Spürhunde finden in Flugzeugen winzige Bettwanzen

18.04.2016 - 12:25 0 Kommentare

Sprengstoff und Rauschgift, Geld und Kaviar, Elfenbein und Schimmel - für Spürhunde alles kein Problem. Sogar Bettwanzen können die ausgebildeten Tiere finden. Sie kommen auch am Flughafen Frankfurt zum Einsatz.

Ein Bettwanzen-Spürhund im Einsatz. - © © Fraport AG -

Ein Bettwanzen-Spürhund im Einsatz. © Fraport AG

Cora steckt ihre Nase in jede Nische und schnüffelt an jeder Ritze in der Boeing 747. Nach rund 50 Sitzen braucht die Altdeutsche Schäferhündin eine Pause. Wann Cora die Lust an ihrer anstrengenden Arbeit verliert, merkt Larry Hansen vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport ganz genau.

Er ist der Hundeführer der Bettwanzen-Spürhündin und ein Pionier auf diesem Feld in Europa. Bettwanzen erobern weltweit Hotels, Wohnungen und Verkehrsmittel - denn die winzigen Blutsauger reisen als blinde Passagiere in Koffern, Kleidern und Kisten um den Globus.

Hansen hat bei der Hundestaffel der Fraport viele Jahre Erfahrung mit Sprengstoff-Spürhunden gesammelt. Als sein Hund in Rente ging und der Bedarf an diesen Spürnasen am größten deutschen Flughafen mehr von der Polizei übernommen wurde, kam er auf die Idee mit den Bettwanzen. "In den USA gab es solche Hunde schon", erzählt der Hundeliebhaber. Kurzerhand machte er in Florida den Ausbilderschein. Eine Anfrage bei Fluggesellschaften und Hotels ergab: "Der Bedarf ist da."

Bettwanzen sind wenige Millimeter große Insekten - und seit Jahren auf dem Vormarsch. Besonders verbreitet sind die nachtaktiven Sechsbeiner nach Einschätzung von Fachleuten in den USA, Kanada und Australien. Laut Fraport können die Schädlinge bis zu einem Jahr ohne Nahrung auskommen und sind inzwischen gegen viele Bekämpfungsmittel resistent.

Das Team kommt mit den Aufträgen kaum hinterher

Das Geschäft im Kampf gegen die kleinen Tierchen wächst. Der Geschäftsführer des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbands, Andreas Beckmann, sagt: "Wir haben zunehmende Einsätze mit steiler Verlaufskurve." Hansens Team bekommt gut ein Jahr nach dem Start so viele Anfragen von Fluggesellschaften und Hotels, dass es mit seinen inzwischen drei Bettwanzen-Spürhunden nicht mehr nachkommt.

"Wir hoffen, dass das wieder besser wird, wenn wir die Ausbildung unseres vierten Hundes abgeschlossen haben", sagt Hansen. Vier bis sechs Monate dauert die Ausbildung für Mensch und Tier - bei täglichem Training. Kosten: etwa 10.000 Euro.

Schädlingsbekämpfer Beckmann beschreibt die Vorteile der tierischen Schädlingsbekämpfer gegenüber dem Menschen so: "Wir brauchen deutlich länger." Zudem müssten Kammerjäger bei ihrer Suche etwa Teppiche rausreißen und Fußleisten abmontieren.

Die Spürhunde schaffen bis zu drei Flugzeuge am Tag

Ein bis drei Flugzeuge schaffen Hansens Bettwanzen-Spürhunde pro Tag. In den Maschinen werden die Hunde jedoch nur ganz selten fündig: "Die Airlines machen das präventiv, damit sie kein Problem bekommen", sagt Hansen. Vor allem in Flugzeugen aus Nordamerika und Kanada ließen einige nach den Blutsaugern suchen. "Wenn sich was im Sitzbezug findet, brauchen sie nur den Bezug auszutauschen."

Als Schäferhündin Cora nach ihrem Einsatz in der Boeing 747 aus Kanada Pause macht, übernehmen Jack, ein Australischer Cattle Dog, und Hundeführerin Manzano. Sie finden jedoch nichts. Damit die Hunde motiviert bleiben und trotzdem Erfolgserlebnisse haben, verstecken ihre Führer zum Schluss für jedes Tier ein Röhrchen mit selbstgezüchteten Bettwanzen. Beide Hunde zeigen an. Zur Belohnung wird gespielt.

Von: ch, dpa
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