Dauer der Investorensuche noch nicht absehbar Streit um «Streichkonzert» am Hahn

07.08.2012 - 08:29 0 Kommentare

Verliert der Flughafen Hahn Strecken in großem Stil? Ja, sagt eine Bürgerinitiative. Nein, betonen Airport und Ryanair. Und wie steht es mit der Investorensuche? Grünen-Fraktionschef Köbler warnt vor Hektik.

Eine Fluggasttreppe steht am Flughafen Hahn vor einer Ryanair-Maschine - © © airliners.de - O. Pritzkow

Eine Fluggasttreppe steht am Flughafen Hahn vor einer Ryanair-Maschine © airliners.de /O. Pritzkow

Beim defizitären Hunsrück-Flughafen Hahn ist ein Streit um ein angebliches «Streichkonzert» von Flugverbindungen entbrannt. Die Flughafen-Gesellschaft und ihre größte Passagier-Airline Ryanair wiesen am Montag die Kritik einer Bürgerinitiative zurück.

Eine Ryanair-Sprecherin bestätigte jedoch, dass im November die Flüge nach Madrid und Fuerteventura wegen erhöhter spanischer Flughafengebühren gestrichen würden. Dafür gebe es aber dann neue Verbindungen ab dem Hunsrück, etwa nach Warschau und Budapest. «Wir hatten im letzten Winterflugplan 31 Strecken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in diesem Winter wieder ungefähr die gleiche Zahl haben werden.»

Die Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn vermutet, dass Ryanair Strecken aufgebe, deren Auslastung trotz Subventionen weit hinter den Erwartungen zurück geblieben sei. Auch die neue Verbindung nach Budapest sei gar nicht neu, sondern früher schon betrieben und 2009 wieder eingestellt worden – wohl mangels Auslastung.

Die Bürgerinitiative verwies auch auf die polnische Fluglinie OLT Express. Diese wollte im Winter von Hahn nach Danzig, Lodz und Warschau starten, ist inzwischen aber pleite. Vom Hunsrück nach Polen fliegen jedoch Maschinen anderer Airlines.

Das rheinland-pfälzische Infrastrukturministerium erklärte unterdessen, dass die Ausschreibung für Investoren am Hahn noch gar nicht begonnen habe. Zuerst werde ein kompetenter «Transaktionsberater» gesucht, damit nach einer Markterkundung «ein leistungsfähiger privater Partner mit zukunftsfestem Betriebsmodell für die nachhaltige Entwicklung des Standorts ausgewählt werden kann», teilte Ministeriumssprecher Christoph Gehring der dpa mit. Zur Dauer des gesamten Verfahrens könne er noch nichts sagen.

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport war bereits 2009 beim Hahn ausgestiegen. Dieser gehört nun zu 82,5 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz, zu 17,5 Prozent Hessen. Der rheinland-pfälzische Grünen-Fraktionschef Daniel Köbler sagte der dpa mit Blick auf den insolventen Nürburgring: «Es ist wichtig, einen privaten Investor für den Hahn zu finden, um das Land zu entlasten, aber dabei sollte man lieber gründlich als schnell vorgehen.» Grundsätzlich halte er das Frachtgeschäft für stabiler als die subventionierten Billigflüge – die Abhängigkeit von Ryanair dürfe nicht zu groß werden.

Im ersten Halbjahr 2012 hatte der Hahn 1,28 Millionen Passagiere gezählt – acht Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Flughafenchef Jörg Schumacher sprach kürzlich von «verheerenden Auswirkungen» der Luftverkehrsabgabe. Das Frachtaufkommen sank um 28 Prozent auf 104.000 Tonnen. Es gilt laut einer Flughafensprecherin als «Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung». Insgesamt sei man «verhalten optimistisch».

Von: Jens Albes, dpa
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