Spohr: "Lufthansa Group läuft auf Überlast"

29.08.2018 - 11:30 0 Kommentare

Lufthansa-Chef Spohr räumt erstmals eine Mitschuld an den massiven Flugstörungen ein, verweist aber gleichzeitig auf größere Probleme. Und fordert eine gemeinsame Lösung.

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG. - © © dpa - Arne Dedert

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG. © dpa /Arne Dedert

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat eine Mitschuld an den zahlreichen Störungen im deutschen und europäischen Flugverkehr in diesem Sommer eingeräumt. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" sagte Spohr am Rande einer Veranstaltung in Frankfurt: "Die Passagiere erleben einen Sommer geprägt von Verspätungen, Ausfällen und Ärgernissen. Wir wollen das nicht unter den Teppich kehren, wir haben einen großen Anteil daran. Wir müssen ehrlich zugeben, dass wir im 110-Prozent-Modus arbeiten. Das Unternehmen läuft auf Überlast."

© AirTeamImages.com, Alun Morris Jones Lesen Sie auch: Eurowings übernimmt letzten Air-Berlin-Jet

Die Hauptlast liegt auf der eigenen Billigmarke Eurowings. Der Low-Coster hatte nach der Pleite der Konkurrentin Air Berlin den Auftrag erhalten, die hinterlassene Lücke schnellstmöglich zu schließen. Dabei habe man "den einen oder anderen Fehler gemacht", gab der Lufthansa-Chef jetzt zu. Gleichzeitig verteidigt Spohr die Entscheidung und verweist auf die historische Chance, die man habe nutzen müssen.

Probleme größer als Eurowings

Neben den eigenen Fehlern beklagt Spohr auch infrastrukturelle Probleme. So fehle es an Kapazitäten bei der europäischen Flugsicherung und auch die Infrastruktur der Flughäfen sei nicht ausreichend. Im Speziellen gehe es um die ineffizienten Sicherheitschecks und Grenzkontrollen. "Wir kämpfen alle mit den gleichen Problemen - es fehlt Personal." Und "alle haben verstanden, so kann es nicht weitergehen", so der oberste Lufthanseat.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will im Herbst einen Luftfahrtgipfel veranstalten. Dort sollen die Probleme erörtert und Lösungen gefunden werden. Voraussichtlich findet der Gipfel am 5. Oktober in Hamburg statt. Neben Carsten Spohr sollen auch die Chefs von Easyjet und Ryanair teilnehmen.

Starts und Landungen begrenzen

Bereits Anfang August nahm Spohr die deutschen Flughäfen in die Pflicht. Einige Airports seien mit der Zahl der Flüge überfordert, sagte er damals gegenüber der "Bild"-Zeitung. Als Lösung schlug er vor, "die Anzahl der Starts und Landungen an überlasteten Flughäfen zu verringern oder zumindest nicht weiter zu steigern".

Auch die bisherigen Slot-Vergaberegularien stellt Spohr in Frage. Wenn Fluggesellschaften ihre zugeteilten Slots zu 80 Prozent nutzen, erhalten sie die Slots in der nächsten Flugplanperiode wieder. Daher fliege jeder die Slots irgendwie zu 80 Prozent, ob das sinnvoll ist oder nicht, so Spohr. Das System werde dadurch unnötig belastet.

© dpa, Sven Hoppe Lesen Sie auch: Spohr nimmt Flughäfen in die Pflicht

Von: br
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus