Streit um Gebühren für Frachtanlieferung in Frankfurt geht weiter

05.03.2019 - 07:09 0 Kommentare

Am Flughafen Frankfurt ist die Einführung einer neue Anlieferungsgebühr für Luftfrachtsendungen verschoben worden. Die Proteste kleinerer Speditionen waren zu massiv geworden. Denn sie fühlten sich benachteiligt.

Zwei Mitarbeiter kümmern sich am Flughafen Frankfurt um die Fracht. - © © Air Cargo Community -

Zwei Mitarbeiter kümmern sich am Flughafen Frankfurt um die Fracht. © Air Cargo Community

Am Flughafen Frankfurt gibt es Streit um die Luftfrachtanlieferung. Grund ist eine Gebühr für das Entladen von Fracht, die per Lkw beim Bodenabfertiger Frankfurt Cargo Services (FCS) in der Frankfurter Cargo City Süd angeliefert wird.

Die Gebühr – einmalig in der deutschen Flughafenlandschaft - sollte rückwirkend vom 1. Februar an erhoben werden. Vor wenigen Tagen hat der Frankfurter Bodenabfertiger von Luftfracht das Vorhaben nun aber zurückgenommen und bis zum 1. August vertagt. Die Proteste waren zu massiv geworden, berichtet das Fachportal "CargoForwarder Global" in seiner jüngsten Ausgabe.

Geplant war, dass 3,3 Eurocent pro Kilogramm fällig werden, sofern FCS-Personal oder FCS-Technik wie etwa Gabelstapler für die Entladung von Luftfracht aus einem Lkw benötigt würden. Allerdings galt das nur für lose Packstücke. Komplett ausgenommen waren hingegen von Fuhrunternehmen angelieferte Fertigpaletten und deren Transfer in das Frachtterminal der FCS.

Streit geht durch alle Lager

Doch mit der Verschiebung dürfte sich der Streit um die Sache höchstens kurzfristig beruhigen. Denn der Konflikt ist grundsätzlich und geht quer durch mehrere Lager. So wiesen Vertreter kleinerer und mittelständischer Spediteure darauf hin, dass vor allem sie für die Dienstleistung zur Kasse gebeten werden sollten, da sie vorzugsweise lose Sendungen anlieferten, deren Entladung Geld kosten sollte. Anders die Großen der Branche, die entweder innerhalb der Cargo City Süd oder den angrenzenden Kommunen eigene Frachtterminals mit hoher Kapazität bewirtschafteten. Sie liefern zumeist fertig gebaute Paletten an, die nach Prüfung der Dokumentation und Sicherheitskontrolle nur noch ins Flugzeug geschoben werden müssen.

Angesprochen auf die Situation, verwies der Vertreter einer mittelständischen Spedition darauf, dass täglich tausende von Sendungen von den vielen kleineren und mittelgroßen Transportdienstleistern in Frankfurt angeliefert würden, die zum dortigen Gesamtaufkommen der Luftfracht in hohem Maße beitrügen. "Nur uns die Entladegebühren aufbrummen zu wollen und die Großen der Branche davon komplett auszunehmen ist unanständig und diskriminierend", sagte er wörtlich. Zudem kritisierte er, dass die Gebühr ohne vorherige Konsultationen mit der Branche von Abfertiger FCS "quasi von oben" verfügt worden sei. "Industrielle Partnerschaft sieht anders aus," so eine weitere Stimme aus einem betroffenen Unternehmen.

Moniert wird von Branchenvertretern zudem, dass der Fraport-Vorstand kein Wort zum FCS-Vorstoß sagte. "Die stellen sich komplett stumm. Wohl, deshalb, weil das Luftfrachtgeschäft für die Fraport-Bosse allenfalls noch die dritte oder vierte Geige spielt. Denn die sind praktisch nur noch mit dem Bau des 3. Terminals für Billigflieger beschäftigen," kritisierte ein Mittelständler, gegenüber dem "CargoForwarder".

Frankfurt Cargo Services gehört Investmentmanager Cerberus

Die Flughafengesellschaft, einst alleinige Eigentümerin des Bodenabfertigers, hatte 2015 die Mehrheit (51%) ihrer Anteile an den damaligen Wettbewerber Worldwide Flight Services (WFS) veräußert. Seitdem wird das von "Fraport Cargo Services" in "Frankfurt Cargo Services" umbenannten Unternehmen von der WFS-Zentrale in Paris gesteuert. WFS wiederum gehört zum Investmentmanager Cerberus. Insider der Frankfurter Luftfrachtszene vermuten deshalb nach Angaben des Cargo-Fachmagazins, dass Cerberus Druck auf die WFS ausgeübt hat, von ihrer Frankfurter Tochter höhere Margen in dem sehr margenschwachen Handling-Geschäft zu verlangen. "Und die haben dann die Daumenschrauben bei FCS angezogen," so ein mit den Gepflogenheiten vertrauter Manager.

Zum regelrechten Sturm wurde die Entrüstung gegen die Gebührenankündigung, als bekannt wurde, dass FCS die Qatar Cargo von den Abgaben komplett befreit hatte. "Qatar Cargo ist ein weltweiter Premiumkunde von WFS, mit dem man es sich nicht verderben wollte", so ein Insider. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, das Qatar ein Speziallager innerhalb des Frachtterminals von FCS gemietet hat und daher geltend machte, dass die neuen Entladegebühren in die Pacht bereits eingepreist sind, die FCS von der Airline kassiert.

Bis Ende Juli gibt es jetzt für alle Beteiligten eine Abkühlphase. Und die Möglichkeit für die Vorlage konstruktiver Lösungsansätze. Kompromisssignale kommen nun auch von kleineren und mittelständische Spediteuren. Die Entladung von LKW sei eine Dienstleistung wie viele andere auch, um die Luftfrachtkette am Laufen zu halten. "Und für einen Service, falls nicht selbst sondern von anderen erledigt, muss nun mal bezahlt werden", zitiert der "CargoForwarder" einen Insider.

Weitere Lösungsvorschläge will die Air Cargo Community Frankfurt (ACCF) jetzt ausloten, wie deren Leiter Joachim von Winning dem Magazin bestätigte. Zu dem Interessenverbund gehören Spediteure, Abfertigungsunternehmen, Frachtfluglinien, Vertreter der Fraport und diverser Behörden sowie Mitglieder von anderen in der Cargo-Branche tätigen Dienstleistern, etwa IT-Unternehmen. "Wir werden uns zusammensetzen und einen Rahmenvertrag erarbeiten, den am Ende dann hoffentlich alle Beteiligten unterschreiben können", so die Ankündigung des ACCF-Chefs.

Von: Heiner Siegmund
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