Studie attestiert Regionalflughäfen ungenutztes Potenzial

08.11.2018 - 13:28 0 Kommentare

Dezentrale Luftverkehrsstandorte könnten eine noch wichtigere Rolle bei der Mobilitätsentwicklung in Deutschland spielen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Aktuell gebe es aber noch viele Probleme.

Verkehrslandeplatz Schönhagen: Große Probleme mit Regulierungen. - © © Fly BB -

Verkehrslandeplatz Schönhagen: Große Probleme mit Regulierungen. © Fly BB

Das Potenzial dezentraler Flugplätze wird in Deutschland nicht optimal genutzt. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Internationalen Hochschule Bad Honnef (IUBH) und dem Frankfurter "House of Logistics & Mobility" (HOLM).

Im Unterschied zu anderen Ländern in Europa sei Deutschland sehr dezentral organisiert, sagte DLR-Studienautor Sven Maertens bei der Präsentation in Berlin. Große internationale Verkehrsflughäfen seien nicht von überall effizient erreichbar.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden. Auftraggeber waren die Interessengemeinschaft der regionalen Flugplätze (IDRF), die German Business Aviation Assotiation (GBAA) und die Airline Owners and Pilots Assotiation (AOPA Germany).

Kleinere Flughäfen hätten allerdings in den vergangenen Jahren immer mehr direkte Regionalverbindungen verloren. Für Geschäftsreisende bedeute diese Entwicklung eine Verlängerung der Reisezeiten durch Umsteigeverbindungen über Drehkreuze. Damit sinke die Effizienz der Unternehmen, während die Belastung der großen Hubs weiter steige.

Gleichzeitig nehme die Bedeutung der Business Aviation im Geschäftsreisebereich zu. So habe es beispielsweise in Berlin im vergangenen Jahr rund 100 direkte Linienverbindungen gegeben. Geschäftsreiseflugzeuge seien dagegen zu knapp 400 Destinationen abgehoben. Insgesamt würde rund ein Drittel aller Geschäftsreiseflüge auf Routen stattfinden, auf denen es kein Linienflugangebot gebe.

Ungenutzte Potenziale und vielfach Probleme

Allerdings ließe sich der Verkehr den Forschern zufolge auch auf dezentralen Routen durchaus besser bündeln. Der Studie zufolge gibt es aktuell ein ungenutztes Potenzial für über 300 regionale Routen mit mehr als zwei Millionen Passagieren. Getrieben werde dieser Markt von neuen digitalen Plattformanbietern und neuen Effizienzentwicklungen im Bereich regionaler Fluggeräte. Denkbar seien zudem neue UAV-Anbindungen in die urbane Mobilität hinein.

Davon sei man aber noch weit entfern. Aktuell hätten viele regionale Flugplätze noch große Probleme mit einer Vielzahl an Regulierungen, sagt Klaus-Jürgen Schwahn, AOPA Germany-Vizepräsident und Chef des Flugplatz Schönhagen. Kleine Flugplätze könnten vielerorts gar keine oder nur wenige Einnahmen aus Gewerbeentwicklung generieren. Das liege oft an falschen kommunalen Entwicklungskonzepten der Betreiber. Kein Flughafen könne allerdings allein von den Landegebühren leben.

IDRF-Vorstand und Flughafen-Memmingen-Chef Ralf Schmid attestierte zudem vielerorts eine mangelnde Akzeptanz von Flugplatzinfrastruktur. Der Schulterschluss von Politik und Wirtschaft sei wichtig, um die Potenziale für die Regionen sinnvoll nutzen zu können.

Neben den Problemen am Boden gibt es auch ein generelles Image-Problem im Geschäftsreisesegment, sagte GBAA-Vorstand Steffen Merz. Die gesamte Branche leide unter der allgemeinen Vorstellung der "Champagner-Flieger". Dabei seien Geschäftsreiseflugzeuge vor allem ein Business-Tool, das im Übrigen nicht nur vom Top-Management genutzt werde. Es gehe für die Nutzer vielmehr um eine effiziente Fortbewegung von A nach B und nach C.

Laut der Studie gibt es in Deutschland über 1100 weltweit agierende Mittelständer, von denen viele abseits der Ballungsräume angesiedelt sind. Vor allem diese Unternehmen würden in Sachen Mobilität aktuell stark auf dezentrale Flughäfen setzen. Ein Beispiel sei die Würth-Gruppe, die in Schwäbisch-Hall sogar einen eigenen Flughafen betreibe. Darüber würden beispielsweise Spezialisten und Ersatzteile schnell zu Kunden befördern zu können, so Merz, der auch gleichzeitig Geschäftsführer des Flughafens und Head of Flight Devision bei Würth ist.

Geschäftsluftfahrt fliegt unter politischem Radar

Die Studie bezeichnet Regionalflugplätze zudem als "Katalysatoren für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region." Die Standorte hätten eine "nicht zu vernachlässigende" wirtschaftliche Bedeutung. Allein die direkt und indirekt Beschäftigten an den Standorten erwirtschaften der Erhebung zufolge eine jährliche Bruttowertschöpfung von 4,64 Milliarden Euro.

Dennoch seien die Geschäftsluftfahrt und der dezentrale Luftverkehr in dem im vergangenen Frühjahr vorgestellten Luftverkehrskonzept des Bundesverkehrsministeriums weitestgehend unbeachtet - und das obwohl immerhin 28 Prozent der gewerblichen Flüge nicht an den Hauptflughäfen stattfänden.

© FDH, Lesen Sie auch: Kaum dezentrale Geschäftsreiseangebote an Regionalflughäfen Aviation Management

Von: dh
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