Spohrs Pläne für Air Berlin

12.10.2017 - 12:14 0 Kommentare

Es ist offiziell: Lufthansa übernimmt große Teile der Air Berlin. Kranich-Chef Spohr skizziert nun seine weiteren Pläne für Billigtochter Eurowings. Außerdem spricht er über mehr Einfluss am Flughafen Düsseldorf und die Personalie Winkelmann.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. - © © dpa -

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. © dpa

Die Lufthansa übernimmt den größten Teil der Air Berlin. Die insolventen Fluggesellschaft erhält nach eigenen Angaben etwa 210 Millionen Euro als Kaufpreis. Der Vertrag soll noch am Donnerstag unterschrieben werden, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr ankündigte.

Laut eines Briefs des Air-Berlin-Managements an die Mitarbeiter, der airliners.de vorliegt, kauft Lufthansa die Air-Berlin-Tochtergesellschaften Luftverkehrsgesellschaft Walter (LGW) und die österreichische Ferienfluggesellschaft Niki. Das sichere die Arbeitsplätze bei den zwei Airlines und eröffne darüber hinaus "Perspektiven für mehrere tausend airberliner", wie es heißt.

Der Aufsichtsrat der insolventen Fluggesellschaft hat dem Verkauf demnach bereits am Mittwoch zugestimmt, wie das Management weiter mitteilt. Die Transaktion stehe aber noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch den Gläubigerausschuss, den Sachwalter im Insolvenzverfahren der Air Berlin sowie der europäischen Wettbewerbsbehörde in Brüssel.

Zugriff auf 81 Flugzeuge und die Slots von LGW und Niki

Mit im Paket sind vor allem tausende Slots - und zwar die der erworbenen Flugbetriebe LGW und Niki. Air-Berlin-Slots gehören nicht zum Paket, wie airliners.de aus Unternehmenskreisen erfuhr. Die aktuell von Air Berlin für Eurowings durchgeführten Flüge sollen zukünftig von LGW durchgeführt werden. Flüge unter AB-Flugnummer werden ab dem Winter nicht mehr bedient.

Zudem sichert sich die Lufthansa mit dem Deal den Zugriff auf insgesamt 81 Flugzeuge. Die Flugzeuge kauft Lufthansa allerdings nicht bei Air Berlin, denn sie gehören der insolventen Airline nicht. Stattdessen hat sich Lufthansa mit den Leasingfirmen geeinigt und sich dafür bereits rund eine Milliarde Euro vom Aufsichtsrat genehmigen lassen.

Im Detail übernimmt Lufthansa 20 Bombardier Q400-Flugzeuge, die bislang bei LGW im Einsatz waren, 21 Maschinen der A320-Familie von Niki und 28 weitere Airbus A320 aus der Air-Berlin-Flotte. 15 davon fliegen bereits im Wet-Lease für die Lufthansa. Für fünf weitere hat der Kranich Kaufoptionen. Von den 14 Boeing 737, die aktuell von Tuifly für Niki betrieben werden, will Lufthansa sieben weiter beschäftigen.

Verhandlungen mit Easyjet

Neben Lufthansa verhandelt Air Berlin aktuell auch mit Billigflieger Easyjet über einen Teilverkauf. Es geht um den Zugriff auf etwa 30 Maschinen samt Slots des insolventen Carriers. Die Gespräche stocken allerdings laut eines Medienberichts, da Easyjet weniger als die gebotenen 50 Millionen Euro bezahlen möchte. Air Berlin teilte am Donnerstag mit, dass man mit den Briten noch weiter verhandeln würde.

Foto: © Flughafen Köln/Bonn

Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist dennoch nicht "zum Jubeln zumute", sagte der Konzernchef vorab in Interviews mit "Rheinischer Post" und dem "Handelsblatt": "Ich freue mich über den Wachstumsschub bei Eurowings."

Dass die Bundesregierung mit ihrem millionenschweren Überbrückungskredit ein Grounding verhindert hatte, sieht Spohr nicht als entscheidenden Wert für das Slot-Paket. Denn: "Im Falle eines Groundings von Air Berlin hätten uns nach dem EU-Verteilungsverfahren für die Vergabe von Start- und Landerechten ähnlich viele Slots zugestanden."

Den Zeitplan gibt Spohr auch direkt vor: "Wir rechnen damit, dass die EU bis zu drei Monate braucht, um den Kauf kartellrechtlich zu überprüfen." Insgesamt könne es aber bis zu einem Jahr dauern, bis die Integration vollständig umgesetzt ist. "Wir werden dutzende bisher geleaste Jets kaufen und neu lackieren, und wir wollen 3000 Mitarbeiter einstellen. Das geht nicht von heute auf morgen." Viele müssen sich dabei allerdings neu bewerben.

Engagement am Flughafen Düsseldorf

Allein in NRW wird die Lufthansa Gruppe um 1500 Stellen auf insgesamt 6500 Arbeitsplätze wachsen. Denn gerade das Engagement der Billigtochter Eurowings am Flughafen Düsseldorf wird immens ausgeweitet. Spohr spricht davon, dass man über 50 Prozent Marktanteil am NRW-Airport haben wird. "Wir freuen uns auf unsere neue Rolle als Heimat-Carrier in 'DUS'."

