Streit um Mindestgröße von Piloten mit Vergleich beigelegt

18.02.2016 - 15:39 0 Kommentare

Mit knapp 1,62 Meter ist eine Frau zu klein, um Pilotin zu werden - meint zumindest die Lufthansa. Vor dem Bundesarbeitsgericht einigten sich beide Parteien nun auf einen Vergleich.

Die Klägerin geht in den Gerichtssaal des Arbeitsgerichtes in Köln (Archivfoto). - © © dpa - Oliver Berg

Die Klägerin geht in den Gerichtssaal des Arbeitsgerichtes in Köln (Archivfoto). © dpa /Oliver Berg

Der Rechtsstreit um die Mindestgröße für Piloten bei der Lufthansa ist beigelegt. Vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt schloss die Klägerin am Donnerstag einen Vergleich mit der Airline. Demnach zahlt Europas größte Fluggesellschaft 14.175 Euro an die junge Frau.

Sie hatte sich um eine Pilotenausbildung beworben und mehrere Tests bestanden, erhielt letztlich dennoch eine Absage: Weil sie mit knapp 1,62 Meter zu klein war. Laut Tarifvertrag müssen angehende Piloten mindestens 1,65 Meter groß sein. Die Frau sah sich wegen ihres Geschlechts diskriminiert, weil Frauen im Schnitt kleiner sind als Männer und deswegen häufiger an dieser Hürde scheiterten - und zog vor Gericht.

Um Pilot bei Europas größter Fluggesellschaft zu werden, muss ein Bewerber nicht nur fließend Englisch und Deutsch sprechen, körperlich fit und psychisch belastbar sein. Die Lufthansa hat auch die Größe ihrer künftigen Piloten per Tarifvertrag definiert: Sie dürfen nicht kleiner als 1,65 oder größer als 1,98 sein. "So soll sichergestellt werden, dass ein Pilot oder eine Pilotin problemlos und in jeder Situation in der Lage ist, alle Bedienelemente im Cockpit zu erreichen", begründet Firmensprecher Helmut Tolksdorf.

Andere Airlines sehen die Sache entspannter

Lufthansa habe viele verschiedene Flugzeugtypen, und die Piloten sollten auf möglichst vielen davon eingesetzt werden. Deswegen seien die Anforderungen an die Größe der Piloten "klarer definiert". Andere Airlines sehen das entspannter. Bei der Lufthansa-Tochter Swiss etwa müssen Pilotenanwärter nur 1,60 groß sein, Air Berlin verzichtet ganz auf eine Mindestgröße. Die Sitze im Cockpit ließen sich individuell einstellen und justieren, sodass es wegen der Größe von Piloten keine Probleme gebe, sagte eine Sprecherin.

Das Landesarbeitsgericht Köln hatte bereits Zweifel an der Regelung bei Lufthansa. Die Richter bescheinigten der Klägerin 2014, dass ihr Persönlichkeitsrecht fahrlässig verletzt und sie "mittelbar wegen ihres Geschlechts benachteiligt" wurde. Dabei zogen sie wissenschaftliche Daten heran, wonach 44 Prozent der Frauen über 20 Jahre in Deutschland kleiner als 1,65 sind - aber nur knapp drei Prozent der Männer. Eine Entschädigung oder Schadenersatz lehnte das Kölner Gericht jedoch ab (Az. 5 Sa 75/14).

Von: gk, dpa

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