Streit um ILA-Finanzierung geht in entscheidende Phase

01.04.2019 - 07:02 0 Kommentare

Die kommende ILA ist die vorerst letzte Berlin Air Show. Denn dann läuft ein Vertrag zwischen dem BDLI, Berlin und Brandenburg aus. Die Millionenverluste sind aber nicht der einzige Streitpunkt.

Besucher auf der ILA 2016. - © © dpa - Ralf Hirschberger

Besucher auf der ILA 2016. © dpa /Ralf Hirschberger

Alle zwei Jahre lockt die Luftfahrtmesse ILA zahlreiche Besucher, Geschäftsleute und auch Regierungsvertreter nach Schönefeld bei Berlin. Doch es ist ungewiss, ob und wie es mit der defizitären Messe weitergeht nach der nächsten Ausgabe 2020.

Die ILA Berlin Air Show ist die "Hausmesse" des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI). Bis zur ILA 2020 gibt es einen Vertrag mit der Messe Berlin, die das Messegelände zur Verfügung stellt und die wirtschaftliche Verantwortung trägt.

Die Berliner Messegesellschaft macht nun Druck auf die Beteiligten. "Was ab 2022 sein wird, ist vollkommen unklar", sagte Messechef Christian Göke. In diesem Jahr müsse eine Lösung gefunden werden - bevor die Gäste zur letzten geplanten Berlin Air Show im Mai nächsten Jahres kommen. "Man muss allerspätestens 2020 die Zukunft präsentieren können."

ILA 2018 machte 6,2 Millionen Euro Verlust

Doch dafür müssen sich eine Reihe von Partnern einig werden, die teils unterschiedliche Ziele haben: der BDLI, die Länder Berlin und Brandenburg, die Messegesellschaft und der Flughafen. Mehrere hochrangig besetzte Gespräche brachten bislang keine Verständigung. Die strittigste Frage: Wer kommt für die Verluste jeder ILA in Höhe von zuletzt je nach Auslegung vier bis acht Millionen Euro pro Veranstaltung auf?

Die Staatskanzleien in Berlin und Brandenburg bekräftigten, die ILA in der Region halten zu wollen. "Die ILA ist die wichtigste Industriemesse im Land und zeigt auch positive Effekte für den Flughafen", hieß es in Potsdam. Regierungssprecher Florian Engels versicherte: "Brandenburg wird die ILA auch zukünftig mit aller Kraft unterstützen." Allerdings ist das finanzielle Engagement Brandenburgs bei den ILA-Verlusten gedeckelt.

Auf einer Sitzung des Abgeordnetenhauses zur ILA beschwerte sich Ende 2018 die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Popp (Grüne) deutlich über die aktuelle Kostenverteilung. Im vergangenen Jahr hätte das ILA-Defizit 6,2 Millionen Euro betragen - und das auch nur, weil "gemeinsame Anstrengungen" unternommen wurden, das Defizit zu verringern.

Die aktuelle ILA-Vereinbarung sehe vor, dass lediglich Defizite bis drei Millionen Euro gemeinsam von Berlin und Brandenburg getragen werden. Alles darüber hinaus müsse die landeseigene Messe Berlin bezahlen. "Eine weitere Vereinbarung dieser Art wird im Land Berlin niemand mehr unterschreiben", so Popp. Es müsse eine Risiko-Aufteilung geben.

BDLI will Messe unbedingt in Berlin halten

Die Luft- und Raumfahrtindustrie will die Schau derweil auf jeden Fall am Leben erhalten, wie der BDLI deutlich machte. Mit der ILA Berlin verfüge Deutschland über ein weltweites "Ausrufezeichen" für deutsche Hochtechnologie. Die ILA bringe Schub für die weltweite Luft- und Raumfahrt.

Bei der Frage nach Geld hält sich der Branchenverband aber zurück. Die Frage sei an die Messe zu richten, denn sie trage die wirtschaftliche Verantwortung. Schönefeld zu verlassen und die Messe anderswo auszurichten - etwa in Leipzig oder Hannover - kommt für den Verband jedenfalls nicht infrage. Man sei mit allen Partnern im konstruktiven Dialog.

Wichtig ist für den Verband zudem auch die Airshow. Denn die Flugschau am Wochenende zieht regelmäßig Hunerttausende Besucher auf das Freigelände, das neben zivilen auch stets viele militärischen Entwicklungen zeigt. Die Begeisterung der Bevölkerung für die Hochtechnologie "Made in Germany" geht damit in der Hauptstadt auch als politisches Zeichen durch.

© dpa, Wolfgang Kumm Lesen Sie auch: Neue Diskussionen um Zukunft der ILA Air Show

Aber die ILA gilt auch in Industriekreisen als umstritten. Schon lange ist klar, dass die Berlin Air Show nicht mit den internationalen Leitmessen auf Augenhöhe spielt. Hinzu kommt, dass etliche Spezialmessen wie etwa die Aircraft Interiors Expo in Hamburg oder die Aero für allgemeine Luftfahrt in Friedrichshafen wichtige Teilbereiche für sich entdeckt und erfolgreich als eigenständige Themenmessen etabliert haben.

Mit einer klaren Positionierung als Themenmesse wollen die Veranstalter nun seit der ILA 2016 punkten. Damit wird sich die Messe klarer als in den Jahren zuvor auch von den großen europäischen Verkaufsshows im englischen Farnborough und der Paris Air Show in Le Bourget abheben. Das Thema lautet "Innovations-Ausstellung".

© dpa, Wolfgang Kumm Lesen Sie auch: ILA erfindet sich neu

Sollte im Herbst 2020 mit neun Jahren Verspätung tatsächlich der neue Hauptstadtflughafen in Betrieb gehen, dürfte die ILA bei einer Fortsetzung dann nochmal ein neues Gesicht bekommen. Denn das Ausstellungsgelände liegt am Rand des BER-Areals direkt an der neuen Start- und Landebahn.

BER-Betrieb und Förderung für Messegelände sind weitere Knackpunkte

Sobald der BER erst in Betrieb ist, könnten dort nicht mehr so viele Flugzeuge zur Schau gestellt werden, auch die Möglichkeiten für Flugschauen seien dann eingeschränkt, sagte ein Flughafensprecher. "Die ILA wäre weiter möglich, aber sie darf den Flugbetrieb nicht stören."

Die Flughafengesellschaft hat einen Blick auf das ILA-Gelände geworfen. Sie will es von der Messegesellschaft und der Zukunftsagentur Brandenburg kaufen. Denn die Hallen könnte sie zwischen den Messen gut nutzen, etwa für Fracht, und die Freiflächen als Parkplätze. Aber auch das ist nicht einfach, denn die Förderungen beim Bau des Messegeländes sehen auch langfristig weiterhin die ILA auf dem Gelände vor.

Von: dh mit dpa
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