Staatsanwalt macht Airbus-Crew für Absturz verantwortlich

30.06.2010 - 15:52 0 Kommentare

Die Staatsanwaltschaft, die den Absturz eines Airbus A320 vor der südfranzösischen Küste im Jahr 2008 untersucht, hat die Besatzung für das Unglück verantwortlich gemacht. Demnach verlor der Pilot nach einem Testflugmanöver die Kontrolle, weil dieses "unter unangemessenen Bedingungen" durchgeführt wurde.

Flugbahn der Ungl - © © BEA -

Flugbahn der Ungl © BEA

Der Absturz eines Airbus im Mittelmeer im November 2008 ist Justizgutachtern zufolge auf einen Fehler der Besatzung zurückzuführen, die bei zu niedriger Flughöhe ein Testmanöver ausführte. Das Manöver sei "unter unangemessenen Bedingungen" erfolgt, erklärte die Staatsanwaltschaft am Dienstag im südfranzösischen Perpignan.

Demnach verlor die Besatzung bei dem Testflug die Kontrolle über die Maschine, die von einem deutschen Piloten geflogen wurde. Bei dem Absturz des Airbus A320 waren alle sieben Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen.

Die deutsche Ferienfluggesellschaft XL Airways Germany hatte die Maschine zuvor von der neuseeländischen Air New Zealand gemietet und wollte sie nach dem Testflug zurückgeben. Das Flugzeug war dazu bei dem Unternehmen EAS Industries in Perpignan gewartet worden.

Aus dem Gutachten ging auch hervor, dass zwei von drei Sonden, über die der Anstellwinkel des Flugzeuges erfasst wird, bei dem Flug nicht funktionierten. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sind Wartungs- oder Technikprobleme aber nicht die Ursache des Absturzes gewesen. Sie wollte allerdings auch nicht ausschließen, dass die Sonden aufgrund von kurz zuvor erfolgten Reinigungsarbeiten blockiert haben könnten.

Die Staatsanwaltschaft will nach jetzigem Stand aber keine Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung einleiten. Die Familien der Opfer haben nun drei Monate Zeit, um mögliche Gegengutachten einzuholen.

Die französische Luftfahrtbehörde hatte schon im Februar 2009 nach Auswertung der Flugschreiber erklärt, der deutsche Pilot habe auf Drängen eines neuseeländischen Kollegen einen „Low Speed Test“ eingeleitet, obwohl die Maschine dafür bereits zu niedrig geflogen sei.

Demnach bremste das Flugzeug binnen einer halben Minute von 136 auf 99 Knoten (von 250 auf 180 Stundenkilometer) bis zur Stall-Warnung in kompletter Landekonfiguration ab. Nach dem Test versuchte die Crew, den Strömungsabriss abzufangen, was zunächst auch gelang. Danach aber zog die Maschine stark nach oben, bis sie in knapp 3.800 Fuß Höhe mit einem Anstellwinkel von 57 Grad und weniger als 40 Knoten Geschwindigkeit nach rechts abkippte und wenige Sekunden später mit einer Geschwindigkeit von 236 Knoten auf dem Meer aufschlug. Das Manöver hätte eigentlich auf 14.000 Fuß Höhe (knapp 4.300 Meter) erfolgen sollen, fand aber nur bei 4.000 Fuß statt.

Von: AFP, airliners.de
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