Streikwillige Piloten legen sich mit Lufthansa-Eignern an

21.03.2014 - 16:02 0 Kommentare

Dividenden-Rendite oder Piloten-Rente? Auf diesen einfachen Nenner hat der Gewerkschafter Thomas von Sturm den aktuellen Tarifkonflikt bei der Lufthansa gebracht.

"Wir streiken!"-Button eines Lufthansa-Piloten © dpa

Aus Sicht der Piloten will das Lufthansa-Management ihre Übergangsversorgung auflösen, um künftig den Aktionären des größten Luftverkehrskonzerns Europas höhere Ausschüttungen zahlen zu können. Dafür nehme das Management möglicherweise einen harten Streik der Piloten in Kauf.

Acht Prozent bei der operativen Marge - dem Verhältnis vom Gewinn zum Umsatz - hatte der scheidende Lufthansa-Lenker Christoph Franz bei seinem Amtsantritt 2011 als Ziel vorgegeben. Bei seinem Abgang gut drei Jahre später ist er aber noch weit davon entfernt.

Gerade einmal 2,6 Prozent hat die Kernsparte der Passagierflüge 2013 geschafft - nochmals 0,3 Punkte weniger als im Jahr zuvor. Im Konzern blieben bei einem stagnierenden Umsatz von 30 Milliarden Euro unterm Strich nur 313 Millionen Euro Gewinn übrig. 207,5 Millionen davon sollen an die Aktionäre fließen, wenn die Hauptversammlung Ende April in Hamburg zustimmt.

© dpa Lesen Sie auch: Piloten stimmen für Streik bei Lufthansa

Doch die von Franz angeschobenen Ziele für die kommenden Jahre sind weit ehrgeiziger. Sein Nachfolger Carsten Spohr, der das Steuer zum 1. Mai übernimmt, soll die späten Früchte des harten Sparprogramms "Score" ernten, dem unter anderem 3500 Verwaltungsjobs, Rechenzentren und die altehrwürdige Konzernzentrale in Köln zum Opfer fallen.

Einstweilen belasten noch die Anlaufkosten etwa für Abfindungen die Bilanz. Doch für 2015 hat das Management 2,65 Milliarden Euro an operativem Gewinn versprochen. Das ist das gut 3,5-fache des Wertes von 2013 und überzeugte offenbar die Börse. Zuletzt hatte die Kranich-Aktie deutlich angezogen.

"Übergangsversorgung nicht für höhere Rendite opfern"

Die mächtigen Piloten sehen aber schlichtweg keinen Grund zum Sparen bei der Lufthansa. Das Unternehmen könne seine dringend benötigten und schon bestellten neuen Flugzeuge immer noch aus eigener Tasche bezahlen und stehe vergleichsweise gut da, heißt es bei der Vereinigung Cockpit (VC).

"Score überzeugt uns nicht, weil es nur die Dividende für Aktionäre steigern soll", sagt beispielsweise VC-Sprecher Jörg Handwerg. Er vermutet angelsächsische Großinvestoren hinter der harten Linie des Managements. Größte Eigner sind Blackrock, Templeton und die Capital Group mit jeweils etwa 5 Prozent der Anteile.

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Die rund 5400 Piloten und Co-Piloten bilden bei der Lufthansa-Kerngesellschaft Passage eine selbstbewusste Funktionselite, ohne die im Zweifel nichts geht. Auf die Palme gebracht hat die Kapitäne und Co-Piloten die einseitige Kündigung ihrer komfortablen Übergangsversorgung, mit der es sich bislang leicht auf das gesetzliche Rentenalter zusteuern ließ.

Die meisten Flugzeugführer haben die frühe Ausstiegsmöglichkeit in ihre Lebensplanung fest eingebaut und mit dem Geld gerechnet. Die Verschleppung der seit zwei Jahren fälligen Tariferhöhung hätten sie angesichts durchaus auskömmlicher Gehälter wohl langmütiger ertragen.

"Wir sind nicht bereit, unsere Übergangsversorgung für eine höhere Rendite zu opfern", fasst jedoch der VC-Tarifkommissionschef und Jumbo-Kapitän Thomas von Sturm die Meinung seiner Kollegen zusammen. Über eine Neuregelung will die neue und umgängliche Lufthansa-Arbeitsdirektorin Bettina Volkens durchaus mit sich reden lassen, allerdings ein höheres Austrittsalter durchsetzen. Derzeit gehen Lufthansa-Piloten im Schnitt mit 59 Jahren in den Ruhestand.

Bei der Vergütung - die VC fordert mittlerweile ein Plus von zehn Prozent - zeigt Lufthansa offiziell keinerlei Kompromissbereitschaft, so dass insgesamt sehr harte Verhandlungen und wohl auch der eine oder andere Streiktag anstehen. Auf ein besonderes Entgegenkommen des ausgebildeten Verkehrspiloten Spohr hoffen die Piloten dabei nicht. Er stehe vielmehr im Verdacht, vielleicht zu nachgiebig gegenüber seinen früheren Kollegen zu sein - und werde schon aus diesem Grund keine Zugeständnisse machen.

Von: dpa
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