine andere Lage des Fernbahnhalts am Flughafen oder einen S-Bahn-Ring vor. «Hier öffnen wir die Denkfabrik noch einmal, um im Planfeststellungsverfahren mehr Optionen zu haben», sagte die Staatsrätin für Bürgerbeteiligung, Gisela Erler (Grüne), zum Auftakt.

Das öffentliche Forum startete mit drei Wochen Verspätung, weil anfangs zu wenig Menschen ihre Teilnahme zugesagt hatten. Nach dem Zufallsprinzip wurden 68 Bürger ausgesucht. Hinzu kamen 84 gesetzte Vertreter von Kommunen, Bürgerinitiativen und Projektpartnern. Während in der Filderhalle die Teilnehmer berieten, versammelten sich nach Angaben der Polizei 400 Stuttgart-21-Kritiker davor. Sie kritisierten die Dialog-Veranstaltung als «Bürgerfalle». Die Gespräche sollen am 29. Juni fortgesetzt werden und Anfang Juli mit Empfehlungen an die Projektpartner zu Ende gehen.

Die Varianten

Die Antragstrasse der Bahn

Sie sieht eine Verbindung der von Singen nach Norden führenden Gäubahn über die sogenannte Rohrer Kurve auf die S-Bahn-Trasse zum Flughafen vor. Bürger befürchten Nachteile im S-Bahn-Verkehr.

Die Gäubahn-Trasse

Nach dieser Variante steigen Reisende aus Richtung Singen in Stuttgart-Vaihingen auf die S-Bahn um, um zum Flughafen zu gelangen. Die S-Bahn-Trasse würde nicht zusätzlich durch Fernverkehr belastet.

Die Variante Neckar-Alb

Fernzüge aus Süden nehmen den Weg über Tübingen und die Neubaustrecke zum Landesflughafen. Diese Idee favorisieren Kommunen wie Reutlingen, Tübingen und Metzingen. Problem: Längere Fahrzeiten.

Trasse an der Autobahn

Sie führt die Züge aus Singen über eine Neubaustrecke entlang der Autobahn. Damit würde die S-Bahn nicht durch Fernverkehr von Süden belastet. Die Mehrkosten werden auf 200 Millionen Euro geschätzt.

Zwei Varianten zum ICE-Halt am Flughafen

Zwei Varianten verlegen den ICE-Halt am Flughafen: einmal unter die Flughafenstraße, einmal ebenerdig direkt an der Neubaustrecke rund 700 Meter nördlich des Flughafens. Die Bahn plant einen 20 Meter tiefen zweigleisigen ICE-Bahnhof 150 Meter nördlich der Terminals.

S-Bahn-Ring

Ein S-Bahn-Ring verbindet dabei den Stuttgarter Tiefbahnhof mit dem Flughafen. Wie bei der Gäubahnanbindung müssten Reisende aus Süden auf die S-Bahn umsteigen, um zum Flughafen zu kommen. 

Von: dpa, dapd
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