Paderborn-Lippstadt kann auf höhere Zuschüsse hoffen

27.05.2019 - 17:10 0 Kommentare

Ein von den Gesellschaftern beauftragtes Gutachten zum Flughafen Paderborn bescheinigt dem Standort einen hohen Wert für die Region, der die betrieblichen Verluste weit übersteigt. Der Zwang zur schwarzen Null bleibt trotzdem.

Flaggen wehen vor dem Airport Paderborn/Lippstadt. - © © Flughafen Paderborn/Lippstadt -

Flaggen wehen vor dem Airport Paderborn/Lippstadt. © Flughafen Paderborn/Lippstadt

Der Flughafen Paderborn hat gemeinsam mit den drei regionalen Industrie- und Handelskammern (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld, Lippe zu Detmold und Arnsberg – Hellweg – Sauerland eine Studie über die ökonomischen Wirkungen des Flughafens veröffentlicht. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass der wirtschaftliche Nutzen für die Region wesentlich höher ist als der Finanzbedarf, mit dem die öffentliche Hand den Betrieb am Airport derzeit subventioniert.

Für das Gutachten mit dem Titel "Wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens Paderborn/Lippstadt für die Regionen Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen" hat die HPC Hamburg Port Consulting GmbH gemeinsam mit den drei IHKs Unternehmen befragt, die ihren Sitz in den Kreisen und Städten haben, die Gesellschafter des Flughafens sind. Hauptanteilseigner ist mit über 50 Prozent der Kreis Paderborn.

Gesellschafter des Airports sind die Kreise Paderborn (56,4 Prozent), Soest (12,3 Prozent), Höxter (3,9 Prozent), Gütersloh (7,8 Prozent), Lippe (7,8 Prozent) und der Hochsauerlandkreis (3,9 Prozent) sowie die Industrie- und Handelskammern Ostwestfalen zu Bielefeld (1,6 Prozent) und Lippe zu Detmold (0,4 Prozent) sowie die Stadt Bielefeld (5,9 Prozent).

Die Schuldenobergrenze für den Flughafen muss angehoben werden

Spätestens im Juli müssen die kommunalen Gesellschafter des Flughafens Paderborn-Lippstadt entscheiden, ob sie die Obergrenze für öffentliche Zuschüsse für den westfälischen Regionalflughafen über die derzeit erlaubten maximal 2,5 Millionen Euro pro Jahr hinaus erhöhen. Bereits in den letzten beiden Jahren lag der betriebliche Fehlbetrag des Flughafens leicht über dieser Höchstgrenze.

Diese Steuergelder sind laut der Studie jedoch gut angelegt. Von den insgesamt 693 befragten Unternehmen in der Region, darunter Schwergewichte wie Miele oder Bertelsmann, gaben 454 an, den Flughafen regelmäßig zu nutzen. Für ein hohes Geschäftsreise-Aufkommen sprächen auch die sechs täglichen Verbindungen zu den Drehkreuzen Frankfurt und München.

Die Zahl der Flugbewegungen insgesamt sei mit circa 115 Starts und Landungen pro Tag relativ hoch, da Paderborn-Lippstadt unterschiedliche Verkehrsfunktionen erfülle, so die Studie. Neben den 200 Starts- und Landungen im Linien- und Ferienflugverkehr pro Woche würden der allgemeine Geschäftsreiseflugverkehr, Werkverkehr, die gewerbliche Pilotenausbildung und auch Luftsportvereine für Flugbewegungen sorgen.

Ihr Hauptaugenmerk richtet die Studie sodann auf die Bedeutung des Flughafens für die Region in Westfalen und nennt große Reisezeitvorteile an erster Stelle. Wer beispielsweise in Paderborn oder Höxter wohne und einen Flug erst in Düsseldorf antreten könne, brauche 90 Minuten länger als von Paderborn-Lippstadt aus. Ähnlich sehe es für einen Flug von Hannover aus.

Der Flughafen generiert neun Millionen Euro Einkommenssteuer

Neben dem Zeitvorteil bietet der Flughafen für die Region laut Ausarbeitung zudem nicht quantifizierbare Standortvorteile. Darunter falle etwa eine insgesamt höhere Attraktivität der Region durch die gute Erreichbarkeit. Die Autoren verweisen dabei auf eine Befragung, nach der für die 100 wichtigsten Unternehmen Deutschlands "die Verkehrsanbindung durch Luftverkehr" eines der Top-3-Kriterien bei der Standortauswahl sei.

Zu der Funktion als Mobilitätszentrum beschäftigt sich die Studie mit der vom Standort selbst ausgehenden Wirtschaftskraft. So würden direkt am und im Umfeld des Flughafens über 1500 Menschen arbeiten, woraus die Autoren Lohnsteuereinnahmen von rund neun Millionen Euro jährlich ableiten. Indirekt hingen noch einmal etwa genau so viele Arbeitsplätze im näheren Umfeld von Paderborn und Lippstadt vom Betrieb des Flughafens ab.

© Flughafen Paderborn-Lippstadt, Lesen Sie auch: Landräte sorgen sich um Flughafenstandort Paderborn/Lippstadt

In ihrem Resümee sind die Studienautoren überzeugt, dass der Flughafen insgesamt vielfach höhere positive regionalwirtschaftliche Vorteile erzeuge als er an Zuschuss durch die Gesellschafter zur Finanzierung benötige. Recht unverhohlen wird der Politik empfohlen, die Zuschussobergrenze für den Flughafen zu erhöhen. Die "Westfalenpost" weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Fazit der Autoren damit im Sinne der Auftraggeber der Studie liege.

Am Horizont droht die EU-Beihilferichtlinie

Aber auch eine Erhöhung der Zuschüsse für den Flughafen kann wohl nur eine mittelfristige Lösung sein. Zwar ist eine endgültige Entscheidung über die Umsetzung der EU-Beihilferichtlinie für kleinere Flughäfen erst für nächstes Jahr geplant, aber eigentlich ist vorgesehen, dass alle Flughäfen in der EU ab 2024 ihren Betrieb selbst finanzieren müssen, also keinerlei staatliche Subventionen erhalten dürfen.

Die Paderborner weisen in diesem Zusammenhang immer wieder auf einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil hin, da man die Kosten für die Flugsicherung selbst tragen müsse, während diese an größeren Flughäfen vom Bund über die Deutsche Flugsicherung (DFS) getragen würden. Die Kosten beliefen sich laut Auskunft des Flughafens im letzten Jahr auf 1,5 Millionen Euro, also einen guten Teil des operativen Verlustes.

Der Paderborner Flughafenchef Marc Cezanne fasste die Ergebnisse der Studie so zusammen: "Es wird oft über die Kosten des Flughafens Paderborn/Lippstadt diskutiert, aber zu wenig über dessen Wert für die Region gesprochen." Das Gutachten lege eindrucksvoll dar, dass der wirtschaftlicher Nutzen des Flughafens für die gesamte Region ein Mehrfaches der finanziellen Unterstützung durch die Eigentümer beträgt. "Dies sollte uns ein weiterer Ansporn sein, auf Bundes- und Landesebene für eine Beseitigung der Wettbewerbsnachteile zu kämpfen und dadurch die finanziellen Belastungen der Anteilseigner für die Sicherstellung dieser wichtigen Infrastruktur deutlich zu reduzieren."

© Flughafen Paderborn-Lippstadt, Lesen Sie auch: Airport Paderborn will ohne Billigflieger wachsen

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Von: dk
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