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Steht Alitalia endgültig vor dem Aus?

23.04.2008 - 11:36 0 Kommentare

Fünf Zeilen - so kurz und knapp war am Montagabend die Mitteilung von Air France-KLM, mit der die Gruppe ihr Übernahme- Angebot für Alitalia zurückgezogen hat. Die Offerte vom 14. März sei nicht mehr gültig, da die Bedingungen nicht erfüllt seien - so einfach und prägnant lässt sich die Begründung für die Absage von Air-France-Präsident Jean-Cyril Spinetta umreißen. Und während sich in Rom am Dienstag Politiker, Gewerkschafter und Unternehmensspitze gegenseitig die Schuld für die gescheiterten Verhandlungen in die Schuhe zu schieben versuchten, scheint die Lage für die marode Airline mittlerweile ziemlich aussichtslos.

«Addio Alitalia. Die Kehrtwende von Spinetta lässt die Regierung in Rom erstarren», titelte die Zeitung «La Stampa». Haben die Arbeitnehmervertretungen zu hoch gepokert mit ihrem Versuch, den von den Franzosen geplanten Stellenabbau zu vermeiden? Und wo ist das italienische Käufer-Konsortium, das der künftige Ministerpräsident Silvio Berlusconi noch vor wenigen Wochen so lauthals angekündigt hatte? Fragen gibt es viele, nur die Antworten lassen auf sich warten.

Ein Kommentator der römischen Zeitung «La Repubblica» brachte es auf den Punkt: «In diesem unglückseligen Land funktionieren die Dinge leider so. Aber im Rest Europas hat der Markt offensichtlich noch Regeln, feste Zeiten und Reaktionen.»

Fakt ist: Die Alitalia stand - zumindest bis zum Dienstagabend - vor leeren Kassen. Ein möglicher Konkurs schien noch nie so nah wie jetzt, nach dem Rückzug von Air France-KLM. Und so sah sich auch der scheidende Ministerpräsident Romano Prodi wenige Wochen vor seinem offiziellen Abtritt noch einmal in arger Bedrängnis - und berief prompt einen Ministerrat ein.

Bisher hatte er einen Überbrückungskredit, den Alitalia dringend zum Durchatmen braucht, stets von der Aussicht auf eine Einigung mit Air France abhängig gemacht. Als Sofortmaßnahme nach dem Treffen der Minister entschied die Regierung nun, der Gesellschaft dennoch eine Finanzspritze von 300 Millionen Euro zu gewähren, damit sie die nächsten Monate überleben und sich nach neuen Interessenten umsehen kann. «So wie es heute aussieht, muss Prodi jetzt den Kredit gewähren, um das heiße Eisen an Silvio Berlusconi weiterreichen zu können», hatte «La Repubblica» bereits am Morgen prophezeit.

Dabei war es gerade Berlusconi, der in den vergangenen Wochen immer wieder darauf gepocht hatte, Alitalia nicht an die französisch- niederländische Gruppe zu verkaufen. Er strebt für das Unternehmen eine «italienische Lösung» an, hatte zuletzt in Gesprächen mit dem scheidenden russischen Präsidenten Wladimir Putin aber auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, die Aeroflot erneut in die Gespräche einzubeziehen.

Der Mailänder «Corriere della Sera» berichtete am Dienstag, der Medien-Milliardär blicke aber jetzt - angesichts der prekären Lage - auch in Richtung Deutschland, in der Hoffnung, die Lufthansa oder ihre italienische Partnergesellschaft Air One ins Spiel zu bringen.

Aber die Zeit drängt. Und die Verluste von Alitalia werden immer dramatischer: «La Repubblica» rechnete vor, dass die Airline die Nation in den vergangenen 15 Jahren 15 Milliarden Euro gekostet habe, «270 Euro für jeden Bürger, Neugeborene eingeschlossen». Und auch den neuen Kredit muss Alitalia der Regierung bis zum 31. Dezember zurückzahlen. Um das «Begräbnis von Alitalia» noch abzuwenden, das von vielen bereits heraufbeschworen wird, scheint ein mittelgroßes Wunder nötig.

Von: Von Carola Frentzen, dpa
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