Hintergrund

Sorgenkinder und Superlative bei Airbus und Boeing

14.01.2015 - 15:14 0 Kommentare

Das Wachstum des Luftverkehrs sieht kein Ende. Die beiden Flugzeugbauer Airbus und Boeing streiten um die besten Konzepte. Vor Fehleinschätzungen waren bislang beide nicht gefeit.

Bugsektion eines Airbus A380 in einer Montagehalle in Toulouse

Bugsektion eines Airbus A380 in einer Montagehalle in Toulouse
© dpa - Yoan Valat

Blick in die Boeing-787-Endmontagelinie in Everett

Blick in die Boeing-787-Endmontagelinie in Everett
© Boeing

Rekorde, Rekorde, Rekorde: In ihrem alljährlichen Duell überbieten sich Airbus und Boeing mit Superlativen - und dem Wettlauf, wer denn nun der erfolgreichste Flugzeugbauer der Welt ist. Derjenige mit den meisten Auslieferungen? Der mit den meisten Bestellungen? Oder derjenige, der die teuersten oder sparsamsten Flieger verkauft? Dabei ist weder das größte Flugzeug noch der letzte Schrei der Technik ein sicherer Schlüssel zum Erfolg, wie die Hersteller beim Airbus A380 und Boeings "Dreamliner" teils schmerzhaft erfahren mussten. Manchmal zählt nur der richtige Riecher.

Der weltweite Luftfahrtmarkt wächst und wächst. In 20 Jahren schon dürften jährlich 7,3 Milliarden Menschen in die Flugzeuge steigen, mehr als doppelt so viele wie 2014, schätzt der internationale Luftfahrtverband IATA. Für Airbus-Verkaufschef John Leahy ist das Wasser auf die Mühlen, wenn er die Zukunftschancen des zuletzt von Airlines geschmähten Riesen-Airbus A380 beschwört. Gerade für die explodierende Zahl der Megastädte in aller Welt sei die A380 der richtige Flieger, weil die Flughäfen so schnell gar nicht wachsen könnten, um immer mehr Flugzeuge aufzunehmen, sagt Leahy.

Airbus will mit A380 erstmals Geld verdienen

Bis zu 853 Passagiere fasst die A380, wenn man sie ganz eng bestuhlt. Sogar von einem möglichen Aus für das Modell war die Rede - was Airbus-Chef Fabrice Brégier allerdings als "verrückte Idee" bezeichnet. Schließlich wird der Riesenjet erst seit 2007 ausgeliefert. Und in diesem Jahr will Airbus mit dem Modell erstmals Geld verdienen. Nur: Im vergangenen Jahr wollte keine einzige Fluggesellschaft den Flieger bestellen - nur ein Flugzeugfinanzierer orderte 20 Jets. Noch schlechter sieht es für Boeings Flaggschiff, den modernisierten Jumbo-Jet 747-8, aus.

Den Herstellern drohen nun Fehleinschätzungen von der Jahrtausendwende auf die Füße zu fallen. Den neuen Jumbo entwickelte Boeing auf Drängen der Lufthansa, die bis heute mit 19 Maschinen die größte Kundin blieb. Und mit der A380 erfüllte sich Airbus den Traum vom größten Passagierflugzeug der Welt - mit unsicherem Ausgang.

Drehkreuz oder Direktverbindung?

Die entscheidende Frage: Wollen die Menschen künftig vor allem mit Riesenjets über Großflughäfen wie Frankfurt, London-Heathrow oder Dubai zu ihren Zielen kommen? Oder gehört die Zukunft den Direktflügen etwa von Berlin nach New York - mit kleineren Jets mit 250 oder 300 Sitzen wie Boeings "Dreamliner"?

Argumente gibt es für beide Sichtweisen. Als Verfechter des A380-Konzepts mit großen Umsteigeflughäfen fielen vor allem Airlines aus dem Nahen Osten wie Emirates und Qatar Airways auf. In dieser Region und in Asien erwarten Experten auch das größte Wachstum des Luftverkehrs. 318 Bestellungen hat Airbus für die A380 seit ihrem Start eingesammelt, fast die Hälfte der Aufträge stammt von Emirates. Boeing hat für den kleineren "Dreamliner" 1071 Bestellungen eingesammelt, 114 Exemplare verließen allein vergangenes Jahr die Werkshallen.

Verzögerungen bescheren Boeing milliardenschwere Kosten

Allerdings musste der US-Konzern während der Entwicklung teures Lehrgeld bezahlen. Der neuartige Rumpf aus Verbundwerkstoffen und andere technische Probleme verzögerten die Erstauslieferung um dreieinhalb Jahre. Nachdem es 2011 so weit war, legten Probleme bei den riesigen Bordakkus das Boeing-Modell über Monate lahm. Die laut Experten milliardenschweren Kosten für die Verzögerungen muss Boeing noch lange abtragen.

© dpa, Markus Scholz Lesen Sie auch: Airbus schlägt Boeing bei Neubestellungen im Jahr 2014

Airbus-Chef Brégier setzt inzwischen viel lieber auf kleinere Verbesserungen, als das Flugzeug jedes Mal neu zu erfinden. Paradebeispiel ist die modernisierte Version des Mittelstreckenjets A320, die A320neo, die bis zu 20 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen soll als ihre Vorgängerin. Mehr als 3000 Bestellungen hat Airbus inzwischen eingesammelt - Brégiers Vorgänger hatte erkannt, was die Airlines brauchen und Boeing dabei kalt erwischt. Dabei bekommt der Flieger vor allem sparsamere Triebwerke und eine etwas verbesserte Aerodynamik. Der 20 Jahre alte Langstreckenjet A330 soll auf ähnliche Weise eine zweite Jugend bekommen.

Und die A380? Neue Triebwerke - vielleicht irgendwann, sagt Brégier. Derzeit überlegt er gemeinsam mit den Airlines, wie er auf gleicher Fläche mehr Passagiere in die Touristenklasse bekommt. Das spart den Airlines auch Geld - kommt Airbus aber viel billiger.

Von: Steffen Weyer, dpa-AFX
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