So könnte Billigflieger Ryanair umbauen

08.06.2018 - 15:25 0 Kommentare

Ryanair-Chef O'Leary bringt eine Struktur ähnlich der IAG-Gruppe für den Billigflieger ins Gespräch. Schon in "zwei, drei Jahren" könnte es soweit sein. Experten sehen die Pläne skeptisch.

Michael O'Leary. - © © dpa - Stian Lysberg Solum

Michael O'Leary. © dpa /Stian Lysberg Solum

Billigflieger Ryanair spielt mit dem Gedanken, sich in eine Dachgesellschaft für andere Airlines umzustrukturieren. Dies sagte Airline-Chef Michael O'Leary. Als Vorbild sehe man die Fusion von British Airways und Iberia zur IAG. Dort können Carrier andocken, bleiben aber als eigenständige Marke bestehen.

Zwar seien die Pläne noch nicht fix, jedoch sprach O'Leary davon, dass beides innerhalb von "zwei, drei Jahren" umgesetzt werden könnte. "Ich denke, dass es natürlich auch andere Möglichkeiten für Übernehmen gibt - nicht, dass wir im M&A-Geschäft aktiv werden", so der Ryanair-Chef.

Innerhalb der Holding sitzt als verbindendes Element eine Konzernleitung oberhalb der Airlines und gibt die grundlegende Richtung vor. Auch hätte das Modell für Ryanair konkret den Vorteil, dass die ausgewiesenen Verkehrs- und wirtschaftlichen Kennzahlen aller Carrier kumuliert ausgewiesen würden.

Lösung hat nicht nur Vorteile

Branchenkenner Michael Santo von der Unternehmensberatung H&Z ist bei dem Holding-Gedanken von Ryanair zwiegespalten: Zum einen biete ein solches Konstrukt die Möglichkeit, eine Vielzahl weiterer Airlines/Unternehmen anzudocken, ohne grundlegend die Grundzüge des Geschäftsmodells zu ändern. "Aber genau das ist auch der Nachteil der Idee", so Santo.

Ryanairs Alleinstellungsmerkmal sei das durchgestochene und sehr eindeutige Geschäftsmodell: "Dies ist die DNA des Unternehmens und das Erfolgsgeheimnis." Dieses Modell ließe eigentlich nur organisches Wachstum zu, da die Integration anderer Airlines in dieses Modell immer zu Transformationsaufwand führe und durch den Einfluss der kulturellen Eigenheiten jedes einzelnen Unternehmens "zwangsläufig zu einer Verwässerung der Ursprungsmodells führt".

Bisher bedeutet Wachstum bei Ryanair immer den Kauf neuer Flugzeuge und das Besetzen neuer Routen, mit dem Holding-Modell kann das Wachstum nun auch anorganisch stattfinden.

Michael Santo, Luftfahrtexperte

Ryanair scheint aktuell vermehrt auf Zukäufe setzt: So wollen die Iren sich die österreichische Niki-Nachfolge-Airline Lauda Motion einverleiben und buhlen dem Vernehmen nach auch um Low-Cost-Konkurrentin Norwegian. Auch die von Polen aus operierende Chartergesellschaft Ryanair Sun könnte als eigenständige Marke an die Dachgesellschaft andocken.

© dpa, Herbert Neubauer/APA Lesen Sie auch: Warum Ryanair auf einmal zukauft Analyse

Den Umbaugedanken liegt ein Richtungskampf im Verwaltungsrat zugrunde. Nach airliners.de-Informationen ist dieser inzwischen in zwei Lager gespalten. Noch folgt die Mehrheit dort O'Leary und dessen harten Spardiktat. Doch kritische Stimmen mehren sich. So gewinnt die Fraktion, die einen Kurswechsel hin zu einem sozialen Arbeitgeber, der auch mit seinen Mitarbeitern verantwortungsvoll umgeht, immer mehr an Einfluss.

Von: cs
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