Die Langstreckenflotte der Eurowings soll um drei weitere Jets auf zehn ausgebaut werden: "Wir haben aber noch nicht entschieden, wie viele davon perspektivisch nach Düsseldorf kommen." Auch soll die Route nach Newark bei New York, die bislang von Lufthansa geflogen wird, "voraussichtlich 2019" in das Portfolio der Eurowings übergehen. Und:

Wir planen eine Business-Class für Geschäftsreisende ab Düsseldorf für die Eurowings-Langstrecke.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Verbunden damit wolle man auch mehr Engagement an der Gestaltung des Flughafens übernehmen. Denn die beste Qualität entstünde dort, wo Flughafen und Heimat-Carrier eine enge Kooperation eingingen, so Spohr mit Verweis auf das Satellitenterminal am Lufthansa-Hub München. "In Düsseldorf stehen wir erst am Anfang der Gespräche über eine engere Zusammenarbeit. Ich möchte dabei keine Variante einer vertieften Kooperation ausschließen. Tatsache ist, dass wir den halben Flughafen künftig für uns nutzen - also möchten wir auch mitgestalten."

Spohr fordert globale Sichtweise

Dass die Nummer eins des deutschen Markts die ehemalige Nummer zwei schluckt, sieht Spohr dagegen nicht problematisch: "Für mich ist entscheidend, dass wir auch in Europa weltweit bedeutende Airlines haben. Es gibt jeweils drei starke Anbieter in China, den USA und vom Persischen Golf. Wir brauchen auch drei starke Europäer."

© AirTeamImages.com - Europix, Lesen Sie auch: Brussels und Air Berlin schieben den Kranich an

Bei der kartellrechtlichen Betrachtung müsse nicht allein auf Europa geguckt, sondern die starke Fragmentierung des weltweiten Luftverkehrsmarktes berücksichtigt werden: "Wenn ein Marktführer nur auf drei Prozent Marktanteil kommt, kann man nicht von Marktdominanz sprechen", sagte er. Innerdeutsch würde auf einigen Strecken durchaus ein Monopol entstehen.

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Auf diesen Air-Berlin-Strecken droht ein Lufthansa-Monopol Analyse

Luftverkehrsberater Gerald Wissel geht davon aus, dass Lufthansa Start- und Landerechte auf einzelnen Verbindungen wird an Konkurrenten abgeben müssen. Durchaus nachteilig für die Lufthansa könnte sich ein Abwinken des zweiten Bieters Easyjet auswirken. "Falls Easyjet aussteigt, wird die kartellrechtliche Genehmigung für Lufthansa noch schwieriger zu bekommen sein", sagte Wissel.

Auch Anwalt Gramsch sieht zusätzliche Probleme, weil die EU-Kommission letztlich immer den Gesamtmarkt im Blick haben müsse. "Das Wegfallen eines weiteren Bieters ist schlecht für die Marktstruktur." Er rechne mit einem halben Jahr Verfahrensdauer.

Die Personalie Winkelmann

Eine Rückkehr des Air-Berlin-Chefs und ehemaligen Germanwings-Managers Thomas Winkelmann zur Lufthansa schließt Spohr hingegen aktuell aus: "Es war seine eigene Entscheidung zu Air Berlin zu wechseln. Er hat keine Rückfahrkarte."

Foto: © dpa Alban Grosdidier

© Air Berlin, Lesen Sie auch: Lufthansa-Zuschlag bedroht Zukunft der Air Berlin Technik

Von: cs, dh
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Flugzeuge am Köln/Bonn Airport. Easyjet will Angebot für Air-Berlin-Anteile stutzen

    Eigentlich sollen in dieser Woche die Verhandlungen von Air Berlin mit Lufthansa und Easyjet abgeschlossen werden. Doch dass es zu einem unterschriftsreifen Vertrag mit dem britischen Billigflieger kommt, scheint unwahrscheinlich.

    Vom 09.10.2017
  • Triebwerkswartung bei der Air Berlin Technik. Münchner Standort von Air Berlin Technik vor dem Aus

    Die Übernahme der Air Berlin Technik durch Nayak und Zeitfracht ist besiegelt, doch ein internes Papier zeigt, dass den Beschäftigten empfindliche Einschnitte bevorstehen. Einer der drei Standorte soll demnach komplett geschlossen werden. Die Planung im Detail.

    Vom 30.11.2017
  • Schild des Bundeskartellamts in Bonn: Kommt eine zweite Prüfung für die Lufthansa? Bundeskartellamt nimmt Lufthansa ins Visier

    Während die Lufthansa noch auf die Genehmigung der EU-Kommission zur Übernahme der Air-Berlin-Töchter LGW und Niki wartet, schlägt ihr in Deutschland Unmut über die gestiegenen Flugpreise entgegen. Ihr Chef gelobt Besserung. In der Rhetorik des Bundeskartellamt ist nun aber eine neue Schärfe zu erkennen.

    Vom 24.11.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Air Berlin Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »