Flugbegleiter-Streik bei Eurowings wird nächste Woche fortgesetzt

27.10.2016 - 17:00 0 Kommentare

Hunderte Flüge gestrichen, fast 40.000 betroffene Passagiere: Das ist die vorläufige Bilanz des Streiks der Gewerkschaft Ufo bei der Eurowings. In der kommenden Woche soll der Ausstand weitergehen - vorher gibt es aber erst einmal eine neue Tarifrunde.

Flugbegleiterinnen von Eurowings und Germanwings streiken. - © © dpa - Oliver Berg

Flugbegleiterinnen von Eurowings und Germanwings streiken. © dpa /Oliver Berg

Ein Streik hat am Donnerstag einen großen Teil des Flugbetriebs der Lufthansa-Billigmarke Eurowings lahmgelegt und 40.000 Passagiere getroffen. Nahezu alle innerdeutschen Verbindungen fielen aus, hieß es. Auch im Europa-Verkehr sollte es erhebliche Behinderungen geben.

Grund dafür ist ein ganztägiger Streik der Flugbegleitergewerkschaft Ufo bei den Teilgesellschaften Eurowings GmbH und der größeren Germanwings. Sie betreiben zusammen 81 der insgesamt 92 Flugzeuge, die unter dem Markennamen Eurowings beworben werden.

Fast 400 Flüge fallen aus

Insgesamt wurden 393 von 551 geplanten Flügen vor allem in Düsseldorf, Köln/Bonn, Stuttgart, Hamburg und Berlin gestrichen. Fast alle betroffenen Kunden seien rechtzeitig informiert worden, sagte ein Eurowings-Sprecher. Nur etwa 1000 seien am Vormittag zu den Ariports gekommen, um auf andere Linien oder die Bahn umzubuchen.

Am Freitag soll der Flugbetrieb Eurowings zufolge wieder regulär weitergehen. Laut Plan endet der Streik am Donnerstag um 24 Uhr. In der kommenden Woche müssen sich Eurowings-Kunden aber wieder auf massive Einschränkungen und Flugausfälle einstellen.

Ufo will Arbeitskampf ausweiten - auch Verdi droht mit Streiks

Die Kabinengewerkschaft Ufo will den Arbeitskampf dann noch einmal ausweiten und an zwei Tagen zu weiteren Streiks aufrufen, sagte Ufo-Vorstand Nicoley Baublies. An welchen Tagen und zu welchen Zeiten der Ausstand weitergehen solle, gab die Gewerkschaft noch nicht bekannt.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Zahlreiche Streiks bei der Lufthansa Group

Für Freitag (28. Oktober) ist außerdem eine Verhandlungsrunde mit der Gewerkschaft Verdi geplant, die ebenfalls einen Teil der Kabinenbeschäftigten bei Eurowings Deutschland vertritt. "Wir fordern sieben Prozent - also ein Prozent pro Jahr ohne Vergütungserhöhung", sagte das Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle.

Bei der Fluglinie habe es zuvor sieben Jahre keine Steigerung gegeben. Auch Verdi drohte für den Fall eines Scheiterns mit Streiks. "Die Verdi-Kolleginnen und -Kollegen sind hoch motiviert, bereits ab der kommenden Woche Warnstreiks durchzuführen", sagte Behle.

Bei Germanwings geht es um Teilzeit

Am Mittwochabend hatte Ufo das Streik-Szenario zunächst auf die größere Konzernschwester Germanwings ausgeweitet, indem man dort die offenen Tarifgespräche zur Teilzeit für gescheitert erklärte.

Eurowings wollte wegen des 24-Stunden-Streiks den Gang zum Arbeitsgericht prüfen. "Wir werden jetzt juristisch untersuchen, wer für diesen Streik die Verantwortung trägt, und behalten uns entsprechende rechtliche Schritte vor", sagte ein Airline-Sprecher.

Der Streik sei unverhältnismäßig. Ufo habe einen scheinbaren Konflikt um Teilzeitmodelle genutzt, um neben der kleineren Eurowings GmbH (23 Jets) auch die größere Teilgesellschaft Germanwings (58 Maschinen) der gemeinsamen Lufthansa-Billigplattform "über Nacht und ohne jede Vorwarnung streikfähig zu machen". In der Praxis würden aber fast alle Teilzeitwünsche von Mitarbeitern ohnehin erfüllt.

Ufo reagiert entspannt

Baublies reagierte gelassen auf die Ankündigung. Die Arbeitsgerichte hätten ständig mit solchen einstweiligen Verfügungen zu tun, sagte er dem Südwestrundfunk: "Das machen Arbeitgeber heutzutage leider standardmäßig, statt sich inhaltlich auseinanderzusetzen." Ufo sei gut vorbereitet. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen."

Wegen des Streiks bot die Linie den betroffenen Kunden kostenlose Umbuchungen und Stornierungen an und wollte auch Flugzeuge anderer Gesellschaften anmieten, um Fluggäste aus Urlaubsgebieten zurückholen zu lassen. Nicht bestreikt wurde die Langstrecke der Marke Eurowings.

Kundgebung der Flugbegleitergewerkschaft Ufo in Köln. Foto: © dpa, Oliver Berg

Zum Ausstand aufgerufen waren die Crews an sämtlichen größeren deutschen Flughäfen mit Ausnahme der Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München, wo ein weitgehend normaler Betrieb stattfinden sollte. An einer Ufo-Kundgebung vor dem Eurowings-Gebäude in Köln nahmen nach Gewerkschaftangaben etwa 150 Menschen teil. Eurowings habe den Teilnehmern dabei untersagt, das Firmengelände zu nutzen, sagte ein Sprecher.

Ausgangspunkt des Streiks waren die gescheiterten Tarifgespräche bei der Düsseldorfer Eurowings GmbH. In den Verhandlungen bis in den Mittwochmorgen hatten sich Ufo und das Unternehmen nicht auf ein Schlichtungsverfahren einigen können.

Von: ch, dpa-AFX
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