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"Noch viel Fantasie" für Eurowings-Langstrecke

25.06.2018 - 14:58 0 Kommentare

Lufthansa-Chef Spohr hat für die Langstrecke der Billigtochter Eurowings "noch viel Fantasie". Zahlen zeigen: Von Flugplan zu Flugplan ist sie gewachsen. Das heizt Spekulationen an.

Langstreckenflugzeuge von Eurowings. - © © Eurowings -

Langstreckenflugzeuge von Eurowings. © Eurowings

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat einen möglichen Ausbau der Eurowings-Langstrecke im Winter ins Spiel gebracht. So sagte er im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", dass weitere A330-Jets von der Lufthansa aus München die Interkontinental-Flotte der Billigtochter verstärken sollen.

Der Ausbau der Eurowings-Langstrecke sei ein großes Thema in der Lufthansa Group und da habe er "noch viel Fantasie", so Spohr. Das Management von Eurowings will sich auf Anfrage nicht dazu äußern und teilt lediglich mit, dass noch nicht final über das Angebot im Winter entschieden sei.

Langstrecke verlässt Köln/Bonn

Dabei zeigt sich, dass die Langstreckenflotte von Eurowings seit dem Start immer zugelegt hat: Seit der ersten A330 im Winter 2015/16 ist der Interkontinental-"Fuhrpark" der Eurowings stetig gewachsen:

Flugplan Langstreckenflugzeuge
Winter 2015/16 1 A330
Sommer 2016 4 A330
Winter 2016/17 4 A330
Sommer 2017 6 A330
Winter 2017/18 6 A330
Sommer 2018 8 A330, 2 A340
Quelle: Eurowings

Neben dem direkten Flotten-Wachstum ist die Eurowings-Langstrecke in diesem Sommer von mehreren Änderungen betroffen: Die grundsätzlichste betrifft wahrscheinlich die Flughäfen, von denen aus operiert wird. Erste Basis der interkontinentalen Operations war der Flughafen Köln/Bonn.

Denn der NRW-Airport hat keine Nachtflugbeschränkungen und verzeiht daher Verspätungen im anfangs ruckelnden Eurowings-Interkontinental-Betrieb, erklären Experten. Allerdings soll die Interkontinental-Operation in Köln/Bonn zum Winter hin eingestellt werden. Stattdessen soll die Flotte auf die beiden Airports Düsseldorf und München aufgeteilt werden.

Eurowings: Rekordverdächtiger Aufbau in Düsseldorf

Noch im vergangenen Sommer hat Eurowings angekündigt, die Langstrecke auch zum Flughafen München zu bringen. Von einem der beiden Deutschland-Hubs des Mutterkonzerns Lufthansa bietet der Low-Coster seit diesem Sommer neun Strecken an. Zudem kann sich Eurowings laut Insidern damit rühmen, dort die Langstrecke der deutschen Thomas-Cook-Tochter Condor verdrängt zu haben - zumindest im Sommer.

Passagierzahlen

Im Sommer 2016 beförderte Eurowings auf der Langstrecke unseren Berechnungen zufolge fast 330.000 Passagiere. In der Periode des darauffolgenden Jahres (2017) waren es mit über 530.000 Fluggäste schon rund 62 Prozent mehr. Und auch im Winter Vergleich verbucht die Low-Cost-Langstrecke ein deutliches Wachstum: Das saisonal bedingt schwächere Plus kommt auf knapp 36 Prozent mit gut 498.000 Passagieren (Vergleich Winter 2016/17 zu Winter 2017/18).

Auch für die ersten beiden kompletten Monate des diesjährigen Sommerflugplans, April und Mai, ergibt sich für die Eurowings-Langstrecke ein deutliches Passagierplus:

Passagiere Eurowings-Langstrecke
Fluggäste
April/Mai
2016
79000
April/Mai
2017*
140076
April/Mai
2018*
194516

* = exklusive Brussels Airlines. Quelle: Eurowings, Brussels, eigene Berechnungen

Darüber hinaus hat Eurowings nach der Pleite des dortigen Homecarriers Air Berlin in Düsseldorf eine Langstrecken-Operations aufgebaut. Dort hob ein Flieger zu einem interkontinentalen Flug unter "EW"-Code erstmals Mitte April ab - ein halbes Jahr nach der Entscheidung der Lufthansa-Airline, in Düsseldorf in die Langstrecken-Lücke der Air Berlin zu preschen. Eurowings selbst spricht hier von einem "rekordverdächtigen" Timing.

Unbestätigten Meldungen zufolge wird die Langstrecke in Düsseldorf von ehemaligen Air-Berlin-Piloten und -Maschinen bedient. Offiziell hatte Eurowings keine A330-Jets der ehemaligen Konkurrentin übernommen.

Auch Brussels kommt zum Einsatz

Dies hat wohl mit einer zweiten grundlegenden Neuerung der Eurowings-Langstrecke zu tun: den operierenden Flugbetrieben. Bislang setzte Eurowings ausschließlich auf A330-Jets, die vom deutschen Teil des Lufthansa/Turkish-Airlines-Joint-Venture Sun Express bedient werden.

Doch seit dem Start in Düsseldorf das Umdenken: Der dortige Langstreckenbetrieb wird von der belgischen Brussels Airlines durchgeführt. Diese hatte der Kranich-Konzern Ende 2016 komplett übernommen und eine Integration in Eurowings angekündigt.

Eurowings spricht von einer "Group"

Nach dem dortigen Führungswechsel an der Airline-Spitze im Februar dieses Jahres, scheint es nun auch voran zu gehen. Der bisherige Chef, Bernard Gustin, hatte in Interviews Pläne für die Zukunft skizziert, die nicht mit dem Konzern-Management abgestimmt gewesen sind. Mitte April sprach Eurowings erstmals von einer eigenen "Group".

Darstellung: airliners.de

Langfristig soll Brussels als Teil der Eurowings Group die Steuerung des Langstreckengeschäfts übernehmen - sowohl der unter "EW"-Flugcode operierenden Betrieb, als auch der unter "SN"-Nummer. Ein Austausch der Flotte ist allerdings bislang nicht vorgesehen, berichtet ein Manager, der nicht genannt werden möchte.

Hat Eurowings Condor verdrängt?

Die Langstrecke von Brussels ist besonders auf dem afrikanischen Markt stark. Während die von Eurowings vor allem auf touristische Interkontinental-Verbindungen zielt, wodurch es zahlreiche Überschneidungen mit dem Angebot von Condor gibt. Fast zeitgleich zur Ankündigung von Eurowings im vergangenen Jahr, die Langstrecke auch nach München zu bringen, kam von Condor die Nachricht, Interkontinental-Verbindungen nur noch im Winter ab der bayerischen Hauptstadt anzubieten.

"Bizz Class"

Mit dem Start der Brussels-Operations auf der Eurowings-Langstrecke hat die Lufthansa-Tochter auch eine eigene Business-Class eingeführt. Diese firmiert unter dem Namen "Bizz Class" und ist auf Grundlage der ehemaligen Lufthansa-Sitze entwickelt. Gleichzeitig hat die Lufthansa-Tochter ihre bislang höchste Buchungskategorie auf Kurz- und Mittelstrecke von "Best" in "Bizz Class" umbenannt.

Foto: © Eurowings

Manager beider Airlines betonen, dass keine Entscheidung von der anderen direkt beeinflusst wurde. Neben dem Wettbewerb, in den Eurowings mit der Langstrecken-Ops eingetreten ist, entstand durch Brussels ab Düsseldorf auch eine Konkurrenzsituation innerhalb der Group. Denn auf einmal bedient nicht mehr nur Sun Express unter "EW"-Flugcode interkontinentale Ziele.

Vertrag mit Sun Express bis 2022

Bei Sun Express hat man indes keine Angst davor, dass man auf der Eurowings-Langstrecke in einem natürlichen Kampf mit Brussels eingestiegen ist. "So ein Beauty-Contest schmeichelt uns nur, denn wir sind in vielen Bereichen attraktiver aufgestellt", heißt es aus dem Umfeld des Carriers.

Darüber hinaus ist man sich sicher: "Unser Vertrag mit Eurowings läuft bis 2022, den wollen wir erfüllen und am liebsten auch verlängern."

Spohr will Eurowings-Langstrecke an kleine Airports bringen

Konzernchef Spohr sieht Wachstum der Eurowings-Langstrecke auch an neuen Flughäfen: "Ich bin überzeugt, dass mit neuen Interkontinental-Flugzeugen, die kleiner und trotzdem sehr effizient sind, neue Möglichkeiten entstehen." Berlin wachse stark, Hamburg und Stuttgart hätte enormes wirtschaftliches Potenzial. "In einigen Jahren kann das realistisch sein."

Im Lufthansa-Konzern ist die Entwicklung von Eurowings komplett abgekoppelt von der der Netzwerk-Airlines (Lufthansa, Austrian, Swiss). Nicht zuletzt deswegen kann sich Spohr auch vorstellen, dass die Langstrecke der Billigtochter auch zum Austrian-Drehkreuz Wien kommt.

Von: cs
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