Spohr nimmt Flughäfen in die Pflicht

07.08.2018 - 07:38 0 Kommentare

Flüge sind in diesem Sommer besonders häufig verspätet oder fallen ganz aus. Lufthansa-Chef Spohr sieht eine Mitschuld bei den Flughäfen - die ADV sagt: "Finger-Pointing ist der falsche Weg."

Lufthansa-Chef Carsten Spohr  - © © dpa - Sven Hoppe

Lufthansa-Chef Carsten Spohr © dpa /Sven Hoppe

Während die wichtigsten Luftfahrt-Akteure bisher gemeinsam die Unregelmäßigkeiten im Luftverkehr lösen wollten, bricht Lufthansa-Chef Spohr jetzt aus und macht die Flughäfen für die Misere mitverantwortlich.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr gibt den deutschen Flughäfen eine Mitschuld an den aktuellen Problemen im europäischen Flugverkehr. Einige Airports seien mit der Zahl der Flüge überfordert, sagte er der "Bild"-Zeitung. Als Lösung schlug er vor, "die Anzahl der Starts und Landungen an überlasteten Flughäfen zu verringern oder zumindest nicht weiter zu steigern".

Beim Flughafenverband ADV reagiert man überrascht auf die Äußerung. "Finger-Pointing ist der falsche Weg", so Kommunikationschefin Isabelle Polders zu airliners.de. "Die Branche sollte ihre Hausaufgaben machen, damit sich die Gesamtsituation verbessert."

© airliners.de, David Haße Lesen Sie auch: "Große Airports wollen Verantwortung übernehmen" Interview mit ADV-Präsident Schulte

Seit Wochen kommt es zu einer großen Welle von Verspätungen und Flugstreichungen am europäischen Himmel. Zum einen entstehen Delays, weil Passagiere oft viel zu lange an den Sicherheitskontrollen an den Airports warten; zum anderen hat aber auch der Anteil der durch Flugsicherung und Unwetter bedingten Verspätungen zugenommen - den größten Anteil an den Delays haben laut Eurocontrol immer noch die Airlines selbst.

Verspätungsgründe im Juni
Anteil in Minuten
Airlines 4.3
Airports 1.4
Flugsicherung 2.5
Wetter 0.5
Luftsicherheit 0.4
Sonstige 0.3

Quelle: Eurocontrol

Bereits Ende Juni entschuldigte sich der Bundesverband Deutscher Luftverkehrswirtschaft (BDL) öffentlich für die Probleme. Unterzeichner war unter anderem auch Lufthansa-Chef Spohr.

Barig stellt Ursachen und Maßnahmenkatalog vor

Indes stellt auch der Barig (Board of Airline Representatives in Germany) seine Diagnose der aktuellen Situation vor. So sei grundsätzlich die Kapazitätsgrenze am europäischen Himmel erreicht. Addieren sich dann noch Streiks von Fluglotsen, Dienstleistern und Airlines, komme es zu Ausfällen, Umwegen sowie unnötigen Verspätungen. Auch ein starres Nachtflugverbot hemme die flüssige Abwicklung des Flugverkehrs.

Weiter führt der Verband ausländischer Airlines in Deutschland ineffiziente Sicherheitskontrollen an, die zu teils langen Wartezeiten führen. Auch die extremen Wetterlagen hätten in diesem Jahr den Betreib immer wieder durcheinandergebracht.

Barig: Breitgefächerte Maßnahmen ergriffen

Laut des Barig sei die Branche aber nicht untätig. So setzten zum Beispiel Airlines, Airports und auch die Deutsche Flugsicherung (DFS) bereits mehr Personal ein. Außerdem arbeite die DFS auch mit ihren europäischen Partnern daran, große Verkehrsknotenpunkte zu entzerren, um den Luftraum zu entlasten. Bodenprozesse würden bereits optimiert, indem beispielsweise verspätete Flüge mit Priorität abgefertigt werden.

© airliners.de, Lesen Sie auch: "Der Staat soll nicht alles bezahlen" Interview mit BDL-Hauptgeschäftsführer von Randow

Der Barig artikuliert auch konkrete Forderungen an die Politik: eine Kapazitätserhöhung des europäischen Luftraums, eine bedarfsgerechte Modernisierung der Flughafeninfrastruktur sowie Flughäfen stärker bei den Sicherheitskontrollen miteinzubeziehen und finanziell, wie im Koalitionsvertrag festgehalten auch finanziell zu entlasten.

Politik reagiert verärgert, bietet aber keine konkrete Lösung

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) reagierte verärgerte auf die aktuellen Probleme am Himmel. Gegenüber der "Bild"-Zeitung" äußerte der Minister am Wochenende, dass er es nicht akzeptieren könne und wolle, dass es in Deutschland in diesem Sommer so viele Flugausfälle und Verspätungen gebe.

Gleichzeitig machte Scheuer Touristen und Geschäftsreisenden aber wenig Hoffnung, dass sich an der aktuellen Situation in diesem Sommer noch etwas ändern werde. "Für diese Sommersaison wird realistisch nicht Abhilfe zu schaffen sein." Ähnliches hatte vorab Matthias Maas, Chef der Fluglotsengewerkschaft GdF, im Interview mit airliners.de gesagt.

Als erste Maßnahme kündigte der Bundesminister ein Treffen mit Luftfahrt-Spitzenmanagern für Herbst an. Man müsse darauf achten, dass mit dem immensen Wachstum des Flugverkehr auch die Infrastruktur mithalten könne, denn Menge sei nicht alles. Lufthansa-Lenker Spohr hat seine Teilnahme am Gipfel Scheuers bereits zugesagt.

Zahlreiche Verspätungen und Ausfälle

Die Probleme der deutschen und europäischen Luftfahrtbranche sind in diesem Jahr groß: Unregelmäßigkeiten im Flugverkehr, von Verspätungen bis zu Ausfällen prägen das Bild. Und auch an den Sicherheitskontrollen kommt es vermehrt zu langen Wartezeiten.

Bereits Ende Juni entschuldigte sich der Luftfahrt-Verband BDL öffentlich für die Probleme. Unterzeichner war unter anderem auch Lufthansa-Chef Spohr.

Von: br, cs
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Montage: airliners.de Verkehrsminister Scheuers Drucksache

    Die Born-Ansage (112) Verkehrsminister Andreas Scheuer macht kurz vor dem Ende der Groko richtig Druck. In der Automobilindustrie und auch am BER. Toll, findet unser Kolumnist Karl Born: Dann wird ja endlich alles gut.

    Vom 06.06.2019
  • Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Scheuer setzt BER-Chef wegen Eröffnungstermin unter Druck

    Bundesverkehrsminister Scheuer hat in einem Brief Flughafenchef Lütke Daldrup zur Klarheit bezüglich des BER-Eröffnungstermin aufgefordert und ein Konzept für den Fall der Nichteröffnung gefordert. Kritik kommt von den Grünen.

    Vom 05.06.2019
  • Reisende stehen am Haupteingang des Flughafen Schiphol in Amsterdam (Archivfoto). Amsterdam darf Airlines nicht zum Umzug zwingen

    Der Flughafen Amsterdam operiert am Limit. Damit KLM weiter wachsen kann, baut die Schiphol-Group einen Ausweichflughafen und will Fluggesellschaften zum Umzug bewegen. Das machen aber weder die Airlines noch die EU-Kommission mit.

    Vom 14.05.2019

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus