Steiler anfliegen für weniger Lärm

07.10.2013 - 15:53 0 Kommentare

In Zukunft könnten Flugzeuge in Frankfurt steiler anfliegen. Dazu wurde nun im Rahmen des Forschungsprojektes „Steeper Approach“ ein neues Anflugverfahren am Frankfurter Flughafen getestet.

Blick auf die Steep Approach-Testmaschine Boeing 767 von Condor

Blick auf die Steep Approach-Testmaschine Boeing 767 von Condor
© Lars Kitschke

Der rechte Flügel einer Condor-767 in Anflugkonfiguration während des Steeper Approach-Tests am Frankfurter Flughafen.

Der rechte Flügel einer Condor-767 in Anflugkonfiguration während des Steeper Approach-Tests am Frankfurter Flughafen.
© Lars Kitschke

Die verantwortlichen Piloten des Steep Approach-Versuchs: Gunnar Schmidt, Leiter Flugbetrieb bei Condor (re.) und Frank Lumnitzer,Mitentwickler des Verfahrens (li.).

Die verantwortlichen Piloten des Steep Approach-Versuchs: Gunnar Schmidt, Leiter Flugbetrieb bei Condor (re.) und Frank Lumnitzer,Mitentwickler des Verfahrens (li.).
© Lars Kitschke

Gunnar Schmidt, Leiter Flugbetrieb bei Condor (li.) und Frank Lumnitzer,Mitentwickler des Verfahrens (re.) sitzen am 4.10.2013 im Cockpit der Boeing 767 von Condor.

Gunnar Schmidt, Leiter Flugbetrieb bei Condor (li.) und Frank Lumnitzer,Mitentwickler des Verfahrens (re.) sitzen am 4.10.2013 im Cockpit der Boeing 767 von Condor.
© Lars Kitschke

Dr. Bernd Korn, Projektverantwortlicher des Steep Approach beim DLR.

Dr. Bernd Korn, Projektverantwortlicher des Steep Approach beim DLR.
© Lars Kitschke

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Forum Flughafen & Region (FFR) und die deutsche Fluggesellschaft Condor haben jetzt im Rahmen des Forschungsprojektes „Steeper Approach“ ein neues Anflugverfahren am Frankfurter Flughafen getestet.

Das Projekt verfolgt das Ziel, Fluglärm am Boden zu verringern, indem die Flugzeuge beim Anflug länger in größeren Höhen verbleiben, um dann steiler zum Aufsetzpunkt zu sinken. Dann würden Flugzeuge den Flughafen mit bis zu 4,49 Grad, statt den bisherigen maximalen 3,2 Grad anfliegen. Der sich an das Steilsegment anschließende Endanflug, also das letzte Flugsegment vor der Landung, bleibt dabei operationell unverändert.

Für erste Messflüge stellte nun Condor am vergangenen Freitag eine Boeing 767 zur Verfügung.

Das DLR sieht im Steeper Approach ein effektives Potential zur aktiven Lärmminderung bei anfliegenden Flugzeugen, erklärte Dr. Bernd Korn, Projektverantwortlicher vom Institut für Flugführung des DLR auf dem Testflug gegenüber airliners.de.

Zur Messdatensammlung haben die Fraport AG und Umwelt- und Nachbarschaftshauses UNH Messsonden in der Ein- und Abflugschneise des Großflughafens installiert. Die verantwortlichen Piloten Gunnar Schmidt, Condor-Chefpilot und Frank Lumnitzer, einer der „Ziehväter“ des steileren Anflugverfahrens, haben bei dem ersten realen Test neun Anflüge auf die Landebahn 07L durchgeführt. Zwei „normale“ Anflüge dienten als Referenzmessungen und sieben Versuche wurden mit der „Steeper Approach“-Methode absolviert.

Wie in dem Video zu erkennen ist, fliegen Flugzeuge bislang nach dem sogenannten Intermediate Approach Fix (vorletzter flughafenabhängiger Fixkontrollpunkt vor der Landung) längere Zeit horizontal in einer Höhe von 5.000 Fuß über Grund. Nach dem Passieren des Final Approach Fixes, dem letzten fixen Kontrollpunkt vor der Landeschwelle, gehen die Maschinen dann knapp 27 Kilometer vor der Landebahn in einen Sinkflug über, der maximal 3,2 Grad beträgt. Dieser wird dann bis zur Landung konstant beibehalten. Doch genau diese Aufteilung soll durch das neue Anflugverfahren geändert werden.

So sollen die Flugzeuge nach dem neuen, steileren Anflugverfahren so lange wie möglich auf einer größeren Höhe von 8.000 Fuß verbleiben. Beim Steeper Approach auf den Frankfurter Flughafen würde ein Flugzeug dann diese Höhe etwa 32 Kilometer vor dem Flughafen verlassen und einen Gleitpfad von bis zu 4,49 Grad fliegen. Anschließend soll die Maschine ab einer Höhe von 1.500 Fuß den Drei-Grad-Gleitpfad etwa neun Kilometer vor der Schwelle erreichen. Während des steileren Abstiegs werden die Maschinen horizontal und vertikal geführt. Das soll über die Neudefinition der Wegpunkte realisiert werden.

Weniger Lärm am Boden, aber nicht überall

Man könne durch das neue Verfahren mit einer Lärmreduzierung um bis zu sechs Dezibel rechnen, so Kern. Die Lärmeinsparungen seien vor allem weiter entfernt vom Flughafen deutlich mess- und hörbar. Jedoch sinke die Lärmreduzierung mit der Nähe zum Flughafen und zum Boden. Erklärung: Gerade mit ausgefahrenen Klappen und Fahrwerk sowie dem Einsatz von Bremsklappen erzeugt das Flugzeug sehr viel, in dem Moment für den Steilanflug gewünschten, Widerstand. Jedoch steigert dieser erhöhte Widerstand die Lärmemissionen erheblich.

Schlussendlich bedeutet der neue Anflug also eine größere Lärmminderung in flughafenferneren Gemeinden, jedoch eine geringere in flughafennahen Gebieten.

Datensammlung für die Zulassung

Das Forschungsprojekt existiert nun effektiv seit dem Dezember 2012. Im Juni beziehungsweise Juli dieses Jahres haben Erprobungsversuche im Simulator stattgefunden. Anfangs entwickelte sich die Idee des steileren Anfluges aus der des Segmentierten Anfluges mit kontinuierlichem Abstieg (Segmented Continious Descent Approach).

Ein Nachteil liegt jedoch klar auf der Hand. Das Anflugverfahren kann nicht über alle Flugzeugtypen hinweg einheitlich gestaltet werden. Jedes Flugzeug bedarf einer speziell abgestimmten Landekonfiguration um das Anflugverfahren zu realisieren. So unterscheiden sich die Verfahren flugzeugabhängig hinsichtlich des aus- oder eingefahrenen Fahrwerks, dem Einsatz der Bremsklappen und der Landeklappenstellung.

Nach der Ausarbeitung von Anflugprofilvarianten und deren Evaluation mit Piloten von Tuifly, Air Berlin, Condor und der Lufthansa folgte unter Zuhilfenahme von Anflugprozeduren der Airlines und der entsprechenden Flugzeugausrüstung die finale Ausarbeitung von steileren Anflugprozeduren. Laut Angaben des DLR sind 25 Piloten mit einer Flugerfahrung von durchschnittlich 10.000 Flugstunden an dem Projekt beteiligt. Das Anflugverfahren wurde bislang mit den Flugzeugtypen

  • Boeing 737 Classic und NG, 757, 767
  • Airbus A320, A330/340 sowie A380 und
  • Bombardier Dash Q400

evaluiert und getestet.

Von: airliners.de
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Eine Lufthansa-Maschine über den Dächern von Flörsheim am Main (Hessen). Umweltbundesamt sieht Handlungsbedarf beim Fluglärm

    Der Fluglärmbericht des Umweltbundesamtes sieht Handlungsbedarf gegen den Krach am Himmel. Als mögliche Maßnahmen werden unter anderem Lärmkontingente vorgeschlagen. Der BDL kritisiert den Bericht.

    Vom 25.07.2017
  • Thomas Gaksch (Leiter Business-Segment Chemie, Linde AG), Nikolas Iwan (Geschäftsführer, H2 Mobility), Michael Garvens (Vorsitzender der Geschäftsführung, Flughafen Köln/Bonn GmbH), Burkhard Reuss (Direktor Kommunikation und Public Affairs, Total Deutschland GmbH), Thorsten Herbert (Bereichsleiter Verkehr und Infrastruktur, NOW GmbH). Wasserstofftankstelle am Flughafen Köln eröffnet

    Am Flughafen Köln/Bonn gibt es ab sofort eine Wasserstofftankstelle. Die neue H2-Station von Linde und Total ist die erste öffentliche Wasserstofftankstelle in Köln und eine von 50 Tankstellen für Brennstoffzellenfahrzeuge, die im Rahmen des geförderten Clean Energy Partnership (CEP) entstehen.

    Vom 18.10.2017
  • Der Lufthansa-Kranich an einer Aussenfassade auf dem Flughafen in Frankfurt am Main. Lufthansa beendet Kranichschutz-Engagement

    Die Lufthansa beendet ihr Engagement im Kranichschutz nach über einem Vierteljahrhundert. Nun benötigt das Kranichinformationszentrum bei Stralsund rund 3000 neue Fördermitglieder, um die Arbeit aufrecht zu halten.

    Vom 04.10.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Condor Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »