Streit um Wet-Leases für USA-Flüge

06.06.2018 - 16:03 0 Kommentare

Die EU und die USA wollen bald Wet-Leases auf Transatlantik-Flügen unbegrenzt erlauben. Das könnte auch Erleichterungen für die Eurowings-Verbindungen bringen. Doch die Liberalisierung ist umstritten.

Eine A330 von Sun Express Deutschland fliegt für Eurowings auf der Langstrecke. - © © AIrTeaImages.com - Adrian Jack

Eine A330 von Sun Express Deutschland fliegt für Eurowings auf der Langstrecke. © AIrTeaImages.com /Adrian Jack

Auf Flügen zwischen Europa und den USA könnte der Einsatz von Wet-Lease-Flugzeugen schon bald unbegrenzt erlaubt sein. Eine entsprechende Vereinbarung stehe kurz vor dem Abschluss, erfuhr airliners.de aus Kreisen der EU-Kommission. Man habe bei den seit einem Jahr laufenden Verhandlungen gute Fortschritte gemacht und erwarte in Kürze die Unterzeichnung des Vertragsentwurfs, heißt es.

Mit dem neuen Zusatzabkommen soll künftig auf den Transatlantik-Routen das Leasen von Flugzeugen samt Besatzung ohne zeitliche Begrenzung erlaubt sein. Bisher ist der Einsatz von Drittcarriern auf sieben Monate befristet, eine einmalige Verlängerung um weitere sieben Monate ist möglich.

Der Wet-Lease-Konflikt

Das neue Zusatzabkommen soll einen zehn Jahre währenden Konflikt zwischen den USA und der EU beenden. Das 2008 in Kraft getretene Open-Skies-Abkommen sah ursprünglich die Freigabe aller Varianten von Wet-Leasing vor. Zeitgleich führte allerdings die EU eine Beschränkung ein: EU-Airlines dürfen demnach ihre Flugzeuge samt Crews für höchstens zweimal sieben Monate von Carriern aus Drittstaaten - auch aus den USA - anmieten. Die Vereinigten Staaten konterten mit einer zeitlichen Befristung für sämtliche Wet-Leases, auch zwischen EU-Airlines.

Laut Presseberichten sollte die Vertragsunterzeichnung durch Vertreter der EU-Kommission und der USA bereits Anfang Mai auf einer Sitzung des gemeinsamen Ausschusses erfolgen. Die Vertreter Frankreichs hätten allerdings darauf bestanden, den Entwurf in französischer Sprache zu bekommen. Daher musste der Abschluss zunächst verschoben werden.

Eurowings setzt Wet-Leases für USA-Flüge ein

Betroffen sind von den bisherigen Einschränkungen für USA-Flüge mehrere EU-Carrier, darunter auch Eurowings: Die Lufthansa-Tochter bestreitet ihren gesamten Langstreckenbetrieb mit Wet-Leases. Da sie bereits seit mehr als zwei Jahren in die USA fliegt, wäre die Befristung auf zweimal sieben Monate mittlerweile abgelaufen.

Dass Eurowings nach wie vor mit fremden Maschinen und Besatzungen in die USA fliegen darf, könnte mit der Ausgestaltung der Wet-Lease-Verträge zusammenhängen. Denn oft hängt es von Details ab, ob solche Vereinbarungen tatsächlich als Wet-Leases gewertet werden, erklärt ein Rechtsexperte gegenüber airliners.de

Eurowings-Flüge in die USA

Erstmals startete Eurowings am 30. Mai 2016 in die USA. Die Flüge nach Boston wurden allerdings nach drei Monaten wieder eingestellt. Im September 2016 folgten Flüge nach Miami, im Sommer 2017 Verbindungen nach Las Vegas, Seattle und Orlando. In Sommer stehen sieben USA-Strecken auf dem Programm des Billigfliegers. Davon werden vier von Sun Express Deutschland (XG) betrieben, drei von Brussels Airlines (SN):

  • München-Las Vegas (XG)
  • München-Fort Myers (XG)
  • Köln/Bonn-Las Vegas (XG)
  • Köln/Bonn-Seattle (ab 16. Juni) (XG)
  • Düsseldorf-New York (SN)
  • Düsseldorf-Miami (SN)
  • Düsseldorf-Fort Myers (SN)

Eurowings selbst lässt sich jedenfalls in Sachen Flugrechte nicht in die Karten schauen. Zu regulatorischen Themen können man sich nicht äußern, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. Der Einsatz von Wet-Leases erfolge im Rahmen der rechtlichen Vorgaben und behördlichen Anforderungen.

Mit der jetzigen Neuregelung möchte die EU der Luftfahrtbranche das Geschäft erleichtern. Durch Wet-Leases werde die Aufnahme neuer Strecken und die Abdeckung saisonaler Nachfrage erleichtert, heißt es. "Das Abkommen setzt unsere Tradition der Aufhebung von Marktzugangsbeschränkungen fort und wird Fluggästen wie Fluggesellschaften gleichermaßen zugute kommen", erklärte Maltas Verkehrsminister Joe Mizzi vergangenes Jahr bei der Aufnahme der Gespräche.

Piloten fürchten Billigpersonal aus Drittländern

Doch auf Seiten der Airline-Mitarbeiter sieht man die Liberalisierung äußerst kritisch. Die Vereinigung Cockpit etwa sieht die Sozialstandards in der Branche bedroht, wenn EU-Airlines nicht nur Flugzeuge, sondern auch Personal aus Drittstaaten einsetzen dürfen. "Wir sind dagegen, das Wet-Leasing komplett zu liberalisieren. Damit würde Fliegern aus dem Mittleren Osten und Asien, deren Arbeitsstandards niedriger sind, Tür und Tor geöffnet", sagte ein Sprecher der Pilotengewerkschaft.

Die VC wie auch der europäische Pilotenverband ECA fordern deshalb, dass die neue Vereinbarung mit den USA ein Einzelfall bleiben muss. Sie schließen sich damit einem Vorschlag an, den jüngst das Europa-Parlament einbrachte: Demnach soll die Freigabe von Wet-Leases nur bei Luftverkehrsabkommen möglich sein, die vor 2008 unterzeichnet wurden. "So könnte die EU keine weiteren voll liberalisierten Wet-Lease-Vereinbarungen mit Nicht-EU-Staaten aushandeln", sagt ECA-Generalsekretär Philip von Schöppenthau.

© airliners.de, Gunnar Kruse Lesen Sie auch: EU-Kommission erhält Mandat für Luftverkehrsverhandlungen

Vor allem die Staaten aus der Golfregion und aus Südostasien wären durch die Klausel von der Wet-Lease-Liberalisierung ausgeschlossen. Denn die Luftverkehrsabkommen mit ihnen sind noch in Vorbereitung: Die EU verhandelt seit zwei Jahren über umfassende Verträge, die die einzelstaatlichen Abkommen ersetzen sollen.

Von: pra
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