So will sich der Flughafen Friedrichshafen neu aufstellen

Der Flughafen Friedrichshafen will sich wieder finanziell stabil aufstellen und hat nun die Pläne dafür vorgestellt. Diese sehen unter anderem ein zweistelliges Millionen-Darlehen der Gesellschafter vor.

Terminal des Flughafens Friedrichshafen - © © Bodensee-Airport Friedrichshafen -

Terminal des Flughafens Friedrichshafen © Bodensee-Airport Friedrichshafen

Der Flughafen Friedrichshafen hat die Pläne für seine finanzielle Restrukturierung vorgelegt. Über dieses Maßnahmenpaket soll in den kommenden Wochen in den Gremien der Stadt Friedrichshafen und des Bodenseekreises beraten werden - den Hauptgesellschaftern des Airports.

Ich bin überzeugt, dass wir mit einem soliden Plan und gut durchdachten Maßnahmenpaket den Flughafen Friedrichshafen aus den Turbulenzen navigieren und auf ein stabiles wirtschaftliches Fundament stellen können.

Bodensee-Airport-Chef Claus Dieter Wehr

Das entwickelte Konzept sieht unter anderem ein 14 Millionen Euro hohes Darlehen der Gesellschafter vor, womit die Fremdfinanzierung reduziert und zur "Deckung des erhöhten Investitionsbedarfs" beigetragen werden soll.

Darlehen soll gleichzeitig eigenen Zinsaufwand drücken

Das Darlehen solle in jährlichen Tranchen von je 4,5 Millionen Euro ausgezahlt werden. Rund die Hälfte der Gesamtsumme solle für die direkte Tilgung verwendet werden, um die anfallende Zinslast zu senken. Ziel sei es, bis 2022 eine Teilentschuldung des Bodensee-Airports zu erreichen.

Mit der Restsumme solle ein Teil der anstehenden Investitionskosten (insgesamt rund 13,2 Millionen Euro bis 2022) gedeckt werden. Den Rest der aufzubringenden Investitionskosten könne man aus dem laufenden Geschäft finanzieren. Auch sei man für etwaige Investitionszuschüsse mit dem Land Baden-Württemberg im Gespräch.

Wir haben bewiesen, dass wir, wenn man Zins-, Tilgungs- und Abschreibungslasten außen vor lässt, aus eigener Kraft ein positives Betriebsergebnis erzielen können.

Bodensee-Airport-Chef Claus Dieter Wehr

Das Restrukturierungskonzept sieht darüber hinaus vor, dass die bis dahin gewährten Darlehen im Jahr 2021 in Eigenkapital gewandelt werden. Gleichzeitig soll die Finanzierung durch Banken kontinuierlich sinken und eine Eigenkapitalquote von über 50 Prozent erreicht werden. "Damit wird in die Substanz des Flughafens investiert und die Eigenkapitalbasis nachhaltig gestärkt", so Wehr.

Kapitalzuflussrechnung 2018 bis 2022. Foto: © Bodensee-Airport

Für die Zukunft setze man auf die strategische Weiterentwicklung aller für die Bodenseeregion wichtigen Verkehrssegmente. Dies seien die Drehkreuzverbindungen, die Direktflüge zu innerdeutschen Städten, der Touristikbereich, das Low-Cost-Segment und die allgemeine Luftfahrt. "Aufgrund der vorhandenen Nachfrage sind wir überzeugt, dass sich in all diesen Segmenten die Verkehre positiv entwickeln werden", so Wehr.

Marktanteile am Bodensee-Airport
Angaben in Prozent
Lufthansa 49.5
Wizz Air 23.0
Germania 18.3
Easyjet 5.7
British Airways 2.1
Twin Jet 1.4

Beschreibung: Die Grafik zeigt die Verteilung der Sitzplatzkapazitäten auf Flügen ab dem Airport Friedrichshafen im laufenden Winterflugplan bis Ende März 2018. Quelle: CH Aviation, Stand: 7. November 2017

Der Bodensee-Airport musste in der Vergangenheit mehrere Rückschläge hinnehmen: In den vergangenen beiden Jahren waren Intersky  und VLM Airlines  insolvent gegangen. Durch Intersky war damals mehr als die Hälfte des Verkehrs am Flughafen weggebrochen, bei VLM waren es knapp 20 Prozent.

Erst im April hatte die österreichische People’s Viennaline ihr Engagement am Bodensee-Airport beendet. Airport-Chef Klaus-Dieter Wehr nannte den Rückzug "überraschend". Die österreichische Fluggesellschaft bot zuletzt rund 20 Prozent der angebotenen Sitzplatzkapazitäten ab Friedrichshafen an.

Von: cs

Datum: 07.11.2017 - 13:52

Adresse: http://www.airliners.de/so-flughafen-friedrichshafen/42786