Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen zu Germanwings-Absturz ein

09.01.2017 - 16:15 0 Kommentare

Außer dem Co-Piloten trifft niemanden eine Schuld an dem Absturz des Germanwings-Fluges 4U9525. Zu diesem Schluss kommt die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft. Darum hat sie die Ermittlungen in dem Fall eingestellt.

Eine Gedenktafel erinnert vor der Germanwings-Zentrale in Köln an die Opfer des Absturzes. - © © dpa - Henning Kaiser

Eine Gedenktafel erinnert vor der Germanwings-Zentrale in Köln an die Opfer des Absturzes. © dpa /Henning Kaiser

Die Staatsanwaltschaft wird keine Anklage wegen des Germanwings-Absturzes mit 150 Toten erheben. Es gebe keine Hinweise darauf, dass andere Menschen außer dem Co-Piloten eine Schuld treffe, sagte ein Sprecher der für den Fall zuständigen Staatsanwaltschaft jetzt in Düsseldorf. Das sogenannte Todesermittlungsverfahren sei eingestellt worden. Damit sind die Untersuchungen der deutschen Justiz zu dem Absturz beendet.

"Die Ermittlungen haben keinen zureichenden, tatsächlichen Anhaltspunkt für ein Fremdverschulden einer noch lebenden Person im Zusammenhang mit dem Germanwings-Absturz ergeben", sagte der Behördensprecher. Die Maschine war am 24. März 2015 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. Nach Überzeugung der französischen Ermittler hatte der Co-Pilot die Maschine absichtlich gegen den Berg esteuert. Alle Insassen starben.

Im Raum stand die Möglichkeit, dass Ärzte, Kollegen oder auch Angehörige in den Monaten vor der Tat etwas von Suizidabsichten des Piloten mitbekommen haben könnten, der 2009 bereits einmal wegen Depressionen in Behandlung war. Den Ermittlern zufolge war dies allerdings nicht der Fall. Nach Abschluss der Behandlung 2009 hatte es bis zur letzten Tauglichkeitsuntersuchung 2014 zunächst keine Hinweise auf psychische Erkrankung gegeben.

© dpa, Paul Zinken Lesen Sie auch: "Herr Giemulla, wie kann man an Unglücken etwas Konstruktives finden?"

In den Monaten direkt vor dem Absturz war der Mann demnach zwar wegen psychischer Leiden bei Ärzten gewesen, es wurde allerdings keine Depression diagnostiziert. Dem Ergebnis der Untersuchungen zufolge habe er "weder gegenüber seinen behandelnden Ärzten noch gegenüber Personen aus seinem persönlichen Umfeld Suizidgedanken geäußert", betonte der Sprecher.

Es habe daher auch für niemanden Veranlassung dazu bestanden, Strafanzeige zu erstatten oder den Arbeitgeber oder die Aufsichtsbehörden zu informieren. Auch die Fluggesellschaft Germanwings hatte seinen Angaben nach keinerlei Kenntnisse von psychischen Erkrankungen.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, dass die Ermittlungen unmittelbar vor dem Abschluss stehen und eingestellt werden. Nach WDR-Informationen hatte die Staatsanwaltschaft in den vergangenen Tagen zahlreiche Beweisanträge zurückgewiesen, die die Anwälte von mehr als 50 Opferfamilien gestellt hatten. Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft kann noch angegriffen werden - über Dienstaufsichtsbeschwerden oder ein Klageerzwingungsverfahren.

Klage in USA eingereicht

Anwälte von Opferfamilien versuchen mit einer Zivilklage in den USA, höhere Entschädigungssummen des Lufthansa-Konzerns zu erzwingen. Die angebotenen Summen hatten sie als unzureichend zurückgewiesen.

Der Berliner Opferanwalt Elmar Giemulla zeigte sich mit der Entscheidung der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft unzufrieden: Wenn ein psychisch kranker Pilot in einem Cockpit sitze, "muss etwas falsch gelaufen sein, und das muss aufgeklärt werden", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Die Angehörigen erwarteten Klarheit.

Von: ch, AFP, dpa
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