Cockpit: «Grundsätzlich sind die Flugdienstzeiten zu lang»

Studie zu Sekundenschlaf im Cockpit

19.11.2012 - 11:49 0 Kommentare

Laut einer europaweiten Umfrage ist jeder dritte im Cockpit schon einmal weggenickt. Die Piloten wehren sich deshalb gegen die bestehenden Arbeitszeitregelungen, aber auch gegen die Pläne der Europäischen Luftsicherheitsbehörde  für künftige Regelungen.

Cockpitcrew in einem Airbus A320 - © © AirTeamImages.com - TT

Cockpitcrew in einem Airbus A320 © AirTeamImages.com /TT

Jeder dritte Pilot in Europa ist einer Umfrage zufolge schon einmal hinter dem Steuerknüppel eingeschlafen. Neun von zehn Piloten waren demnach im Cockpit schon einmal zu müde, um weiterfliegen zu können. Vier von fünf deutschen Flugzeugführern berichten, dass sie aus Müdigkeit Fehler gemacht haben. Das geht aus einer Umfrage der European Cockpit Association (ECA) bei 6.000 Flugzeugführern hervor. Ein Sprecher der deutschen Vereinigung Cockpit e.V. bestätigte die Angaben. «Aus meiner eigenen Erfahrung halte ich die Ergebnisse auch für realistisch», sagte der Pilot.

Die Flugzeugführer wehren sich laut Cockpit deshalb gegen die bestehenden Arbeitszeitregelungen, aber auch gegen die Pläne der Europäischen Luftsicherheitsbehörde (EASA) für künftige Regelungen. «Grundsätzlich sind die Flugdienstzeiten zu lang», sagte der Pressesprecher der Organisation, Jörg Handwerg. Die Piloten hielten einen Einsatz von bis zu zwölf Stunden für vertretbar, erlaubt seien aber Einsätze von bis zu 14 Stunden.

Auf Kritik der Piloten stößt auch ein EU-Gesetzesvorschlag, den eine Arbeitsgruppe der EASA fertiggestellt hat. Er sieht nach Handwergs Darstellung vor, dass Piloten nachts bis zu elf Stunden im Einsatz sein können, obwohl Mediziner höchstens zehnstündigen Nachteinsatz empfehlen, weil ansonsten die Gefahr von Übermüdung drohe.

«Nicht gut», lautet Handwergs Kommentar. Im Augenblick allerdings sei die Situation noch schlimmer, derzeit seien Einsätze von fast zwölf Stunden pro Nacht erlaubt. Die EASA habe zunächst auch zwölfstündige Nachteinsätze anvisiert, nach der Stellungnahme der Wissenschaftler habe sie ihren Vorschlag dann auf elf Stunden verringert. Nach Handwergs Angaben soll der Gesetzesvorschlag zur Verordnung werden. Die einzelnen EU-Mitgliedsländer, die derzeit noch Einflussmöglichkeiten auf nationaler Ebene hätten, könnten dagegen nichts mehr unternehmen.

Externer Link: Pilot Fatigue Barometer von ECA (PDF)

Von: dpa
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