Staatliche Investoren wollen Alitalia nicht

19.09.2018 - 15:07 0 Kommentare

Nach dem Plan Alitalia zu verstaatlichen springen die potenziellen Retter nach und nach ab. Gleichzeitig bringt die Regierung immer neue Partner ins Spiel. Bei der Lufthansa wartet man wohl ab.

Alitalia steht zum Verkauf.

Alitalia steht zum Verkauf.
© ANSA/dpa - Ettore Ferrari

Eine Alitalia-Maschine auf dem Flughafen Mailand

Eine Alitalia-Maschine auf dem Flughafen Mailand
© Antonio Calanni/AP/dpa - Antonio Calanni

Die populistische Regierung Italiens überrascht mit immer neuen Plänen zur Rettung von Alitalia. Noch im August forderte Rom eine "rein italienische Lösung" für den kriselnden Flagcarrier. Dabei sollten die italienische Post, die staatliche Eisenbahn und die staatliche Investitionsbank zusammen 100 Prozent der Krisen-Airline übernehmen.

Doch laut italienischer Medien erteilte nun die italienische Post diesem Plan eine Abfuhr. So sagte Konzernchef Matteo Del Fante, dass die Post keinerlei Interesse an einer Alitalia-Beteiligung habe. Zudem habe sein Unternehmen von den Plänen der Regierung lediglich aus der Zeitung erfahren.

Hohe Leasing-Raten

Laut einer Analyse der "Corriere della Sera" bezahlt Alitalia monatlich rund 23 Millionen Euro an Leasingraten. Aktuell betreibt die Airline eine Flotte von 118 Maschinen wovon 77 geleast sind. Die Kosten für die 42 Kurz- und Mittelstreckenjets sowie der 19 Langstreckenjets liegen bei jeweils rund 10 Millionen Euro. Rund 3,4 Millionen Euro zahlt die Airline für ihre 16 Embraer-Regionaljets. Die Maschinen wurden vor fast einem Vierteljahrhundert gebaut, aber Alitalia bezahlt dafür, als wären sie neu, analysiert die Zeitung.

Auch die staatliche Investitionsbank wird keine Anteile an der Airline übernehmen, da ihre Statuten keine Investitionen in insolvente Unternehmen zulassen. Verblieben ist somit die staatliche italienische Eisenbahn. Deren CEO, Gianfranco Battisti, zeigte sich am Rand einer Messe in Berlin offen für Gespräche. "Man sei bereit Alitalia zu bewerten", zitiert "La Repubblica".

Neue strategische Partner

Gleichzeitig bringt Verkehrsminister Danilo Toninelli US-Industrieriese Boeing als strategischen Partner ins Spiel. Boeing sei sicherlich ein Partner für Alitalia, sagte der Minister gegenüber der Presse.

Man muss bedenken, dass Boeing Flugzeuge baut und wir viele Flugzeuge brauchen.

Danilo Toninelli, Verkehrsminister von Italien

Laut "Corriere della Sera" hätten verschiedenen US-Medien berichtet, dass Boeing kein Interesse über die bestehenden Verträge hinaus hätte. Der Lufthansa nimmt man in Rom offenbar übel, dass sie sich nach den vorgestellten Plänen zur "rein italienischen Lösung" zurückgezogen habe.

Toninelli sagte, dass er den Kranich nicht mehr zu den strategisch wichtigsten Partnern zähle. "Corriere della Sera" berichtet weiter, dass es sich dabei nur um einen vorübergehenden Stopp handeln würde. Laut anonymen Quellen gehe man bei Lufthansa davon aus, dass Alitalia in Kürze wieder auf den Markt kommen werde.

Von: br
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