Gedankenflug

Startschuss für die Invasion der Sternenflotte

16.02.2017 - 12:24 0 Kommentare

Die Tarifeinigung in Sachen Pilotengehälter ist da - und mit ihr ein neues Zeitalter auf der Lufthansa-Langstrecke. Kommt jetzt die Invasion der Sternenflotte? Ein Gedankenflug von airliners.de-Herausgeber David Haße.

Airbus A340-300 der Lufthansa Cityline. - © © AirTeamImages.com - Felix Gottwald

Airbus A340-300 der Lufthansa Cityline. © AirTeamImages.com /Felix Gottwald

"Wo Lufthansa draufsteht, ist auch Lufthansa drin." Vereinfacht ausgedrückt lautet so eine uralte Regel im Konzerntarifvertrag der Lufthansa-Piloten. Sie ermöglicht ein konkurrenzloses Arbeiten in den Cockpits der Lufthansa-Flotte - bislang.

Seit einiger Zeit nämlich heben bereits acht Langstreckenflugzeuge aus der Lufthansa-Flotte unter anderen Bedingungen ab. Sie werden von der Lufthansa-Regionaltochter Cityline betrieben. In den Cockpits sitzen Piloten der Cityline, das Flugzeug gehört der Cityline und dennoch fliegen sie relativ unbemerkt für Lufthansa. Wie ist das möglich?

Ein kleiner, feiner Unterschied

Ganz einfach: Genau wie zahlreiche andere Maschinen in der Lufthansa-Flotte tragen die neu bemalten Cityline-Langstreckenflieger die allseits bekannte Marketing-Bemalung der Star Alliance. Es gibt nur einen kleinen, aber feinen Unterschied: Auf Cityline-Langstreckenflugzeugen fehlt der Lufthansa-Aufkleber unter den ersten paar Fenstern.

Derselbe Fotograf, dieselbe Stelle in Frankfurt, derselbe Tag, zwei Fotos, zwei Flugzeuge: Finden Sie die Unterschiede? Foto: © AirTeamImages.com, Carlos Enamorado

Im Zuge der Schlichtung um die Lufthansa-Pilotengehälter sollen nun immerhin 40 neue Flugzeuge "außerhalb des Konzerntarifvertrags" bereedert werden, wie Lufthansa mitgeteilt hat. Gut möglich also, dass bald noch mehr Star-Alliance-Flugzeuge für Lufthansa abheben. Im Wet-Lease, im Codeshare oder wie auch immer. Einzelheiten zu einer "alternativen Plattform zum Betrieb dieser Flugzeuge" sollen jetzt erarbeitet werden.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Lufthansa-Manager wirft Gründung einer neuen Airline in den Raum

Bumm, das hat gesessen. Die Piloten schäumen, die Flugbegleiter auch und die Lufthansa macht einfach weiter. Wie man sieht, muss sie dafür nicht einmal eine neue Marke etablieren. Die Passagiere merken ja gar nichts von den Veränderungen. In der Kabine und sogar von außen betrachtet fällt der Unterschied zur restlichen Lufthansa-Flotte nicht weiter auf.

Damit ist der Lufthansa auf recht einfache und kreative Art gelungen, die Tarifbindung in den Lufthansa-Langstreckencockpits zu umgehen. Bald stehen die ersten neuen Boeing 777X zur Auslieferung an, schon vorher gibt es noch einige A350 zu verteilen. Bereiten wir uns also gedanklich vor - auf neue Streiks und auf die Invasion der Sternenflotte.

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
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