Das Luftfahrtjahr 2016

Streitigkeiten, Einigkeit und Umbaupläne

28.12.2016 - 08:00 0 Kommentare

Was haben die Fluggesellschaften, Flughäfen und Organisationen 2016 so getrieben? Viele sparen, einige bauen um. Manche streiten sich, manche einigen sich. Andere wiederum sind seit diesem Jahr "ganz frisch" dabei.

Ein Passagier checkt Flüge am Airport Frankfurt. - © © dpa - Arne Dedert

Ein Passagier checkt Flüge am Airport Frankfurt. © dpa /Arne Dedert

Von Air Berlin über den Münchner Flughafen bis hin zum Zentrum für Angewandte Luftfahrt-Forschung: 2016 sind in der Branche viele Dinge passiert. Der airliners.de-Jahresrückblick gibt einen Überblick.

Sparprogramme und Stellenabbau

Sparen, sparen, sparen: Das ist in diesem Jahr bei vielen Luftfahrt-Unternehmen ein großes Thema. Der Flugzeughersteller Airbus will Doppelstrukturen abschaffen und 1200 Stellen abbauen - darunter 400 in Deutschland. Auch bei der Lufthansa Group stehen Veränderungen an - trotz eines enormen Gewinnsprungs. Das Unternehmen setzt gleich an mehreren Stellen an.

So sollen bei der Fracht-Tochter Lufthansa Cargo jährlich rund 80 Millionen Euro eingespart und mehrere hundert Stellen abgebaut werden. Geplant ist außerdem, hunderte Jobs bei Lufthansa Technik in Hamburg zu streichen. Und mehr als tausend sind es beim Catering-Unternehmen LSG Sky Chefs.

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Condor ist in die roten Zahlen gerutscht und muss kürzer treten. Und die finanziell angeschlagene Air Berlin hat einen weiteren Rekordverlust eingefahren: Wie im April bekannt wurde, beträgt das Minus für 2015 fast 447 Millionen Euro. Im September kommt heraus: Air Berlin will bis zu 1200 Arbeitsplätze streichen.

Umbau und Strategien

Der Jobabbau ist Teil des großen Umbaus bei Air Berlin: Die Airline will künftig nur noch von den Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf aus abheben und sich mehr auf Langstrecken fokussieren. Wichtig sind dabei auch die Codeshare-Flüge mit Partner und Großaktionärin Etihad Airways, die Anfang des Jahres genehmigt worden sind.

Air Berlin verkauft außerdem ihre österreichische Tochter Niki, die mit der Tuifly zu einer neuen Airline zusammenwächst. Und es geht noch weiter: Die Lufthansa mietet 38 Air-Berlin-Maschinen und setzt diese bei der Billig-Plattform Eurowings ein.

© AirTeamImages.com, Rudi Boigelot/Alun Morris Jones, Kollage: a.de Lesen Sie auch: Air Berlin und Lufthansa besiegeln Wet-Lease-Vereinbarung

Die Lufthansa will die Eurowings bekanntlich zum drittgrößten Billiganbieter Europas aufbauen. Dazu wurde in diesem Jahr ein wichtiger Schritt gemacht, denn die Eurowings Europe mit Sitz in Wien hat im Juni ihre Flugbetriebslizenz (AOC, Air Operator Certificate) erhalten.

Es galt als ausgemacht, dass der Konzern seine Drehkreuze in Frankfurt und München seinen Marken Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines vorbehält - und die Billigplattform Eurowings dort nicht operieren wird. Doch das hat sich in diesem Jahr geändert. Warum, können Sie hier nachlesen:

Auch bezüglich der Golf-Carrier hat sich die Einstellung der Lufthansa verändert. Sie gehörte zu den Gesellschaften, die sich gegenüber Airlines wie Etihad, Emirates oder Qatar Airways benachteiligt fühlte. Doch kurz vor Jahresende gibt Lufthansa bekannt, mit der Air-Berlin-Eignerin Etihad ein Codeshare-Abkommen beschlossen zu haben.

Ein Ereignis, welches von manchen Airlines neue Strategien erfordert, ist der beschlossene Brexit - also der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Allein die Entscheidung zu diesem Schritt belastet finanziell zum Beispiel die International Airlines Group (IAG), Rynair oder Easyjet. Letztere schaut sich bereits nach einer neuen EU-Fluglizenz um.

© dpa, Andy Rain Apropos (12) Brexit-Folgen für den Luftverkehr

Sichtbar umgebaut wird seit diesem Jahr an den deutschen Airports: Die von der Bundespolizei bestellten neuen Sicherheitsscanner des Typs Quick Personal Scanner (QPS) sollen flächendeckend die derzeit vorhandenen Metalldetektorschleusen an den Passagierkontrollen der Flughäfen ersetzen. Bei den neuen Geräten muss sich der Passagier nur noch vor das Gerät stellen. Das Anheben der Arme und das Umdrehen fallen weg.

Neue Airlines, Gebäude und Verbände

2016 ist auch das Jahr der neuen Charter-Fluggesellschaften. So hat die deutsche Small Planet Airlines ihre Flugbetriebslizenz (AOC) bekommen und ist seit Mai unterwegs. Außerdem wurde in diesem Jahr bekannt, dass zwei neue Charter-Airlines 2017 an den Start gehen sollen: Da ist zum einen Sundair, die sich auf den deutschen und den EU-Markt konzentrieren will. Und zum anderen ist da Azur Air, die auf der Langstrecke durchstarten will.

