Steuerzahlerbund: BER kostet mehr als fünf Milliarden Euro

17.10.2013 - 16:26 0 Kommentare

Ist der neue Hauptstadtflughafen BER ein Kranker, der nicht zum Arzt darf? So sagt es der Steuerzahlerbund und macht die Politik für die Kosten verantwortlich. In Schönefeld rollen derweil wieder die Bagger an.

Das neue Fundament für einen zusätzlichen Wassertank der Sprinkleranlage für den neuen Hauptstadtflughafen BER. Der BER-Nordflügel soll aus diesem Wassertank eigenständig Löschwasser erhalten.

Das neue Fundament für einen zusätzlichen Wassertank der Sprinkleranlage für den neuen Hauptstadtflughafen BER. Der BER-Nordflügel soll aus diesem Wassertank eigenständig Löschwasser erhalten.
© dpa - Ralf Hirschberger

Bauarbeiter hantieren auf dem Dach des Nordpiers des Hauptstadtflughafens BER.

Bauarbeiter hantieren auf dem Dach des Nordpiers des Hauptstadtflughafens BER.
© dpa - Ralf Hirschberger

Ein Flugzeug auf dem Vorfeld am Nordpier des neuen Hauptstadtflughafens.

Ein Flugzeug auf dem Vorfeld am Nordpier des neuen Hauptstadtflughafens.
© dpa - Ralf Hirschberger

Ein Mann mit Signalweste läuft durch eine Abflughalle im Nordpier des neuen Hauptstadtflughafens.

Ein Mann mit Signalweste läuft durch eine Abflughalle im Nordpier des neuen Hauptstadtflughafens.
© dpa - Ralf Hirschberger

Der neue Hauptstadtflughafen BER wird aus Sicht des Bundes der Steuerzahler mehr als fünf Milliarden Euro kosten. Der Verein führt das Projekt in seinem neuen Schwarzbuch als erstes Beispiel für Kostenexplosionen und Verschwendung an. Das Buch wurde am Donnerstag in Berlin vorgestellt. Ein Flughafensprecher wollte den Bericht des Schwarzbuchs auf Nachfrage nicht kommentieren.

Beim ersten Spatenstich vor sieben Jahren waren die Verantwortlichen noch davon ausgegangen, dass der Flughafen zwei Milliarden Euro plus Zinsen kostet. Nach vier abgesagten Eröffnungsterminen haben sich die Kosten aber bis zum vergangenen Herbst auf 4,3 Milliarden Euro erhöht. Jeder weitere Monat kostet nach Betreiberangaben 35 Millionen Euro. Ein gesamter Kosten- und Finanzierungsplan kann noch nicht vorgelegt werden, hatte der BER-Aufsichtsrats- und Berliner Regierungschef Klaus Wowereit im September erklärt. Damals ging es um die Bewilligung von zehn Millionen Euro für das zu klein geratene Datennetz am Flughafen.

Stillstand auf der Baustelle ausgelöst

Jetzt wirft der Steuerzahlerbund den Politikern im Aufsichtsrat vor, Hals über Kopf in den Flughafen-Bau eingestiegen zu sein und dann während der Bauphase immer wieder umgeplant zu haben. Mit dem Rauswurf der Planer nach der geplatzten Eröffnung 2012 hätten sie überdies den Stillstand auf der Baustelle ausgelöst. Inzwischen hätten Geschäftsführung und Politik diesen Fehler erkannt und einen Teil der Planer wieder nach Schönefeld eingeflogen, wie es im Schwarzbuch heißt. Zweifel werden auch daran laut, ob der Flughafen die Kosten jemals einspielt. Der Verein fordert mehr Fachleute für den Aufsichtsrat. «Die Politik ist nicht bereit, ein krankes Kind dem Arzt als Experten zu lassen.»

Der Bund der Steuerzahler hatte bereits 2012 die Verantwortlichen des Flughafens Berlin Brandenburg scharf attackiert. Auch damals forderte der Steuerzahlerbund, dass Politiker in den Reihen des Aufsichtsrates durch externe Fachleute und kompetente Fachbeamte ersetzt werden sollten.

Die Wahrheit über die tatsächlichen Kosten des Debakels müssten ans Licht, forderte die Grünen-Fraktionschefin im Berliner Abgeordnetenhaus, Ramona Pop. Sie argwöhnt, dass es wegen der Bundestagswahl noch immer keinen neuen Zeit- und Kostenplan gibt. «Die Berlinerinnen und Berliner haben ein Recht zu erfahren, was noch auf sie zukommt.»

Umbau der Sprinkleranlage gestartet

Am Neubau begann unterdessen der Umbau der riesigen Sprinkleranlage. Sie wird in drei Abschnitte für insgesamt bis zu 70.000 Sprinkler zerlegt. Arbeiter begannen am Donnerstag, Fundamente für einen zusätzlichen Wassertank zu schaffen, der vor dem Nordflügel stehen soll. Von dort soll dieser Seitentrakt eigenständig Löschwasser erhalten.

Bislang werden die Sprinkler in Haupt-, Nord- und Südpier zentral gesteuert und versorgt. So arbeitete die Anlage aber nicht präzise genug, wie Tests ergaben. Der Landkreis hat nun die Teilung genehmigt, wie ein Flughafensprecher sagte. Die neue Sprinklerzentrale für den Südflügel ist noch in Planung.

Von: dpa, airliners.de
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