Hintergrund

Das bleibt vom Streik der Lufthansa-Flugbegleiter

13.11.2015 - 16:18 0 Kommentare

Nach einer Woche endet der Rekordstreik der Lufthansa-Flugbegleiter. Der Arbeitskampf hat eine Menge Porzellan zerschlagen, von einer Annäherung ist nichts zu spüren. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Lufthansa-Mitarbeiter protestieren vor der Konzernzentrale der Airline in Frankfurt. - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Lufthansa-Mitarbeiter protestieren vor der Konzernzentrale der Airline in Frankfurt. © dpa /Frank Rumpenhorst

Der bislang längste und härteste Streik in der Geschichte der Lufthansa hat Wunden hinterlassen. Das Unternehmen muss nach 13 Pilotenstreiks weitere streikbedingte Millionenverluste verkraften - diesmal ausgelöst durch die Flugbegleiter. Die Gewerkschaft Ufo kündigte sogar weitere Streiks an. Eine Lösung des Tarifkonflikts scheint weiter entfernt denn je.

Imageschaden für die Lufthansa
Noch nie hat die Lufthansa so viele Passagiere enttäuschen müssen. Mehr als eine halbe Million Gäste konnten nicht die von ihnen gebuchten Verbindungen nutzen, sondern wurden im besten Fall noch auf eine andere Gesellschaft umgebucht. Einige Unglückliche strandeten im Transitbereich des Frankfurter Flughafens und mussten auf Feldbetten übernachten, während sie auf ihren Weiterflug warteten. Zur persönlichen Enttäuschung der Reisenden kommt noch der kaum kalkulierbare Imageverlust. Zuverlässigkeit und Sicherheit gehören zum Markenkern der Lufthansa.

Hoher finanzieller Schaden
Die Lufthansa hat ihren finanziellen Schaden zwar noch nicht beziffert, in ersten Schätzungen gegenüber der "Bild" sprach Personalchefin Bettina Volkens schon vor Streikende aber von einem "deutlich zweistelligen Millionenbetrag". Es kann noch deutlich mehr werden, denn Analysten rechnen über den Daumen mit 20 Millionen Euro Schaden pro Streiktag. Macht bei sieben Tagen an die 150 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die 13 Streikrunden der Piloten mit einem dreitägigen Auftakt im April 2014 belasteten den operativen Gewinn des Konzerns nach Lufthansa-Angaben mit 350 Millionen Euro.

Für die Gewerkschaft Ufo halten sich die finanziellen Folgen des Arbeitskampfes trotz einer hohen Beteiligungsquote in Grenzen, sagt ihr Chef Baublies. Erfahrungsgemäß beantrage nur ein kleiner Teil der Streikenden hinterher tatsächlich Streikgeld, das laut Satzung ab dem dritten Tag gezahlt werden müsse.

Keine Annäherung
Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat mitten im Arbeitskampf seinen harten Sparkurs bekräftigt. Dieser sei notwendig, um Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Konzerns auch künftig bezahlen zu können. Lufthansa wolle sein hervorragendes Personal weiterhin besser entlohnen als die Konkurrenz, könne sich aber das bisherige Niveau der Absicherung nicht mehr leisten. Der Ausbau der strikt auf billig getrimmten Tochter Eurowings wird weiter vorangetrieben. Finanzchefin Simone Menne bekräftigt: "Das, was wir angeboten haben, ist das, was wir uns leisten konnten."

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Die Geschichte mit der Lufthansa-Altersversorgung

Auf der anderen Seite beharrt die Gewerkschaft darauf, die vergleichsweise hohen Übergangs- und Betriebsrenten der Lufthansa-Flugbegleiter auch für künftige Generationen abzusichern. Daneben gibt es eine Vielzahl von Themen aus der gescheiterten "Agenda Kabine". So will Ufo beispielsweise erreichen, dass Flugbegleiter der neuen Billigtöchter innerhalb des gesamten Konzerns wechseln dürfen. Über solche Fragen will Lufthansa eigentlich nicht mehr verhandeln.

Zerstörtes Vertrauen
Während des Streiks scheiterten alle Versuche, sich gemeinsam wieder an den Verhandlungstisch zu setzen. Selbst auf eine Schlichtung konnten sich die Kontrahenten nicht einigen, weil man über unterschiedliche Dinge sprechen wollte. Von der jeweils anderen Seite wurde verlangt, vorab den eigenen Katalog zu akzeptieren. Zu dem von Lufthansa verlangten Streikabbruch kam es nicht, auch nicht über die arbeitsrechtliche Schiene vor den Gerichten. Zum Renten-Thema ist allerdings auch schon vorher eine Schlichtung gescheitert.

Wenig Hoffnung
Auf die Frage, wie es weitergehen soll, haben beide Seiten keine befriedigende Antwort. Die Lage der Lufthansa-Kerngesellschaft habe sich wegen des angerichteten Schadens sogar verschlechtert, sagt Unternehmenssprecher Andreas Bartels, denn schließlich müssten dort die im Streik entstandenen Verluste auch wieder kompensiert werden. Baublies droht zum Streikabschluss jedoch mit neuen Ausständen: "Wenn sich nichts ändert, sind jederzeit Streiks wieder möglich."

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Zum Streikabschluss drohen Flugbegleiter mit neuem Arbeitskampf

Nach außen werden die Reihen geschlossen: Spohr verspricht den Aktionären und Analysten, die unnachgiebige Linie beizubehalten. Ufo sucht den Kontakt und die Abstimmung mit den Gewerkschaften der Piloten und des Bodenpersonals. "Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Zukunft gemeinsame Streiks geben muss", sagt Baublies. In einem gemeinsam organisierten Streik könnten Ufo, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und Verdi dem Unternehmen noch weit größeren Schaden zufügen. Von einer gemeinsamen Strategie bei den Rentenproblemen sind sie aber noch weit entfernt.

Von: ch, dpa
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