Deutscher Streik trifft Ryanair stärker als gedacht

12.09.2018 - 14:50 0 Kommentare

Deutsche Flugbegleiter und Piloten bestreiken am Mittwoch Ryanair. Diese strich vorsorglich fast alle Abflüge ab Deutschland. Dementsprechend zufrieden zeigen sich die Gewerkschaften in einer ersten Reaktion.

Ryanair am Flughafen Frankfurt. - © © dpa - Andreas Arnold

Ryanair am Flughafen Frankfurt. © dpa /Andreas Arnold

Der Streik von Flugbegleitern und Piloten des Billigfliegers Ryanair in Deutschland hat diesen härter getroffen als zunächst erwartet. So hatte der Low-Coster am Dienstag 150 der 400 von und nach Deutschland geplanten Verbindungen abgesagt. Nach airliners.de-Informationen handelt es sich dabei vor allem um angebotenen Ryanair-Abflüge an hiesigen Flughäfen. Ryanair betonte am Mittwochvormittag, dass 30 Abflüge ab deutschen Airports gestartet seien.

Ryanair-Abflüge am 12. September ab deutschen Airports
Geplante Verbindungen
Berlin-Schönefeld 46
Köln/Bonn 28
Frankfurt 22
Weeze 14
Hamburg 14
Hahn 12
Nürnberg 10
Weitere Airports 29

"Weitere Airports" sind jene mit jeweils weniger als zehn Abflügen (Bremen, Karlsruhe/Baden Baden, Memmingen, Dortmund, Düsseldorf, München, Stuttgart)Quelle: ch-Aviation

  • Am Flughafen Berlin-Schönefeld sind laut Betreibergesellschaft FBB 20 Ryanair-Verbindungen gestrichen worden: zehn Abflüge und zehn Ankünfte. 55 Flüge unter "FR"-Flugcode sollten aus Schönefeld abheben;
  • annulliert wurden etwa 21 der insgesamt 56 Ryanair-Flüge am Flughafen Köln/Bonn, wie der Airport mitteilte - einer mehr als noch am Dienstag von Ryanair geplant;
  • der Flughafen Memmingen hingegen meldet, dass keine Verbindungen betroffen seien. Ähnliches bestätigte ein Airport-Sprecher in München;
  • am Flughafen Frankfurt mussten wegen des Ausstands am Morgen fünf von zehn Ryanair-Verbindungen gestrichen werden;
  • In Weeze fallen laut eines Sprechers voraussichtlich zwölf von 28 geplanten Ryanair-Flügen aus;
  • der Flughafen Hamburg meldet, dass es voraussichtlich bei lediglich zwei Abflügen von Ryanair zu Problemen kommen könnte;
  • der Flughafen Dortmund meldete zunächst keine gestrichenen Ryanair-Flüge;
  • in Bremen wurden am Morgen neun von 16 geplanten Verbindungen gestrichen;
  • am Airport Düsseldorf ist die Fluggesellschaft Lauda Motion, für die Ryanair als Mehrheitseignerin im Wet-Lease unterwegs ist, vom Streik betroffen. Vier Flüge aus und nach Spanien wurden nach Angaben des Airports gestrichen.

Insgesamt fliegt Ryanair zu 19 Flughäfen in Deutschland, an denen es am Mittwoch zu Ausfällen kommen kann. Der Low-Coster betreibt hierzulande elf Basen für Flüge unter eigenem Flugcode.

Ryanair-Basen in Deutschland im Sommer

Flughafen stationierte
Maschinen
Berlin-Schönefeld 9
Bremen 2
Düsseldorf 1
Frankfurt 10
Hamburg 2
Hahn 4
Karlsruhe/Baden-Baden 2
Köln/Bonn 4
Memmingen 1
Nürnberg 2
Weeze 6
Quelle: airliners.de

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und Verdi haben die rund 400 Piloten und 1000 Flugbegleiter von Ryanair in Deutschland aufgerufen, ab dem frühen Mittwochmorgen die Arbeit für 24 Stunden niederzulegen. VC-Vize Markus Wahl zog im Gespräch mit airliners.de ein erstes positives Zwischenfazit des Ausstands.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: "Weitere Streiks bei Ryanair sind möglich" Interview mit VC-Vize Wahl

"Die Beteiligung ist gut", so Wahl. "Für eine genaue Bewertung ist es jetzt noch zu früh", allerdings zeichneten "die ersten Rückmeldungen unserer Kollegen an den verschiedenen Standorten ein gutes Bild. Die Streikbeteiligung ist hoch." Dem stimmte auch eine Verdi-Sprecherin am Morgen zu.

Ufo signalisiert Solidarität

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo zeigte sich solidarisch mit VC und Verdi. In einem Rundschreiben betont der Ufo-Vorstand, dass dem Streikaufruf von Verdi alle in Deutschland stationierten Ryanair-Flugbegleiter folgen könnten. Allerdings ist ein Großteil derer nicht direkt beim Low-Coster angestellt, sondern kommt über Zeitarbeitsfirmen in die Kabine. Dies betreffe den Angaben nach 70 Prozent der Flugbegleiter.

Für Verdi ist es der erste Streik bei Ryanair. Die VC hat nach einem Warnstreik im vergangenen Jahr und einem ersten ordentlichen Streiktag vor einem Monat einen Erfahrungsvorsprung mit Ausständen bei Ryanair.

In ihren Forderungen sind sich die beiden Gewerkschaften sehr ähnlich - und bilden im Kern auch jene anderer europäischer Verbände ab. So drängen sie nicht nur auf eine bessere Bezahlung, sondern vor allem auf bessere Arbeitsbedingungen.

Verwirrung um Ryanair-Drohung

Ryanair bezeichnete den Streik als "völlig unnötig" und forderte die VC auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Gleichzeitig drohte der Billigflieger mit einem Stellenabbau in Deutschland. Ähnlich agierte er bereits nach Streiks in Irland und den Niederlanden - ruderte dort aber wieder zurück. Für Deutschland schloss die Airline solche Repressalien noch im August aus.

© AirTeamImages.comges.com, Dirk Grothe Lesen Sie auch: Ryanair - die zerrissene Airline Hintergrund

Von: cs
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Ryanair-Kabinenpersonal fordert mehr Geld sowie bessere Konditionen. Deutsche Crews bestreiken am Mittwoch Ryanair

    Gewerkschaften in ganz Europa streiten für bessere Arbeitsbedingungen bei Ryanair. In Deutschland legen die Piloten am Mittwoch erneut die Arbeit nieder. Ihnen schließt sich die Kabine an - nicht ohne Kritik.

    Vom 11.09.2018
  • Leere Schalter von Ryanair. Ryanair wird großflächig bestreikt

    Seit drei Uhr in der Nacht halten die Piloten in fünf europäischen Ländern Ryanair am Boden. Die Airline strich wegen der Streiks hunderte Flüge, sagt aber auch, dass sich die Lage im Laufe des Tages beruhigen soll.

    Vom 10.08.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »