Spohr fordert neue Tegel-Debatte

16.01.2019 - 12:49 0 Kommentare

Berlins Flughafenchef Lütke Daldrup verspricht ausreichend Kapazitäten, wenn Tegel sechs Monate nach BER-Eröffnung schließt. Lufthansa-Chef Spohr bezweifelt das und fordert eine Neubewertung der Tegel-Frage.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. - © © dpa - Daniel Bockwoldt

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. © dpa /Daniel Bockwoldt

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat eine neue Debatte über den Weiterbetrieb des Berliner Flughafens Tegel gefordert. "Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung des Luftverkehrs müssen wir die Frage nach der Offenhaltung von Tegel neu bewerten", sagte der CEO laut "Bild" beim Neujahrskonzert des Konzerns am Dienstagabend in Berlin. Tegel soll im Frühjahr 2021 geschlossen werden.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup stellte jüngst im Interview mit airliners.de klar, dass die Kombination aus Hauptterminal ("T1") am BER und dem jetzigen Flughafen Schönefeld ("T5" des BER) genügend Kapazitäten stelle, um Tegel komplett abzufangen. Spohr stellte das nun klar in Frage: "Das Wachstum im Luftverkehr wird weitergehen. Wir können heute noch nicht beurteilen, ob und wie der neue BER und die umgebene Infrastruktur dieses Wachstum überhaupt aufnehmen kann."

Tegel hat viele Befürworter

Bislang hatte sich Spohr nicht öffentlich gegen die Pläne zur Schließung Tegels gestellt. Im Januar 2017 sagte er in einem Interview: "Die Erfahrung hat gezeigt, dass es für alle Beteiligten effizienter ist, wenn sich das gesamte Fluggeschehen an einem Ort abspielt."

Airlines in Tegel
Angaben in Prozent
Easyjet 29.3
Lufthansa 15.9
Eurowings 15.9
Swiss 3.4
British
Airways
3.4
Lauda
Motion
2.9
KLM 2.7
Air France 2.6
Austrian
Airlines
2.4
Turkish
Airlines
2.2
Übrige
Airlines
19.3

Die Grafik zeigt die prozentuale Verteilung der von verschiedenen Fluggesellschaften angebotenen Sitzplatzkapazitäten ab Berlin-Tegel im laufenden Winterflugplan. "Übrige Airlines" sind jene mit jeweils weniger als zwei Prozent Anteil. Angaben gerundet. Quelle: ch-Aviation

Klar für einen Weiterbetrieb des Cityairports ausgesprochen haben sich neben der Mehrheit der Berliner Bürger in einem Volksentscheid bislang unter anderem auch die beiden Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Andreas Scheuer, Ryanair sowie die FDP. Daneben hat DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle öffentlich seine Sympathie für Tegel betont.

Flughafenchef: Weiterbetrieb ausgeschlossen

Tegel soll sechs Monate nachdem der neue Hauptstadtflughafen BER den Betrieb aufgenommen hat, schließen. Ursprünglich sollte das bereits 2011 geschehen, die BER-Eröffnung verzögerte sich aber durch technische Mängel und Pfusch am Bau. Nach mehreren Verschiebungen ist die Inbetriebnahme des neuen Airports nun für Oktober 2020 geplant.

Lütke Daldrup schließt einen Weiterbetrieb Tegels rechtlich aus. Denn der Planfeststellungsbescheid für den Berlin/Brandenburg-Single-Airport sei 1996 nur unter der Bedingung des Tegel-Endes genehmigt worden - es bräuchte ein neues Verfahren: "Tegel müsste also so oder so erst einmal für Jahre geschlossen werden."

Das hat vor allem Lärmschutzgründe. Denn vom Flughafen Tegel sind laut Lütke Daldrup 300.000 Anwohner von Fluglärm betroffen. Am BER kämen noch einmal 26.000 hinzu. Das Gericht habe damals abgewogen, dass ein "stadtnaher Standort wie Schönefeld nur gewählt werden kann, wenn der bisherige Cityairport geschlossen wird".

Denn andernfalls wären insgesamt knapp 330.000 Menschen durch startende sowie landende Flugzeuge gestört. Dies wären "nach letztinstanzlicher Entscheidung unverhältnismäßig viele. Ansonsten wäre der Berliner Flughafen so weit von der City entfernt wie der Airport in München."

Von: cs
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