Weitere Verzögerungen in Sicht

Stuttgart: Airport-Bahnhof wird teurer

23.10.2012 - 09:48 0 Kommentare

Durch Nachbesserungen beim Stuttgarter Flughafenbahnhof und beim Brandschutz droht ein Kostenanstieg beim Bahnprojekt "Stuttgart 21". Die im Filderdialog erarbeitete Variante des Airport-Anschlusses verursacht Zusatzkosten in Höhe von 224 Millionen Euro.

Die oberirdische Gäubahn und der Tunnel der Verbindungsbahn Stuttgart in Stuttgart-Vaihingen - © © CC by SA 2.0 - Klaus Jähne

Die oberirdische Gäubahn und der Tunnel der Verbindungsbahn Stuttgart in Stuttgart-Vaihingen © CC by SA 2.0 /Klaus Jähne

Der Kostendeckel für das Bahnprojekt Stuttgart 21 von 4,5 Milliarden Euro droht gesprengt zu werden. Denn die im Filderdialog erarbeitete neue Variante für den Flughafenhalt bei Stuttgart 21 wird deutlich teurer als die bisherige Version. «Wir gehen davon aus, dass zusätzliche Kosten in Höhe von 224 Millionen Euro auftreten», sagte Bahntechnikvorstand Volker Kefer nach der Sitzung des S-21-Lenkungskreises am Montag in Stuttgart. Das sei das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie.

Verkehrsminister Winfried Hermann und der künftige Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) forderten erneut mehr Kostentransparenz von der Bahn und lehnten eine weitere Beteiligung für das Land und die Landeshauptstadt ab. Zugleich zeichnete sich ab, dass die Inbetriebnahme des S-21-Tiefbahnhofs erneut mindestens ein Jahr später als geplant erfolgt.

Der Bahnvorstand bestätigte, dass bei einer Entscheidung für die neue Variante das vom Konzern selbstgesteckte Limit überschritten werde. Kostentreiber sei das Bemühen um einen möglichst kundenfreundlichen Zugang zu der Station, die auf S-Bahn-Niveau nahe dem Terminal entstehen könnte. Nicht im Gesamtumfang enthalten sind laut Kefer auch 30 Millionen Euro für die westliche Anbindung der Flughafenstation sowie rund 22 Millionen insgesamt für neue Treppenhäuser und Sprühnebeltechnik für den Brandschutz im Tiefbahnhof im Talkessel. Der Bahnmanager versicherte mit Blick auf eine verheerende Expertise zum Brandschutz im geplanten Tiefbahnhof, dieser werde mit Feuerwehr und Eisenbahnbundesamt verstärkt vorangetrieben.

Anfang des Jahres 2013 wollen die Projektpartner in einer weiteren Sitzung des Lenkungskreises endgültig entscheiden, ob die veränderte Version des Flughafenhalts gebaut wird und wenn ja, wer die Kosten trägt. Hermann zeigte sich von der erneuten Kostensteigerung überrascht und betonte, der Beitrag des Landes sei auf fast eine Milliarde Euro beschränkt. «Damit ist gut.» Der Flughafen, der zu zwei Dritteln dem Land gehört, steuere bereits weitere 360 Millionen Euro für den Halt bei. Die Sprechklausel, die die Projektpartner ziehen können, sobald die 4,5-Milliarden-Marke überschritten ist, bedeute nicht, dass irgendeine Seite zum Zahlen gezwungen werden könne.

Kefer sagte, die Bahn werde die Sprechklausel juristisch überprüfen lassen, wenn es notwendig werde. Er fügte hinzu, dass die Bahn zu dem Vorhaben 1,8 Milliarden Euro zuschieße. Es könne also keine Rede davon sein, dass sie die Kosten auf andere abwälzen wolle. Die ungeklärten Fragen sollten aber den Baubeginn für die Tiefbahnhofsgrube Anfang 2013 nicht behindern.

Der veränderte ICE-Halt an Landesmesse und Landesflughafen würde auch später in Betrieb gehen als bislang vorgesehen, nämlich erst im Jahr 2022. Grund: ein neues Planfeststellungsverfahren. Doch auch mit der bisherigen Planung wäre die Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs laut Kefer nicht mehr wie geplant 2020 möglich, es sei denn der Abschnitt auf den Fildern (1.3) würde in zwei Teile getrennt. Nur dann könnte der Zeitplan noch eingehalten werden. Eine solche möglicherweise für das Land kostenträchtige Zerlegung der Strecke lehnte Hermann aber erneut ab.

Beide Seiten äußerten sich sehr unzufrieden mit ihrer Kooperation. Kefer wünschte sich eine «konstruktivere Haltung» der Partner; Hermann rügte erneut die Informationspolitik der Bahn, die wieder keine Orginalunterlagen zu den diversen Themen des Lenkungskreises übergeben habe. Zu den Auseinandersetzungen im Gremium sagte er: «Der Lenkungskreis ist kein Kuschelkreis.»

Im Lenkungskreis sind das Land, die Stadt und die Region Stuttgart und die Deutsche Bahn vertreten. Er ist das zentrale Kontroll- und Steuerungsgremium für Stuttgart 21.

Von: dpa
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