Zum Geburtstag ein Sprung über den Schatten

16.12.2016 - 14:37 0 Kommentare

Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist zu seinem Geburtstag ein Kunststück gelungen: Er ist über den Golfcarrier-Schatten gesprungen. Not macht erfinderisch, kommentiert airliners.de-Herausgeber David Haße. Mal schauen, wer als nächstes hüpft.

Der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Carsten Spohr. - © © dpa - Fredrik von Erichsen

Der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Carsten Spohr. © dpa /Fredrik von Erichsen

Zu seinem 50. Geburtstag hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Freitag zwei super Geschenke bekommen: eine Schlichtung mit den Piloten und den Zugriff auf drei Dutzend Flugzeuge von Air Berlin. Herzlichen Glückwunsch, was für ein Tag! Da kann man auch mal über den eigenen Schatten springen.

Genau das hat Spohr heute getan. Nicht viel weniger als ein unmöglich erscheinendes, über sich sebst hinauswachsendes Kunststück ist ihm gelungen. Denn was gestern noch undenkbar schien, ist heute Realität: Ein Codesharing mit Etihad, der "schlimmsten" aller Golf-Airlines - jedenfalls nach bisheriger Lufthansa-Argumentation.

Milliarden-Subventionen, soziale Missstände, unfairste Wettbewerbsbedingungen. All das ist nun vergessen oder verdrängt. Etihad-Codeshares aus Deutschland haben Anfang des Jahres noch die Richter beschäftigt. Aber egal: Was gestern war ist irrelevant, die Zukunft ist morgen.

Darum ist der jetzt eingeschlagene Weg weg von der Marktabschottung richtig. Lufthansa kann sich das nicht mehr länger leisten. Das Theater darum: Schlecht für den Luftverkehrsstandort Deutschland.

© airliners.de, Gunnar Kruse Lesen Sie auch: Mehr Schutz für europäische Airlines vor Konkurrenz

Dürfte ich heute die Geburtstags-Laudatio halten, ich würde mich wohl an Sprichworten entlanghangeln: Der Zweck heiligt die Mittel? Nein. Ich würde es positiver ausdrücken: Wenn Du einen Feind nicht besiegen kannst, dann mache ihn Dir zum Freund.

Lufthansa macht ohnehin nur, was andere westliche Airlines schon lange tun: Sie kooperiert. Air France/KLM fliegt bereits seit Jahren im Codeshare mit Etihad und Qatar Airways ist an der IAG beteiligt. Qantas hat sogar Dank einer intensiven Zusammenarbeit mit Emirates den finanziellen Turnaround geschafft. Not macht eben erfinderisch.

Was folgt nun? Welche Lufthansa-Langstrecken bekommen bald einen EY-Code? Und wird es irgendwann sogar LH-Codes auf weiteren Etihad-Flügen aus Abu Dhabi in die Welt geben? Und was bedeutet es eigentlich für die Lufthansa-Beschäftigten, die großen Lufthansa-Hubs und last but not least Air Berlin, wenn Lufthansa zum Etihad-Partner wird?

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Etihad will Air Berlin zur "starken Alternative zu Lufthansa" ausbauen

Eigentlich soll ja Air Berlin das Etihad-Netzwerk füttern und transatlantisch ausbauen. Europa-Zubringer, USA-Flüge... das könnte Lufthansa ganz sicher auch, wenn nicht sogar besser. Lufthansa und Etihad als Partner – das kann für die "neue Air Berlin" aber auch gut sein, um in Ruhe unzustrukturieren. Weil Lufthansa gleichzeitig rund 40 Flugzeuge bei Air Berlin least, sitzen die ehemaligen Kontrahenten ohnehin schon in einem Boot. Jetzt muss nur noch koordiniert gerudert werden.

Die verbleibenden Lufthansa-Feinde heißen nun Ryanair und Easyjet. Die hatten eigentlich schon auf den Zusammenbruch von Air Berlin gelauert, um blitzschnell zu übernehmen. Jetzt hat Lufthansa das getan – zusammen mit Etihad und einem gewaltigen Sprung über den Schatten. Mal schauen, wer als nächstes hüpft.

© dpa, Andreas Arnold Lesen Sie auch: Ryanair bläst zum Angriff auf Lufthansa-Heimatbasis

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Ein Flugzeug der Air Berlin steht im Regen. Darum braucht Air Berlin Hilfe vom Staat

    Air Berlin stellt einen Antrag für eine Bürgschaftsprüfung. Am Ende könnten Staatsgelder die angeschlagene Airline retten. Doch eigentlich hat sie schon einen "Letter of Support" von Etihad – wie passt das zusammen?

    Vom 09.06.2017
  • Die österreichische Niki ist eine Tochter der deutschen Air Berlin. Der geplatzte Niki-Deal und die Auswirkungen auf Air Berlin

    Das Ferienflug-Joint-Venture zwischen Etihad und Tui ist gescheitert. Das hat zwangsläufig Folgen für Air Berlin. Schließlich hat die kriselnde Airline ihre Tochter Niki bereits verkauft – ein wichtiger Teil der Neuaufstellung.

    Vom 08.06.2017
  • A320 der Niki. Niki-Deal: Etihad bricht Gespräche mit Tui ab

    Die Pläne für ein Joint-Venture aus der Air-Berlin-Tochter Niki und Tuifly sind Makulatur: Etihad bricht die Gespräche mit Tui ab. "Niki stehe nicht mehr zur Verfügung", heißt es bei dem Reisekonzern.

    Vom 08.06.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Lufthansa Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »