So soll Tuifly mit dem Air-Berlin-Touristikteil verschmelzen

Exklusiv 21.11.2016 - 13:25 0 Kommentare

Tui und Etihad wollen aus Tuifly und Teilen der Air-Berlin-Gruppe einen neuen Ferienfieger in Österreich schaffen. Jetzt konkretisieren sich die Planungen in Sachen Struktur, Vertrieb und Flotte.

TUIfly und Air Berlin am Flughafen Hannover - © © dpa -

TUIfly und Air Berlin am Flughafen Hannover © dpa

Tuifly und die touristischen Teile von Air Berlin sollen schon bald gemeinsam abheben, noch in dieser Woche steht die Entscheidung an.

Aus den Antworten des Tuifly-Managements auf einen Fragenkatalog der Mitarbeiter gehen jetzt weitere Details zur geplanten neuen Airline hervor. Ziel ist demnach der Aufbau eines Airline-Verbunds, der von Deutschland, Österreich und der Schweiz touristische Destinationen im Punkt-zu-Punkt-Verkehr bedienen soll.

Aktuell böte sich eine Chance, zusammen mit Etihad einen europäischen "Marktführer im touristischen Flugmarkt" aufzusetzen, begründen die Tuifly-Chefs Jochen Büntgen und Roland Keppler die aktuellen Planungen gegenüber ihren Mitarbeitern. Das schaffe "Zukunftsperspektiven" für alle.

Mögliche Alternativen malen die Tuifly-Chefs schwarz: Die Lage der Air Berlin berge für Tuifly erhebliche Gefahren, heißt es in dem Dokument, das airliners.de vorliegt: Rund 700 Arbeitsplätze stünden zur Disposition, sollte Air Berlin als langfristiger Leasingnehmer für rund ein Drittel der aktuellen Tuifly-Flotte wegfallen.

Nun soll Tuifly in einer österreichischen Holding mit der Air-Berlin-Tochter Niki verschmolzen werden. Tui verkauft ihre Tochter Tuifly also nicht an Etihad oder Air Berlin sondern bringt sie in ein Gemeinschaftsunternehmen ein, dessen gesellschaftsrechtliche Basis die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki ist.

Schon zum April kommenden Jahres ist der Start mit einem abgestimmten Flugplan geplant. Bis dahin müssen noch die EU-Kartellwächter sowie die österreichischen Luftfahrtbehörden von dem neuen Konstrukt überzeugt werden.

Darum Österreich

Rechtliche Rahmenbedingungen sind ausschlaggebend für die recht komplizierte Struktur des geplanten Gemeinschaftsunternehmens. Für 24 Prozent der Anteile bringt Tui "liquide Mittel in Höhe der Pensionsverpflichtungen" mit ein. Zu weiteren 25 Prozent beteiligt sich Air-Berlin-Hauptaktionär Etihad, die Mehrheit wird eine Stiftung halten.

EU-Recht erlaubt es nämlich nicht, dass Gesellschaften aus Drittländern europäische Airlines kontrollieren. Eine Stiftung sei dagegen nicht weisungsberechtig und besitze zudem ein Gewinnabführungsrecht, heißt es in den Antworten. So würden "die regulatorischen Auflagen erfüllt, die das Engagement von Etihad in Europa überhaupt erst erlauben."

Darum sei die Entscheidung für den Standort des Gemeinschaftsunternehmens für Österreich gefallen. Probleme mit der rechtlichen Struktur sieht das Tuifly-Management nicht, schon seit einigen Jahren habe Niki aus "flugrechtlichen Gründen" eine Stiftung als Gesellschafter, die als Basis für das neue Gemeinschaftsunternehmen zur Verfügung stehe.

Das neue Joint-Venture soll mit zunächst 62 Flugzeugen starten: 21 Maschinen vom Typ Airbus A321 stellt die Air-Berlin-Group, Tuifly bringt ihre gesamte Flotte aus 41 Boeing 737 ein - inklusive der 14 Maschinen, die bislang für Air Berlin fliegen. Später soll die Airline moderat wachsen. Bestehende Leasingverträge würden erfüllt, heiß es. Sowohl Tuifly als auch Air Berlin haben keine eigenen Flugzeuge.

Tuifly soll in der gemeinsamen Struktur die "wesentlichen operativen Prozesse" abdecken. Die Mitarbeiter der Tuifly sollen dazu in Deutschland angestellt bleiben und lediglich "Services" für die österreichische Fluggesellschaft erbringen.

So werde eine "Airline-Plattform" entstehen, die gemeinsam "als vollwertige Airline" operiert. Das gemeinsame Auftreten am Markt sowie Skaleneffekte sollen dazu beitragen, dass die Sitzplatzkosten der neuen Verbundairline rund 15 Prozent unter denen der heutigen Tuifly liegen.

Unklar bleibt, in wie weit das deutsche AOC der Tuifly beibehalten wird oder ob alle Maschinen in Österreich registriert werden. Die Schweizer Air-Berlin-Tochter Belair spielt dagegen definitiv keine Rolle im neuen Verbund.

Entgegen anderslautender Spekulationen im Vorfeld übernimmt Etihad im Übrigen auch nicht nur die "industrielle Führung" der neuen Gemeinschaftsholding. Die Gesellschaft aus Abu Dhabi solle auch den Vertrieb in wesentlichen Teilen verantworten.

Tuifly-Mitarbeiter sorgen sich, abgewickelt zu werden

Als Ende September die ersten Gerüchte um mögliche Veränderungen bei der Tuifly publik wurden, hielten kurzfristige Krankmeldungen der Mitarbeiter die Airline am Boden. In der Folge gab Tui den Mitarbeitern eine Standortgarantie für drei Jahre. Zudem sollen die heutigen Arbeitsverträge, Tarifpartner, Tarifverträge und Gehälter der Tuifly-Mitarbeiter unangetastet bleiben. Garantien für die weitere Zukunft könne es nicht geben, so das Management jetzt in ihren Ausführungen. Standortgarantien seien zudem keine Arbeitsplatzgarantien. Es sei aber nicht geplant, die Tuifly abzuwickeln.

Tui will den neuen Anbieter dagegen lediglich als "bevorzugten Zulieferer" nutzen und rund 30 Prozent der Kapazitäten abnehmen - das sind nicht mehr Sitze als heute bei Tuifly.

Weitere 40 Prozent der Sitzplatzkapazitäten sollen den Planungen nach gleichermaßen über Vermittler und über Einzelplatzbuchungen abgesetzt werden. Die restlichen 30 Prozent sollen über andere Reiseveranstalter gefüllt werden.

Nicht zuletzt wegen des großen Anteils an Fremdvermarkterkapazitäten könne der neue Name keinen Bezug mehr zur Tui haben, so das Tuifly-Management. Die Etablierung einer neuen Marke gehöre zu den wichtigsten Herausforderungen des neuen Gemeinschaftsunternehmens. Der durch die Medien geisternde Projektname "Blue Sky" wird in dem Dokument allerdings nicht genannt.

© dpa, Peter Steffen Lesen Sie auch: Massen-Krankmeldungen bringen Tuifly fast zum Stillstand

Von: dh
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