Nach vierjähriger Bauzeit ist in diesem Jahr der neue Satellit am Airport München in Betrieb gegangen. An dem Abfertigungsgebäude können pro Jahr elf Millionen Fluggäste zusätzlich abgefertigt werden. Der Neubau hat 900 Millionen Euro gekostet.

© Flughafen München, Lesen Sie auch: Bilder: Neuer Satellit am Airport München geht in Betrieb

Ebenfalls an den Start ging das Luftfahrt-Forschungszentrum ZAL in Hamburg. Es soll eine Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und der Stadt Hamburg sein. Und dann gibt es noch zwei Verbände, die 2016 neu gegründet worden sind:

Streiks und Streitigkeiten auf der einen ...

2016 wird auch als Jahr der (fortgesetzten) Streiks und Tarifkonflikte in Erinnerung bleiben. So fielen zum Beispiel aufgrund von Warnstreiks im öffentlich Dienst, bei denen auch Flughafenfeuerwehren teilnahmen, 1400 Verbindungen an elf deutschen Airports aus.

Außerdem legten die Lufthansa-Piloten nach einem Aufruf der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) an sechs Tagen ihre Arbeit nieder. Die Airline musste insgesamt rund 4500 Flüge streichen. Es war die 14. Streikwelle der Piloten.

Bei Eurowings und Germanwings dagegen streikten die Flugbegleiter. Die Gewerkschaft Ufo kündigte zwar noch weitere Arbeitskämpfe an, zog diese Drohung dann jedoch zurück. Verdi veranstaltete einen Warnstreik bei Eurowings. Und über die Gehälter der Flughafen-Sicherheitskräfte wird noch verhandelt.

Linktipps:

Ein Thema hat gegen Ende dieses Jahres einen Streit innerhalb der Branche entfacht: Die Rabatte für Airlines am Flughafen Frankfurt. Neue Fluggesellschaften profitieren dabei eher als bereits ansässige Gesellschaften. Während der Airport-Betreiber Fraport das Konzept verteidigt, kommt aus der Politik und auch aus der Branche viel Kritik. Lufthansa schließt auch eine Klage nicht aus.

… und Einigungen auf der anderen Seite

Doch man wurde sich bei manchen Dingen auch einig, in diesem Jahr 2016. Da sind zum Beispiel die Lufthansa und die Flugbegleitergewerkschaft Ufo, bei denen die Schlichtung gelang - auch dank Matthias Platzeck, der in dem Streit vermittelte. Bei der Lufthansa und ihren Piloten ist eine Schlichtung immerhin im Gange.

Die Verhandlungen zwischen Verdi und Eurowings waren erfolgreich. So wurde ein neuer Tarifvertrag für die 460 Kabinenbeschäftigten der Lufthansa-Tochter abgeschlossen.

OMV Aktiengesellschaft, Lesen Sie auch: Icao-Staaten legen Klimaschutzabkommen für die Luftfahrt auf

Auf internationaler Ebene haben sich die Icao-Mitgliedsstaaten ebenfalls auf etwas verständigt: Im Oktober wurde ein globales Klimaschutzabkommen für den Luftverkehr beschlossen. Es soll ab 2020 den Ausstoß von Kohlendioxid begrenzen.

Neue Regeln für die Branche

Was ist noch in diesem Jahr passiert? Nun, es gab auch mehrere politische Entscheidungen, die sich auf die Luftfahrtbranche auswirken. Der Bundestag hat infolge des Germanwings-Unglücks beschlossen, Piloten in Zukunft stärker zu kontrollieren, was den Drogen- und Alkoholmissbrauch angeht. Dazu gehört auch eine personalisierte Datenbank.

Außerdem hat der Bundestag eine Änderung des Luftsicherheitsgesetzes verabschiedet. Diese sieht unter anderem vor, dass das Innenministerium bei einer terroristischen Bedrohung Flugverbote aussprechen darf.

Auf europäischer Ebene darf die EU-Kommission künftig Verhandlungen über Luftverkehrsabkommen auf EU-Ebene führen. Es geht dabei unter anderem um Gespräche mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und der Türkei. Bis es zu Abschlüssen kommt, wird es allerdings noch etwas dauern.

Auf manche Dinge wartet die Branche noch

Der genaue Eröffnungstermin für den neuen Hauptstadtflughafen lässt zwar weiter auf sich warten. Aber immerhin ist Mitte des Jahres der BER-Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses veröffentlicht worden, der sich mit der jahrelangen Verspätung befasst hatte. Der Ausschuss hatte 70 Zeugen befragt und mehr als 1600 Akten ausgewertet. Außerdem genehmigte die EU-Kommission in diesem Jahr einen Kredit in Höhe von 1,1 Milliarden Euro für den BER.

Seit Jahren erwartet wird neben der BER-Eröffnung auch das neue, nationale Luftverkehrskonzept. Eine Studie lieferte in diesem Jahr zwar die Grundlagen - diese sollen aber "Bausteine für künftige Koalitionsverhandlungen" sein, so ein Staatssekretär. Im kommenden Jahr finden die Bundestagswahlen statt.

© dpa, Bernd Wüstneck Jahresrückblick: Ein Kommen und Gehen bei den Airline- und Airport-Chefs

Von: ch
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